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Zunftzeichen-Obfrau Birgit Zöchling zum Abschied: „Die Altstadt ist die Seele einer Stadt“

Margareta Pittl, 17.10.2017 11:52

Das Zunftzeichen steht diese Woche vor einer Weichenstellung. Denn am Donnerstag, den 19. Oktober findet die Jahreshauptversammlung samt Neuwahl des Vorstandes statt. Birgit Zöchling wird sich nicht mehr der Wahl stellen. Tips sprach daher mit der scheidenden Obfrau über die Entwicklung der Stadt und die Zukunft des Zunftzeichens.

Birgit Zöchling zog im Tips-Interview ihre persönliche Zunftzeichen-Bilanz. Foto: Hebe
Birgit Zöchling zog im Tips-Interview ihre persönliche Zunftzeichen-Bilanz. Foto: Hebe

Fast vier Jahre lang war Birgit Zöchling ehrenamtliche Obfrau des Melker Zunftzeichens. Arbeits- und zeitintensiv war diese Aufgabe, die Zöchling nun abgibt. „Ich habe im Moment nicht mehr genug Ressourcen. Die Stadt hat sich verdient, dass man 100-prozentigen Einsatz zeigt und diese 100 Prozent konnte ich nicht mehr geben – ich bin ja auch noch Unternehmerin“, erklärt Zöchling ihren Rückzug. Über 40 Mitgliedsbetriebe hat das Zunftzeichen, deren Interessen man als Obfrau unter einen Hut bringen muss. Das scheint nicht einfach und ist es auch nicht, lässt Zöchling wissen. „Natürlich können nie alle einer Meinung sein und es kann nicht immer alles harmonisch sein. Dennoch war die Zusammenarbeit mit den Betrieben immer sehr gut. Ich habe versucht, mir immer alles anzuhören und mir ein Gesamtbild zu machen. Jetzt ist es Zeit für neue Ideen und Impulse“, so Zöchling, die von sich sagt, dass ihr Organisation und Kommunikation gut liegen – und das glaubt man ihr auch.

Die Parkscheine polarisieren

Für viel Diskussionsstoff sorgte in den letzten Jahren die Einführung der Parkraumbewirtschaftung in Melk. Für die Betriebe in der Innenstadt und damit für das Zunftzeichen eine große Herausforderung. „Jede Neuerung kostet Energie. Die Parkraumbewirtschaftung hat Vor- und Nachteile. Natürlich ist das ein Thema, das stark polarisiert. Die einen profitieren und sind froh, dass ihre Kunden wieder Parkplätze finden, die anderen beklagen Kundenrückgänge“, nimmt die scheidende Obfrau dazu Stellung und merkt an, dass das Zunftzeichen bei der Planung gerne Konzepte mitgestaltet hätte – „das war leider nicht möglich“, hält Zöchling fest und fügt hinzu: „Der Zeitpunkt der Einführung der Parkgebühren war für die Wirtschaft unglücklich. Wir hätten nach den großen Baustellen für den Hochwasserschutz gerne einen größeren Zeitpolster gehabt.“

Innenstadt-Boulevard: Ein notwendiges Projekt

Ärger, Zorn oder Missgunst ist bei Zöchling allerdings bei keinem Thema zu spüren. Aus ihrer Sicht haben sich Stadt und Wirtschaft in ihrer Amtszeit wieder angenähert und sind ständig im Gespräch: „Wir haben ja dasselbe Ziel – wir wollen möglichst viele Menschen in die Stadt bekommen.“ Angesprochen auf das Boulevard-Projekt, das den Löwenpark mit der Altstadt verbinden soll, zeigt sie sich sehr positiv eingestellt: „Ich denke, dass solch ein Projekt gut und unbedingt notwendig ist, weil es derzeit zu wenig Austausch gibt. Mit Blick auf die Stadtenwicklung war die Entscheidung für den Löwenpark, der ein größeres Einzugsgebiet bringt, eine gute. Jetzt müssen die nächsten Schritte gesetzt werden – etwa mit einem Boulevard.“ Aktuell ist der Löwenpark noch nicht Mitglied des Zunftzeichens, das soll sich aus Sicht Zöchlings aber in Zukunft ändern: „Wir stehen in einem guten Kontakt und suchen den Austausch. Einer Mitgliedschaft ist der Löwenpark jedenfalls nicht abgeneigt.“

Initiativen des Zunftzeichens

Mit Festen, gemeinsamen Aktionen und Veranstaltungen, wie der Parkscheinaktion bei der Parkscheine verschenkt wurden, dem Restlfest, bei dem Produkte günstig zu erstehen sind und dem Abendshopping versucht das Zunftzeichen Frequenz in der Altstadt zu schaffen. In diesem Zusammenhang verweist Zöchling auf den im Frühjahr auf ORF III ausgestrahlten Film 'Lebenraum Melk'. „Die gute Vernetzung der Stadt und die Verbindung mit dem Stift wird dort gut gezeigt und hat sehr viele Sympathiewerte für Melk gebracht“, zeigt sich Zöchling stolz.

Eine im vorigen Herbst gestartete Kundenbefragung legte die Wünsche der Konsumenten offen. „Die Menschen wollen eine belebte Altstadt und es tut ihnen leid, wenn Geschäfte zusperren. Die Altstadt ist die Seele einer Stadt. Soll sie das bleiben, muss man sie bewusst aufsuchen, auch wenn die Kunden es gewohnt sind, direkt vor dem Geschäft zu parken. Das ist in Melk nun mal nicht möglich. Ich brauche, wenn ich in der Altstadt drei Semmeln kaufen möchte, drei Stunden, weil ich so viele Menschen treffe. Das finde ich immer schön und ich bin gerne hier“, erklärt die Obfrau.

Nachfolge ist geregelt

Für Zöchlings Nachfolge gibt es einen Wahlvorschlag, ob dieser angenommen wird, zeigt die anstehende Generalversammlung. Zöchling selbst wird jedoch nicht im Vorstand bleiben, denn „ein bisschen schwanger geht nicht, entweder ganz oder gar nicht.“ Allerdings möchte sie das Zunftzeichen und ihren Nachfolger unterstützen und ihr in den letzten Jahren angesammeltes Wissen weitergeben. Dass in Birgit Zöchling noch immer großes Feuer für die Stadt Melk brennt, spürt man, wenn man mir ihr spricht. „Ich freue mich, dass das Zunftzeichen weitergeführt wird und die Menschen auch in Zukunft für Melk begeistert werden. Von Seiten der Gemeinde wäre eine erneute Einführung einer Abteilung für Stadtmarketing wünschenswert“, so Zöchling, die zugibt ein wenig Wehmut über den Rückzug zu verspüren. „Ich denke, dass ich in meiner Funktion zu einem guten Gesprächklima beitragen konnte und möchte die Stadt weiterhin genießen“, hält Zöchling abschließend fest.


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