Ein Blick in die Schön in Micheldorf
MICHELDORF IN OÖ. Tatjana Wojakow, agogische Leiterin und Thomas Weixlbaumer, Geschäftsführer von Schön für besondere Menschen berichten über das Leben in der sozialen Einrichtung in Micheldorf.

Tips:Wie hat sich das tägliche Leben bei Schön für besondere Menschen nach dem Inkrafttreten der Maßnahmen gegen das Coronavirus verändert?
Tatjana Wojakow und Thomas Weixlbaumer: Es gibt drei wesentliche Aspekte im Sinn der Sicherheit der Schön-Bewohner: einerseits kam es zu Veränderungen der Tagesstruktur durch die Schließung der Werkstätten. Zum zweiten wurden Bewohner mit besonders hohen Gesundheitsrisiken bei Ansteckungen in zwei Wohngemeinschaften zusammengefasst. Drittens führen wir alle WG isoliert mit eigens eingerichteten Schichtdienstplänen.
Tips:Wie kann man sich konkrete Maßnahmen vorstellen?
Wojakow und Weixlbaumer: Schichtdienstpläne heißt, dass wir die Teams in zwei Gruppen geteilt haben, die wochenweise durchgehende Dienste leisten. Das Ziel ist, bei etwaigen Ausfällen von Mitarbeitern, sofort ein Ersatz-Team zur notwendigen Betreuung einsetzen zu können. Unser Wohnbetrieb muss der Anforderung entsprechen, über 365 Tage und Nächte Betreuung und Pflege zu leisten. Die Isolierungsmaßnahme stellt darauf ab, die „Außen-Kontakte“ auf das absolut notwendige Minimum zu reduzieren. In den WG, in denen die Personen mit höheren Gesundheitsrisiken versorgt und begleitet werden, kommen nur vier Mitarbeiter im Lauf einer Woche in den Dienst – im Normalmodus sind es bis zu acht.
Tips:Was bedeuten diese besonderen Umstände für die Bewohner?
Wojakow und Weixlbaumer: Sie sind natürlich eine gravierende Veränderung, wir bemühen uns mit vielen Maßnahmen gegenzusteuern und so viel wie möglich Normalität zu bieten, indem wir ihnen Sicherheit und Freude vermitteln.
Tips:Besonders gefordert sind die Mitarbeiter in dieser Situation. Worin liegen Schwierigkeiten?
Wojakow und Weixlbaumer: Es sind vor allem lange und anstrengende Dienste, die ein einfühlsames Eingehen auf die vielen Fragen und Unsicherheiten der Klienten erfordern. Wir agieren hier in Absprache mit dem Arbeitsinspektorat außerhalb etlicher Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes, mit veränderten Organisationsstrukturen und Ausnahmeregeln. Die Teams leisten hervorragende Arbeit und das mit Hand, Herz und Hirn.
Tips:Können Sie mit den eigenen Ressourcen alles gut lösen oder benötigt Schön zusätzliche Unterstützung?
Wojakow und Weixlbaumer: Derzeit gelingt es uns, mit eigenen Ressourcen, auch im Sinn von betriebsinternen Umschichtungen, zu arbeiten.
Tips:Was wünschen Sie sich für die Zeit, die diese Krise andauert – und welches Szenario sehen Sie für die Zeit danach?
Wojakow und Weixlbaumer: Wir wünschen uns, dass das Virus die beiden WG mit den besonders gefährdeten Menschen nicht erreicht. Mit Optimismus vorausschauend erklären wir derzeit unseren Bewohnern, dass alles wieder gut wird. Ein Freund der Schön machte gerade eine hilfreiche Anmerkung, die wir hier ergänzen möchten: Es wird alles wieder anders gut.
Tips:Wie geht es Ihnen persönlich mit dieser Situation?
Wojakow und Weixlbaumer: Wie viele, sehen auch wir viele Dinge mit anderen Augen. Das Wesentliche kommt mehr zum Vorschein und das hat intensivere Auswirkungen auf unser Handeln.


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