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HEILIGENBLUT/SALZBURG. Österreichs größter Gletscher steht vor einem historischen Wendepunkt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die letzte Eisverbindung zwischen der Pasterzenzunge und ihrem Nährgebiet in den kommenden Monaten abreißen könnte – abhängig von der weiteren Witterung.

Blick von der Franz-Josefs-Höhe (Fotopunkt F04, 2.370 m) nach WNW auf Pasterze und Großglockner, 2024. (Foto: ÖAV Gletschermessdienst)

Wie der Österreichische Alpenverein gemeinsam mit dem Nationalpark Hohe Tauern und der GeoSphere Austria mitteilt, ist die verbleibende Eisverbindung im sogenannten Hufeisenbruch inzwischen nur noch rund 120 Meter breit. Ob sie bereits heuer oder erst in den nächsten ein bis zwei Jahren vollständig verschwindet, hängt vor allem von den Temperaturen und den Schneeverhältnissen ab.

Jahrzehntelanger Eisverlust

Die Pasterze verliert seit Jahrzehnten kontinuierlich an Masse. Messungen der GeoSphere Austria zeigen, dass seit 1980 im Durchschnitt rund ein Meter Wasseräquivalent pro Jahr abgeschmolzen ist. In den vergangenen zehn Jahren stieg dieser Wert sogar auf durchschnittlich 1,2 Meter jährlich.

Allein zwischen 2024 und 2025 sank die Gletscherzunge um 7,3 Meter ab. Dabei gingen rund 12,4 Millionen Kubikmeter Eis verloren. Bereits 2020 verschwand die vorletzte Eisverbindung zum Schneewinkel. Die nun verbliebene Verbindung zum Rifflwinkel wird ebenfalls immer schmaler.

Erstmals seit Jahrtausenden eisfreiReißt die Verbindung endgültig ab, werden die Felswände des Hufeisenbruchs nach Einschätzung der Experten erstmals seit rund 5.000 Jahren vollständig eisfrei sein. Die Gletscherzunge wäre dann dauerhaft vom restlichen Gletscher getrennt und würde als isolierte Eismasse weiter abschmelzen.

Nach diesem Einschnitt wäre die Pasterze nicht länger Österreichs größter Gletscher. Diesen Rang würde der Gepatschferner in Tirol übernehmen, der allerdings ebenfalls stark vom Gletscherrückgang betroffen ist.

Gletscherzunge gilt bereits als Toteis

Für die Gletscherzunge selbst hätte der Abriss nur noch geringe Auswirkungen. Nach Einschätzung der Wissenschaftler erhält sie bereits seit Jahren kaum noch Eisnachschub. Ihre Bewegung hat sich nahezu eingestellt und sie verhält sich inzwischen wie ein sogenannter Toteiskörper, der sich nicht mehr regenerieren kann.

Die höchste gemessene Fließgeschwindigkeit unterhalb des Eisbruchs lag zuletzt nur noch bei 5,3 Metern innerhalb eines Jahres – ein weiterer Hinweis darauf, dass der Zerfall bereits weit fortgeschritten ist.

Nationalpark sieht Natur im Wandel

Mit dem Rückzug des Eises verändert sich auch die Landschaft rund um den Großglockner. Neue Seen entstehen, Schuttflächen werden nach und nach von Pflanzen besiedelt und erste junge Lärchen wachsen auf ehemaligen Gletscherflächen. Der Nationalpark Hohe Tauern sieht darin eine natürliche Entwicklung, betont aber zugleich die Verantwortung, den sensiblen Lebensraum trotz Klimawandel und wachsendem Besucherdruck langfristig zu schützen.

Auch der Österreichische Alpenverein wertet die Entwicklung als deutliches Signal für die Folgen der Klimakrise. Der Verlust der Gletscher wirke sich bereits heute auf Wasserhaushalt, Artenvielfalt und die Sicherheit im alpinen Raum aus.


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