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MÜNICHREITH. Franz Weiß, Obmann des 1. FC Kaiserbiers, zieht über seinen fast 30-jährigen Einsatz Bilanz. Über 400.000 Euro an Spendengeldern konnten gesammelt und weitergegeben werden. 

Franz Weiß im Interview. Foto: KiBe
Franz Weiß im Interview. Foto: KiBe

 “Alles hat im September 1988 begonnen. Damals wurde das erste Benefiz-Fußballmatch veranstaltet. Der Sieger erhielt ein Fass Bier, an das St. Anna Kinderspital gingen Spenden und Erlöse von damals 17.350 Schilling.  Das war die Geburtsstunde des 1. FC Kaiserbiers“, blickt Obmann Franz Weiß zurück. Dem folgten unzählige Veranstaltungen und Benefizevents, wobei der Hintergrund stets derselbe blieb: so viele Spendengelder für bedürftige Menschen lukrieren, wir nur irgendwie möglich. „Ich war damals Straßenbahnfahrer in Wien. Ich hatte immer ein Notizbuch dabei und wenn mir ein Name von einer Firma ins Auge gestochen ist, habe ich mir sie schon aufgeschrieben um später dort anzuklopfen und um Geld- und Sachspenden zu bitten. Wenn ich genügend Zusagen erhielt, nahm ich mir einen Tag Urlaub und sammelte die ganzen Spenden ein. So habe ich im Laufe der vielen Jahren sehr gute Kontakte aufgebaut“, so der Münichreither, der sämtliche Zahlungsbestätigungen und den gesamten Schriftverkehr akkurat sortiert hat. Die Liste der Unterstützer ist schier unendlich, viele namhafte Firmen und bekannte Personen unterstützten den Verein. Darunter der ehemalige Bundespräsident Kirchschläger, Armin Assinger und die Excalibur-Inhaberfamilie Seunig, um nur einige zu nennen.

1200 Tombolapreise 

„Wir veranstalteten bis ins Jahr 2013 jährlich ein riesiges Dreitagesfest in Münichreith, wo wir uns unter anderem durch die riesige Tombola einen Namen gemacht haben. Bei diesen Veranstaltungen war es mir immer ein großes Anliegen, dass sich alle rundum wohl fühlen und zufrieden und glücklich wieder nach Hause gehen“, so der Waldviertler, der mittlerweile seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten ist. 1200 Tombolapreise bei 6000 Losen kamen dabei an den Mann. Hauptpreis war oftmals ein Familienurlaub und hochwertige Sachspenden.

Viele Familien unterstützt

Mit dem Erlös aus der Tombola und den Geldspenden konnte vielen Familien geholfen werden. „Wir vom Verein gingen mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und schauten, wo Hilfe gebraucht wird. Die meisten Fälle erfuhren wir durch Hören-Sagen oder durch Medienberichte. Wir ließen uns bei akuten Fällen aber oftmals Zeit, ließen zuerst einmal die Welle der Hilfsbereitschaft vorübergehen und kamen erst auf die Familien zu, wenn wieder Ruhe eingekehrt war und sich herauskristallisierte, was nun wirklich gebraucht wird. Die menschliche Not kann man eh nicht lindern, aber mir war wichtig, diesen Menschen das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine sind. So entstanden im Laufe der Jahre viele Bekanntschaften, die wir vom Verein unterstützen konnten. Keinen dieser Fälle vergesse ich, ich kann mich an jede bedürftige Familie erinnern. Und es freut mich, dass ich mit vielen Menschen noch Jahre später in Kontakt stehe. Dann weiß ich, der ganze Aufwand macht Sinn, einen richtigen Sinn“, freut sich Weiß. Warum er sich so intensiv für bedürftige Menschen einsetzt, weiß er selbst nicht so genau: „Es war mir grundsätzlich immer ein enormes Anliegen, anderen zu helfen. Das war immer schon so. Ich selbst hatte eine schwierige Kindheit und von dort gibt es nur zwei Wege: entweder du sackst ab oder du kämpfst, dass es dir eines Tages besser geht.“

Das Problem mit Neid

Doch auch von Schattenseiten kann der Münichreither erzählen: „Es gibt Menschen, die selbst Familien in größer Not noch etwas neidisch sind. Wer zum Beispiel eine Mutter mit behinderten Zwillingen fragt, was sie mit den Spenden alles so anstellen will, dann kann ich das nicht verstehen beziehungsweise finde ich das einfach nur katastrophal. Besonders behinderte Kinder brauchen nicht nur ein Vielfaches an Zeit und Aufwand. Zudem gesellen sich zu den Ängsten um sein Kind stets finanzielle Sorgen aufgrund der kostspieligen und aufwändigen Therapien. Ich hatte zum Beispiel einmal eine Familie mit einem behinderten Kind. Der größte Wunsch der Familie war es, dass das Mädchen eines Tages eigenständig auf die Toilette gehen kann. Man kann sich nicht vorstellen, wie groß der Aufwand, wie extrem die vielen Rückschläge und wie lange es gedauert hat, bis dieses, für uns selbstverständliche Ziel, erreicht werden konnte. Und wenn man solch einer Mutter, die vermutlich seit Jahren keine einzige Nacht durchschlafen konnte, die Frage stellt, was sie mit dem Spenden macht, entzieht sich mir das meinen menschlichen Vorstellungskräften. So braucht auch keine Familie, die wir in den fast 30 Jahren unterstützt haben, ein schlechtes Gewissen haben, denn wir haben nur geholfen, wo es wirklich notwendig war.“

Zukunft ungewiss

Nun, nach fast 30 Jahren, kommt der Verein erstmals ins  Stocken und Wanken. „Im Sommer läuft der Sponsorvertrag mit Kaiserbier aus. Zudem bin ich müde geworden, mein Kampfgeist lässt nach und vieles hat sich im Laufe der Jahre erschwert. Zudem bin ich körperlich nicht ganz fit. Die Nachfolgesuche verlief bislang erfolglos, sodass wir im Sommer entscheiden werden, wie es mit unserem Verein weitergeht“, informiert Franz Weiß abschließend.


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