Aus Quaggamuscheln soll Zement werden: Schweizer testen neue Idee
SCHWEIZ/ÖSTERREICH. Sie verstopfen Leitungen, machen Badegästen das Leben schwer und behindern sogar Schiffe. In der Schweiz sollen Quaggamuscheln nun zu einem Rohstoff für Zement werden. Auch Österreichs Seen sind betroffen.

Ausgerechnet eine der größten Plagen vieler Seen könnte künftig als Rohstoff für die Bauindustrie dienen. In der Schweiz läuft derzeit ein ungewöhnlicher Versuch: Die Schalen abgestorbener Quaggamuscheln sollen bei der Zementherstellung zum Einsatz kommen. Was zunächst kurios klingt, hat einen handfesten Hintergrund.
100 Kubikmeter Muscheln für die Zementproduktion
Die Schweizer Kantone Schaffhausen und Thurgau wollen aus den lästigen Muschelresten einen nutzbaren Rohstoff machen. Dafür werden rund 100 Kubikmeter Muschelsedimente aus dem Rhein bei Stein am Rhein entnommen. Im Zementwerk des Baustoffkonzerns Holcim in Siggenthal wird geprüft, ob sich die Schalen für die industrielle Zementherstellung eignen.
Die Idee dahinter: Quaggamuschelschalen bestehen zu einem großen Teil aus Kalk. Dieser könnte den natürlichen Kalkstein, der für die Zementproduktion benötigt wird, teilweise ersetzen. Allerdings müssen die Qualität des Materials und der gesamte Herstellungsprozess den industriellen Anforderungen entsprechen.
Muschelplage behindert sogar Schiffe
Der Hintergrund ist ernst. Im Hochrhein haben sich mittlerweile gewaltige Mengen abgestorbener Quaggamuscheln angesammelt. Ihre Schalen werden von der Strömung mitgerissen und lagern sich an ruhigeren Stellen ab. Bei niedrigem Wasserstand werden diese Ablagerungen zum Hindernis für die Schifffahrt.
Bereits 2024 und 2025 kam es zu erheblichen Problemen. Das Ausbaggern der Muschelreste ist teuer, und auch ihre Entsorgung verursacht Kosten. Die Schweizer Behörden suchen deshalb nach einer Möglichkeit, das Material wirtschaftlich sinnvoll weiterzuverwenden. Neben Zement wird auch eine Verarbeitung zu Düngemitteln geprüft.
Auch Attersee, Traunsee und Mondsee betroffen
Das Problem ist in Österreich längst angekommen. Besonders stark verbreitet ist die invasive Quaggamuschel im Attersee, Traunsee und Mondsee. Auch die Feldkirchner Badeseen sind betroffen.
Die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammende Muschel setzt sich an Stegen, Booten und Wasserleitungen fest. Ihre scharfkantigen Schalen können Badegäste verletzen. Zudem filtern die Tiere große Mengen Plankton aus dem Wasser und verändern damit die natürlichen Nahrungsketten.
Das Land Oberösterreich konnte beim jüngsten Monitoring zumindest keine weitere Ausbreitung auf zusätzliche Seen feststellen. Die bereits betroffenen Gewässer bleiben jedoch besiedelt.
Ergebnisse sollen noch 2026 vorliegen
Ob die Schweizer Idee tatsächlich funktioniert, soll sich bis Ende des Jahres zeigen. Selbst bei einem erfolgreichen Versuch wäre damit die Muschelplage nicht beseitigt. Die Wiederverwertung könnte aber helfen, große Mengen abgestorbener Schalen sinnvoll zu nutzen und die Entsorgung zu erleichtern.
Für Österreichs betroffene Seen könnte das langfristig ebenfalls interessant werden. Konkrete Pläne für eine vergleichbare Zementproduktion aus heimischen Quaggamuscheln sind derzeit allerdings nicht bekannt.








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