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BEZIRK ROHRBACH. „Die Bürokratie ist das Schlimmste“, bringt es Andrea Tews auf den Punkt. Zwei minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, 14 und 18 Jahre alt, wohnen bei ihr zu Hause. Seit Herbst 2015 schon – und das Asylverfahren hat noch nicht einmal begonnen.  

Foto: Wodicka
Foto: Wodicka

Nicht nur viel Zeit, sondern vor allem viel Geld hat die Karlsbacherin bereits in die beiden Burschen gesteckt, denn als Asylwerber gibt es weder Kinderbeihilfe noch Lehrlingsfreifahrt, nicht einmal den Mopedführerschein dürfen sie machen. Nun hat die ehemalige Tierärztin, die Hunde züchtet, selber einen Lehrplatz als Tierpfleger für den älteren der beiden Afghanen geschaffen.

Ein Hindernis nach dem andern

„Er hätte Koch werden können, das ist aber mit seiner Religion nicht zu vereinbaren. Die anderen Lehrstellenangebote waren zu weit weg, um sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Da hab ich das einfach selber in die Hand genommen“, erzählt Tews. Doch damit hat sie sich finanziell weit hinausgelehnt: Berufsschule und Fahrtkosten dorthin sind teuer. Einen Teil davon übernimmt nun die Bezirkshauptmannschaft.

Am meisten kritisiert sie die Bürokratie, denn beide warten noch auf ihre Asylverfahren. „Wenn man nicht hundertprozentig dahintersteht, darf man das nicht machen“, resümiert Tews über die Entscheidung, die Jugendlichen aufzunehmen.

Das Beste daraus machen

Ebenfalls auf ihr Asylverfahren warten noch die beiden 17-jährigen Burschen, die seit dem Vorjahr bei Familie Kagerer in St. Stefan leben. Regina Kagerer relativiert: „Sicher, die Bürokratie ist schon viel, aber damit kämpfen ja auch wir Österreicher hin und wieder. Es ist halt so und man muss das Beste draus machen.“ Dass die Burschen keinen Führerschein machen dürfen, kritisiert sie aber ebenfalls, denn einer der beiden konnte den Hauptschulabschluss nachmachen und besucht ab Herbst die Technischen Fachschulen in Haslach. Der andere hat soeben das Angebot für einen Zimmerer-Lehrplatz in Ulrichsberg bekommen. Wie er dorthin kommen soll, muss sich aber noch klären.

Improvisationstalent gefragt

Man müsse halt viel improvisieren, andererseits sieht die Steffingerin das vergangene Jahr ohne Schul- und Lehrstelle für die Burschen auch als Gewinn, denn in dieser Zeit konnten sie ein Stück Kindheit nachholen. Für Kagerer überwiegt ganz klar das Positive, „vielleicht auch deshalb, weil ich ohne Erwartungen an die Sache herangegangen bin. Bereut habe ich es überhaupt noch nie, für uns sind die beiden eine Bereicherung.“

Zahlen & Fakten:

Derzeit befinden sich 443 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) in der oö. Grundversorgung.

Von den 424 männlichen und 19 weiblichen Flüchtlingen sind 280 zwischen 15 und 18 Jahre alt. Der größte Teil stammt aus Afghanistan (358). Die Obsorge wird im Regelfall vom zuständigen Gericht dem Kinder- und Jugendhilfeträger und in Sachen Ausübung an die Betreuungseinrichtung an Stelle der Eltern übertragen.

Zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) wohnen derzeit im Bezirk Rohrbach – neun davon im betreuten Wohnen (Pflegefamilien), einer privat.

Sie sind in den Gemeinden Haslach, Kirchberg, Kleinzell, Lembach, Oberkappel und St. Stefan untergebracht.

Die Kosten für einen UMF in einer Pflegefamilie belaufen sich auf durchschnittlich 1414 Euro pro Monat.

Quelle: Land OÖ


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