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„System vor Zusammenbruch“: Großbritannien entlässt vorzeitig mehr als 1.000 Häftlinge

Tips LogoManuel Tonezzer, 23.10.2024 06:00

LONDON. Erneut werden in Großbritannien mehr als 1.000 Häftlinge vorzeitig entlassen. Grund dafür ist eine Überfüllung der Gefängnisse.

Schon im September kam es in Großbritannien zu einer ersten Entlassungswelle. Foto: stock.adobe.com/methaphum

Um Platz zu schaffen, entlässt Großbritannien ein weiteres Mal Häftlinge. Insgesamt sollen laut der britischen Nachrichtenagentur „PA“ circa 1.100 Gefangene vorzeitig freigelassen werden. Bereits im September hatte es eine erste und noch deutlich größere Entlassungswelle gegeben – damals kamen 1.700 Häftlinge früher als geplant frei. Mittlerweile kommen Häftlinge für eine vorzeitige Entlassung in Frage, wenn sie 40 anstatt der bisherigen 50 Prozent ihrer Strafe verbüßt haben. Insgesamt sollen bis Ende Oktober 5.000 Gefangene vorzeitig aus der Haft entlassen werden.

Davon ausgenommen sind Personen, die wegen Terrorismus, sexueller Delikte, häuslicher Gewalt und schweren Straftaten einsitzen. Sie haben keine Chance auf eine frühere Entlassung.

„Gefängnissystem stand vor Zusammenbruch“

Für die Entlassungswelle ursächlich ist eine Überbelegung der Gefängnisse, die sich in teils katastrophalen Zuständen befinden sollen. „Unser Gefängnissystem stand kurz vor dem Zusammenbruch“, sagte Justizministerin Shabana Mahmood am Dienstag gegenüber „Sky News“.

Zusätzlich zu der Entlassungswelle will die Regierung an neuen Methoden des Strafvollzugs arbeiten, um die Situation auch zukünftig in den Griff bekommen. Mit dieser Aufgabe wurde der ehemalige Justizminister David Gauka beauftragt. In Frage kommen dafür beispielsweise die Verurteilung zu gemeinnütziger Arbeit, der Einsatz von Überwachungsstechnologien oder spezielle Uhren oder Apps, die den Standort von Straftätern abprüfen können.

„Offensichtlich funktionieren unsere Gefängnisse nicht. Die Zahl der Gefangenen steigt jedes Jahr um etwa 4.500 und fast 90 Prozent derjenigen, die zu Haftstrafen verurteilt werden, sind Wiederholungstäter“, sagt Gauke über die aktuelle Situation.


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