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Theaterprojekt von und mit Flüchtlingen gewinnt Kirchschläger-Preis

Martina Gahleitner, 21.03.2016 08:28

NIEDERKAPPEL. Wer Ungewöhnliches und Neues wagt und sich für seine Mitmenschen einsetzt, sollte dafür auch belohnt werden. So  wie das Theater „Jalla Jalla, Geh Ma“, das am Freitag Abend mit dem Rudolf Kirchschläger-Preis ausgezeichnet wurde.
 

  1 / 5   Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner überreichte den Preis an Philipp Ehmann (r.) und Günter Wolkerstorfer. Foto: Gahleitner

Das diesjährige Siegerprojekt bringt bei wöchentlichen Theaterworkshops Flüchtlinge in Helfenberg sowie Ortsansässige zusammen. „Wir versuchen bei diesen Treffen miteinander zu kommunizieren, auch wenn man die Sprache nicht kann. Viele Teile funktionieren pantomimisch“, erklärte Philipp Ehmann, der die Leitung des Theaterprojekts übernommen hat und gemeinsam mit Günter Wolkerstorfer den Kirchschläger-Preis entgegennehmen konnte. Ehmann ist überzeugt, dass Integration keine Bringschuld der Einwanderer ist, „sie soll von beiden Seiten gelebt werden und dafür ist es wichtig, mit Neugierde aufeinander zuzugehen.“ Auch wenn das Hauptaugenmerk auf den wöchentlichen Workshops liegt, wird gerade eine gemeinsamen Aufführung erarbeitet: Am 22. April (19 Uhr), 23. April (19 Uhr) und 24. April (16 Uhr) startet jeweils beim Gasthaus Haudum eine multikulturelle Tour durch Helfenberg, bei der an verschiedenen Plätzen gespielt wird. Ehmann dazu: „Wir wollen nicht einfach die Geschichten dieser Menschen ausgestellt auf einem Podest präsentieren, sondern einen tatsächlichen kulturellen Austausch schaffen.“

Für die Juroren des dank Raiffeisen und Soroptimisten-Club mit 1000 Euro dotierten Rudolf Kirchschläger-Preises ist „Jalla Jalla, Geh Ma“ ein würdiger Preisträger, der genau der Neuausrichtung entspricht und im Sinne des Namensgeber den Dienst am Menschen in den Vordergrund rückt. Unter den vielen Einreichungen wurden bei der Preisvergabe zwei weitere besonders erwähnt: die Gruppe von Ehrenamtlichen der Stadtgemeinde Rohrbach-Berg, die sich um Integration von Flüchtlingen bemühen; und die Initiative „Young people moving“ in Niederkappel, die ebenfalls Brückenbauer zwischen Asylwerbern und Einheimischen sind.

 

Europa sind wir alle

Eng mit dem Thema des Siegerprojekts verknüpft war auch die Festrede von Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin der Tageszeitung „Der Standard“. Die gebürtige Klaffeggerin erinnerte an ihre Großmutter, die mit 18 Jahren zwar nur als Deutsche über die Grenze gekommen ist, aber trotzdem auch ein Flüchtling war. „Es verging fast kein Tag, an dem sie nicht von drinnen, von ihrer Heimat sprach, die wegen des Eisernen Vorhangs für sie absolut unerreichbar war.“ Das Zuhause könne man wechseln, die Heimat aber nicht. Als 2007 die Schlagbäume abgebaut wurden, erschien dies allen als Wunder, „jetzt sind wir dabei, wieder solche Grenzen zu errichten. Europa erscheint als zerstrittener Haufen und die positiven Dinge rücken stark in den Hintergrund.“ Föderl-Schmid appellierte an dem Abend, sich zu verdeutlichen, was Europa innerhalb kurzer Zeit geschafft hat, „dann stellt sich die Frage nicht, ob wir die EU brauchen.“


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