Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Rauchverbot hält Gastronomie in Atem: "Es ist eine mittlere Katastrophe"

Online Redaktion, 25.11.2019 17:25

BEZIRK MELK. Rund einen Monat ist es nun alt, das neue generelle Rauchverbot in der Gastronomie. Die erste Bilanz lässt insbesondere bei vielen Bar- und Cafébetreibern die Luft dünn werden. Tips hat sich bei Gastronomen des Bezirkes umgehört.

Foto: pimpisan02/Shutterstock.com
Foto: pimpisan02/Shutterstock.com

„Es ist eine mittlere Katastrophe“, erklärt Max Dienstbier, der Betreiber des Ybbser Pubs „Ybbserl“. Umsatzeinbußen von rund 50 Prozent habe er dort seit der Einführung des generellen Rauchverbotes am 1. November gehabt. „Wenn ich das Maximahl (Wirtshaus ins Ybbs; Anm.) nicht hätte, müsste ich zusperren“, gibt sich Dienstbier – er führt seit kurzem neben dem Pub auch ein Wirtshaus – niedergeschlagen. Im Wirtshaus sei ihm das Rauchverbot egal, aber die Abendgastronomie leide sehr darunter. „Wenn die Gäste weiter ausbleiben, ist das das Ende vom Ybbserl. Jeder Kellner dort ist derzeit eine verlorene Ressource“, so der Ybbser Gastronom. Er hofft, dass die kommenden Weihnachtsfeiern wieder mehr Geschäft bringen.

Schlechter Zeitpunkt

Von hohen Umsatzeinbußen weiß auch Eva Hirner zu erzählen. „40 Prozent sind es bestimmt“, erklärt die Betreiberin des Marktcafés in Ruprechtshofen. „Die aktuelle Situation ist alles andere als leicht“, berichtet Hirner. Die meisten ihrer Gäste seien Raucher gewesen, viele von ihnen kommen nun nicht mehr. „Jetzt heißt es abwarten, ob es wieder besser wird.“ Und wenn nicht? „Dann muss ich eine Entscheidung treffen, die Öffnungszeiten verkürzen und Personal abbauen“, so die Ruprechtshofnerin. Rund ein Drittel weniger Umsatz macht derzeit Markus Madar, der zahlreiche Kaffeehäuser in den Bezirken Melk und Krems führt. Er kritisiert vor allem den Zeitpunkt der Gesetzesänderung. „Hätte man im Sommer umgestellt, hätte es man den Menschen leichter gemacht, sich daran zu gewöhnen“, so Madar, der nun Heizlampen für seine rauchenden Gäste aufstellt. Was die Zukunft betrifft, zeigt sich der Kaffeehausbesitzer aber zuversichtlich. „Ich denke, dass sich die Situation in zwei, drei Monaten wieder entspannt“, so Madar unter Verweis auf die Erfahrungswerte anderer Länder. „Ich habe auch schon positive Rückmeldungen von Gästen bekommen, die die bessere Luft zu schätzen wissen“, erzählt der Gastronom. An seinen Umbauten, die 2010 notwendig wurden, als nur mehr in abgetrennten Raucherbereichen Tabak konsumiert werden durfte, will Madar vorerst nichts ändern. „Wir können diese Räume für geschlossene Gesellschaften nutzen“, so der Kaffeehausbesitzer. Anrainerbeschwerden und undisziplinierte Gäste seien bisher kein Thema gewesen. „Wir hatten einen Gast, der sich versehentlich aus Gewohnheit eine Zigarette angezündet hat. Als wir ihn an das Rauchverbot erinnert haben, hat der Gast das Lokal aber umgehend verlassen und draußen fertig geraucht.“

Ende einer langen Debatte

Unberührt vom neuen Rauchverbot kann sich der Melker Gastronom Rene Reinmüller zeigen. Sein Lokal, der Melker Rathauskeller, ist bereits seit vielen Jahren rauchfrei. In der Altstadt-Bar Kalmuck wurden unter seiner Regie schon im Vorjahr die Glimmstängel nach draußen verbannt. „Der internationale Gast hat es mir damals gedankt“, blickt er zurück. „Man verliert einige Gäste, dafür kommen andere“, so sein nüchternes Resümee zur damaligen Umstellung. „Ich hoffe, dass die Rauch-Debatte mit dem neuen Gesetz endlich aufhört. Jetzt sind die Bedingungen für alle gleich“, so Reinmüller. 

Europäische Erfahrungen

„Wir wissen aus den Erfahrungen anderer europäischer Länder, dass zwischen drei und sieben Prozent der Gastronomie-Betriebe das generelle Rauchverbot nicht überleben“, erklärt der Obmann des WKÖ-Fachverbandes Gastronomie, Mario Pulker. Die Bilanz nach einem Monat sei ernüchternd, aber so, wie man es vorausgesagt habe, so Pulker, der selbst ein Hotel in Aggsbach Dorf betreibt. Besonders hart treffe das generelle Rauchverbot Bars, Clubs und Cafés, vor allem Einraumlokale. Im Schnitt sind ihre Einnahmen derzeit zwischen 25 und 50 Prozent niedriger. Gasthäuser und Speiselokale machen aktuell zwischen 15 und 25 Prozent weniger Geschäft. „Wir hoffen, dass sich die Situation wie in anderen Ländern nach zwei, drei Monaten wieder normalisiert“, so der Fachverband-Obmann. Anzeigen wegen Verstößen gegen das neue Rauchverbot habe es in Niederösterreich bisher noch nicht gegeben, weiß Pulker. Er macht darauf aufmerksam, dass auch Gäste bei Nichteinhaltung zur Kasse gebeten werden können. Zwischen 100 und 1.000 Euro Strafe zahlen Raucher, die sich gesetzeswidrig eine Tschick anzünden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden