Wildererdrama mit Mollner Schauspielern ist am Ostermontag im Fernsehen zu sehen

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Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 05.04.2020 19:21 Uhr

MOLLN. Die dramatischen Ereignisse, die sich 1918 und 1919 in Molln abgespielt haben – bekannt als das „Wildererdrama“ – sind erstmals in einem Film zu sehen. Im vergangenen November wurden die Spielszenen in Molln und unter Mitwirkung der Mollner Bevölkerung gedreht. Der Film wird jetzt deutlich früher als geplant ausgestrahlt.

Neben den drei Hauptdarstellern Martin Zauner (alter August Popp), Dominic Marcus Singer (junger August Popp) und Alexander Knaipp (Interviewer) kommen in den Spielszenen rund 35 Darsteller aus Molln zum Einsatz, die meisten Mitglieder des Kulturvereines frei-wild. So gab etwa Miriam Russmann als Wirtstochter Katharina Dolleschal ihr beeindruckendes Schauspieldebüt – an der Seite von Iris Egelseer oder Barbara Schmidberger.

Echte Jäger als Wilderer

Besonders pikant: So gut wie alle Wilderer werden von Männern dargestellt, die im echten Leben Jäger sind, teilweise sogar Berufsjäger von Bundesforsten und Nationalpark Kalkalpen. Darunter sind auch zwei direkte Nachfahren des Wolfbauern Gust – seine Enkel Franz und Gerhard Popp. Beim Dreh im vergangenen November an Originalschauplätzen in Molln war der halbe Ort involviert. „Ich habe noch nie so viel Unterstützung und Begeisterung erlebt, wie bei den Dreharbeiten in Molln“, ist Regisseur und Produzent Fritz Kalteis noch immer begeistert.Laut seinen Aussagen bräuchten die Darsteller von frei-wild den Vergleich mit Profis wie etwa Martin Zauner nicht zu scheuen. Darüber zeigte sich Obfrau Ingrid Fischeneder sehr erfreut. Die hohe Disziplin, die Professionalität und die Spielfreude im frei-wild-Team sei bemerkenswert und mache sie sehr stolz.

Theater rund um die Wilderei

Der Kulturverein frei-wild ist untrennbar mit der Historie rund um das Wildererdrama verbunden. Er wurde nach der Idee gegründet, aus den dramatischen Ereignissen von damals etwas zu machen, erzählt Obfrau Ingrid Fischeneder: „Unser erstes Stück rund um ,Wilderei, Mord und Auferstehung' wurde von dem Kirchdorfer Franz Horcicka geschrieben und 2009 beim Hoisn Haus zur Aufführung gebracht. Das war damals ein überwältigender Erfolg, wir durften uns über 3400 Zuschauer freuen.“ Auch heuer im Herbst soll dem Wildererstück große Aufmerksamkeit zuteilwerden. Im Rahmen des Festes der Volkskultur erarbeitet Regisseurin Irmgard Paulis eine szenische Lesung rund um den historischen Teil, auch Szenen aus dem damals in Mollner Wirtshäusern aufgeführten Stubentheater „A Jausn de nix kost“ werden eingebaut. „Auf diese Lesung darf man sich sicher zu Recht schon jetzt freuen“, meint die Obfrau, „denn wer Irmgard Paulis kennt, der weiß, dass dies ein besonderes Gustostückerl werden wird.“ Leider wisse man in der derzeitigen Ausnahmesituation nicht, wie sich die nächsten Wochen und Monate gestalten werden, so die Obfrau. Die Präsentation zur Bergwelten Doku, die am 2. April in Molln hätte stattfinden sollen, musste abgesagt werden.

Sonderausstellung im Museum im Dorf

Der vom Land Oberösterreich geförderte Film entstand auch in Kooperation mit dem „Verein Museum im Dorf“ in Molln. Ausschnitte des Filmes sowie Interviews mit Experten und Zeitzeugen werden in Zukunft in einer Sonderausstellung zur Wildererschlacht im Museum in Molln zu sehen sein.

Soziale Revolte

Ausgehend von einem Original-Interview des Wilderers August Popp erzählt die Doku die Situation der allgegenwärtigen Not und des Hungers nach Kriegsende. Die Weigerung des Grafen Lamberg, 80 Prozent des Wildes zur Versorgung der Bevölkerung abschießen zu lassen, führt zu einer sozialen Revolte. Am 17. Oktober wird der Förster und zehnfache Familienvater Johann Daxner von einem unbekannten Wilderer getötet, bald darauf stirbt der Wilderer Vinzenz Bloderer durch einen Schuss in den Rücken – abgegeben von einem gräflichen Förster.

Wildererschlacht von Molln

Mit regelrechten Treibjagden verhöhnen die Mollner Wilderer den Grafen und sein Forstpersonal. Die Obrigkeit schlägt mit voller Härte zu und vier Wilderer werden verhaftet. Diese werden jedoch von ihresgleichen am Bahnhof Grünburg befreit und es geht anschließend zum Feiern ins Gasthaus Dolleschal. Dort kommt es am 14. März 1919 zur so genannten „Wildererschlacht von Molln“. Bei einem brutalen Gendarmerieeinsatz gegen die Mollner Wilderer sterben vier junge Männer unter den Kugeln und Bajonettstichen. Zur Beerdigung von Georg Unterbrunner, Johann Eder, Karl Zemsauer und Heinrich Huber kamen rund 3.000 Menschen. In den Tagen danach wurde in Betrieben in Molln die Arbeit niedergelegt, der Gemeinderat von Molln trat zurück, Arbeiter und Bauern legten sich gegen die Herrschaft quer.

Aufstand der Unterdrückten

„Es ist nicht eine der üblichen klischeehaften Wilderergeschichten“, sagt Regisseur Fritz Kalteis, „wir haben es hier mit einer sozialen Revolution am Übergang von der Monarchie zur Republik zu tun. Die alte Ordnung ist zusammengebrochen, die neue Ordnung hat sich noch nicht etabliert. Dazwischen begehren die lange Unterdrückten auf. Das macht das Wildererdrama von Molln zu einer Geschichte von allgemeiner Bedeutung.“ Nicht zuletzt deshalb hat Kalteis die Wildererschlacht von Molln gemeinsam mit Servus TV nun erstmals verfilmt. Am Montag, 13. April, um 20.15 Uhr feiert das 60-minütige Dokudrama „Rebellen der Berge – Wilderer“ in einem „Bergwelten-Spezial“ auf Servus TV Fernsehpremiere.

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