Amsel trotzt dem Wandel der Städte
ÖSTERREICH. Zum Tag der Amsel am 3. Juni rückt der Naturschutzbund einen der bekanntesten Singvögel Europas in den Mittelpunkt. Die Amsel hat sich vom scheuen Waldbewohner zur erfolgreichen Kulturfolgerin entwickelt, steht im Siedlungsraum aber zunehmend unter Druck.

Die Amsel zählt zu den anpassungsfähigsten Vogelarten Österreichs. Sie besiedelt unterschiedlichste Lebensräume und ist vom ländlichen Raum bis in die Innenstädte anzutreffen. Wie der Naturschutzbund anlässlich des Tages der Amsel am 3. Juni informiert, erschweren jedoch zahlreiche Veränderungen im urbanen Raum das Überleben der beliebten Singvögel.
Lebensraum schwindet zunehmend
Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit leidet die Amsel unter dem Verlust wichtiger Brut- und Nahrungsflächen. Sterile Gärten, Gebäudesanierungen und versiegelte Böden reduzieren geeignete Rückzugsorte und erschweren die Nahrungssuche.
Zusätzlich führen der Einsatz von Pestiziden und längere Trockenperioden im Sommer dazu, dass Würmer, Insekten und andere wirbellose Tiere seltener werden. Gerade diese Nahrungsquellen sind für die Aufzucht der Jungen unverzichtbar.
Gefahren im Siedlungsraum
Neben dem Verlust von Lebensräumen stellen auch Straßenverkehr, Glasflächen und Hauskatzen eine Gefahr dar. Besonders junge Amseln fallen diesen Risiken häufig zum Opfer.
Belastet werden die Bestände zudem durch das von Stechmücken übertragene Usutu-Virus. In Kombination mit dem allgemeinen Strukturverlust kam es in einzelnen Regionen bereits zu deutlichen Bestandsrückgängen.
Würmer im Sommer, Beeren im Herbst
Während der Brutzeit ernähren sich Amseln überwiegend von tierischer Nahrung. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Würmer, Schnecken und Insekten, die am Boden gesucht werden.
Nach der Jungenaufzucht verändert sich die Ernährung. Im Herbst werden Beeren und Früchte zu einer wichtigen Nahrungsquelle. Im Winter besuchen Amseln gerne Futterstellen und nehmen dort unter anderem Rosinen oder eingeweichte Haferflocken an.
Meister der Melodien
Der Gesang der Amsel gehört zu den bekanntesten Vogelstimmen Europas. Die langsamen, flötenden Strophen werden häufig durch Imitationen anderer Geräusche ergänzt und meist von erhöhten Sitzwarten vorgetragen.
Bereits ab Februar beginnen die Männchen mit ihrem Reviergesang. Daneben verfügt die Art über verschiedene Warn- und Alarmrufe, die bei Störungen deutlich zu hören sind.
Weiße Amseln fallen auf
Gelegentlich sind in Städten auch weiß gescheckte Amseln zu beobachten. Ursache dafür ist der sogenannte Leuzismus, eine Störung der Pigmentbildung. Dabei entstehen weiße Gefiederbereiche, während Augen und Schnabel meist ihre normale Färbung behalten.
Im Siedlungsraum haben solche auffälligen Tiere bessere Überlebenschancen als im Wald. Dort wären sie für Fressfeinde deutlich leichter zu erkennen.
Bürger können mithelfen
Wer Amseln und andere Vogelarten beobachtet, kann seine Sichtungen auf der Plattform naturbeobachtung.at oder über die dazugehörige App melden. Die Daten unterstützen die wissenschaftliche Erforschung heimischer Vogelarten und helfen dabei, Entwicklungen der Bestände besser zu dokumentieren.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden