Der beste Handmäher Europas im Gespräch
OFFENHAUSEN. Aus der Gemeinde kommt der beste Mäher Europas. Der 27-jährige Bernhard Selinger hat in der Schweiz den Titel „Europameister im Händmähen“ geholt. Die Tips haben mit ihm gesprochen.

Handmähen, wie das Mähen mit der Sense heißt, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Wettkampfsport entwickelt, und den betreibt Bernhard Selinger seit rund zehn Jahren. Mit dem Mähen begonnen hat er aber schon mit sieben oder acht Jahren, angeleitet von seiner Mutter und seinem Großvater. Mit 17 Jahren war Selinger erstmals Bezirkssieger, konsequent hat er sich in den letzten Jahren bei Bezirks-, Landes- und Bundesbewerben der Landjugend „hochgearbeitet“, sich 2016 schließlich beim Bundesmähen für die heurige Europameisterschaft in Brunnen in der Schweiz qualifiziert. Es galt eine zehn mal zehn Meter große Parzelle mit der Sense abzumähen. Entscheidend waren dabei zwei Faktoren: die Zeit und die Sauberkeit, die von erfahrenen Schiedsrichtern bewertet wird.
Alles hat für ihn gepasst
„Ich hatte vom ersten Schwung an keine Schwierigkeiten, ich habe gewusst, das ist mein Gras. Daher habe ich nicht Vollgas gegeben, sondern auf Sauberkeit geachtet. Wir mussten Feldfutter abmähen, das Gras hat zwar mehr Masse, aber es war extrem schnittig“, erzählt der Offenhausener Jungbauer rückblickend.
100 Quadratmeter in 2:13 Minuten abgemäht
Die 100 Quadratmeter hat Selinger in 2:13 Minuten abgemäht und war damit der drittschnellste von 60 Mähern aus ganz Europa. Mit seiner sauberen Maht hat er so punkten können, dass er schließlich Europameister geworden ist. Dabei waren die Bedingungen etwas erschwert. Am Abend vor der Meisterschaft gab es ein Unwetter, worunter natürlich auch das Gras gelitten hat. Gemäht wird bei Bewerben entweder in einer Schnecke von außen nach innen oder, wie in diesem Fall, von einer Seite der Parzelle zur anderen. Die Dimensionen versetzen dabei ins Staunen: Für 100 Quadratmeter braucht Selinger vier Mahten, mäht dabei 2,5 Meter in der Breite und 50 bis 55 Zentimeter nach vor ab. Um etwas auszubessern bleibt so gut wie keine Zeit, jeder Schwung muss passen.
Eigene Sensen gebaut
Wie in vielen Sportarten kommt es nicht nur auf die Leistung des Sportlers an, sondern auch auf das verwendete Material. Um seine richtige Sense selbst zu bauen, hat der Europameister viele Stunden seiner Freizeit aufgewendet. Sein 1,35 Meter langes „Schwert“ hat er sich gekauft und es mit der Hilfe von Dominik Felbermair aus Pichl und Jürgen Steinerberger aus Gunskirchen penibel umgeschmiedet. Den Griff zu bauen, war für ihn als gelernten Tischler natürlich kein Problem. Da aber schon eine Sense seiner Kraft nicht stand gehalten hat, hat er den Griff diesmal mit Carbon verstärkt. „Ich habe in den Bau meiner Sensen meine komplette Freizeit reingesteckt“, erzählt er.
Tischler und Landwirt
Bernhard Selinger ist gelernter Tischler und arbeitet Teilzeit als Terrassenmonteur. Außerdem hilft er tatkräftig am elterlichen Hof, dem „Paschl“ in Paschlberg mit, den er auch einmal übernehmen wird. Die Unterstützung beruht auf Gegenseitigkeit. Die Eltern unterstützen ihn bei den Wettkämpfen. In seiner Freizeit ist Selinger natürlich Mitglied bei der Landjugend und außerdem bei der Feuerwehr. Vor Meisterschaften trainiert er auch Kraft und Kondition. Im Winter ist Selinger als Sportschütze aktiv. Wettkampfpläne hat er nun keine besonderen mehr. Momentan denkt er daran, den Nachwuchs zu fördern und sich als Trainer zu betätigen.


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