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BEZIRK ROHRBACH. Fast jeder, der vor 1986 geboren ist, kann sich irgendwie an den Super-GAU rund um Tschernobyl erinnern. Auch in unseren Breitengraden sind die Langzeitfolgen noch immer spürbar.

(c) roadside-picnic.com
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Eine Schwammerl-Eierspeise, das Spielen im Sand oder im Freien unbeschwert herumlaufen – diese Dinge waren mit dem Super-Gau im rund 1400 Kilometer entfernten AKW Tschernobyl plötzlich tabu. Unsicherheit, Angst und Ungläubigkeit prägten den Alltag, den auch der Schreiber dieser Zeilen – damals im Kindergartenalter – in dunkler Erinnerung hat. Sehr gut an diese Zeit erinnert sich Dorothea Rammerstorfer. Sie war damals Kindergärtnerin.: „Wir bekamen die Anweisung, dass wir mit den Kindern nicht ins Freie durften und die Kinder schon gar nicht im Sand spielen zu lassen“, sagt die für ihr Engagement für krebskranke Kinder in Weisrussland und rund um die Region Tschernobyl bekannte Niederwaldkirchnerin, die deswegen unter dem Namen „Tschernobyl Oma“ bekannt ist. Sie organisiert nicht nur Benefiz-Flohmärkte, sondern holte in den vielen Jahren auch schon 217 Kinder aus der vom Super-GAU am stärksten betroffenen Region zur Erholung ins Mühlviertel. Ihr Engagement resultiert – wie sie sagt – aus einem Schilddrüsenkrebs, den sie 1992 bekam. „Ich dachte, der ist wegen Tschernobyl – das haben die Ärzte aber widerufen“, sagt sie.

Geschichte und Engagement

„Ich war fünf Jahre alt und wollte immer raus und spielen“, erinnert sich der aus St. Martin stammende Harald Steinbichl, der bereits mehrere Male nach Tschernobyl und in die evakuierte Geisterstadt Prypjat (Ukraine) reiste, um die Folgen der Katastrophe bildlich festzuhalten. Auch in Fukushima machte er sich ein Bild von der Lage. Für ihn sind diese Unglücke ein Teil der Geschichte. (www.roadside-picnic.com). „Die Informationen waren sehr schlecht, wir haben erst spät vom GAU erfahren“, erzählt auch Josef Pühringer, Direktor der Volksschule Neufelden, der sich jahrelang hauptberuflich gegen Kernkraft engagierte. In den Tagen der Katastrophe war Pühringer am Anfang seiner Berufslaufbahn und Lehrer in St. Peter. „In diesen Tagen stand mit den Schülern der Besuch einer Zirkusvorstellung an – alle haben sich darauf gefreut“, erinnert er sich. Pühringer musste entscheiden, ob die Kinder den Zirkus dann besuchen durften oder nicht. „Weil ich mich schon vorher mit Kernkraft beschäftigt hatte, kannte ich die Auswirkungen“, verrät er weiter und entschied, trotz mancher Beschwichtigungen höherer Stellen, den Ausflug abzusagen. „Eine richtige Entscheidung“, stellt er jetzt, 30 Jahre später, noch fest.

„Dinosaurier Atomkraft“

Die Katastophe von Tschernobyl fiel in die Maturazeit von Roland Egger, Obmann des Vereins „atomstopp atomkraftfrei leben“. Ganz stark in Erinnerung bleiben ihm die Fernseh-Bilder, welche die Arbeiter zeigten, die mit aller Kraft versuchten, die Schäden in Tschernobyl zu beheben. „Sie hatten keine Schutzbekleidung und viele von ihnen starben“, erzählt er. Egger glaubt, dass sich solche Katastrophen wiederholen können, denn: „Viele Atomkraftwerke sind alt und störanfällig. Ein Neubau ist unleistbar und Kernenergie ist nur günstig wegen der vielen Subventionen.“ Heute existieren laut Umweltlandesrat Rudi Anschober 129 Atomkraftwerke in der EU, die im Durchschnitt 29 Jahre alt sind.

Radioaktivität messbar aber keine Gefahr

Aufgrund der damals herrschenden Regenfälle war Österreich eines der am meisten betroffenen Gebiete Westeuropas. In der ersten Maiwoche 1986 griff man sofort zu drastischen Maßnahmen im Lebensmittel-, Jagd- und Agrarbereich. Jetzt noch werden laut Landesrat Rudi Anschober (G) – er beruft sich auf eine Untersuchung der Agentur AGES – weiterhin überdurchschnittlich oft Grenzwert-Überschreitungen bei Maronenröhrlingen gemessen. Diese sind laut Fachexperten mit Vorsicht zu genießen. In einigen Fällen wurde die Überschreitung des Grenzwertes auch bei Eierschwammerl festgestellt. Betroffen sind auch einzelne Wilschwein-Fleisch-Proben aus dem Kobernaußerwald. Aber: Ein gelegentlicher Konsum stellt laut AGES keine Gefahr dar. Im Boden sind Langzeitfolgen noch immer nachweisbar.


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