Österreichweit erstes Cybercrime-Trainingscenter in Linz gestartet
LINZ. Um der zunehmenden Internetkriminalität entgegenzuwirken, hat die Landespolizeidirektion Oberösterreich in Linz das erste Cybercrime-Trainingscenter (CCTC) Österreichs eröffnet. Die Ausbildung ist für Polizeibeamte freiwillig und umfasst sieben Einzelmodule zu insgesamt 32 Übungsstunden.

Allein im vergangenen Jahr gingen bei den oberösterreichischen Polizeidienststellen 5.300 telefonische und mehr als 4.000 persönliche Anfragen im Zusammenhang mit Internetkriminalität ein. „Fälle, in denen E-Mail-Adressen geleakt und Passwörter gehackt werden, oder das eigene Gesicht aus dem Urlaubs-Post geschnitten und in einem anzüglichen Film missbräuchlich wiederverwendet wird, sind keine Seltenheit mehr“, so Landespolizeidirektor Andreas Pilsl.
In Linz gibt es daher das österreichweit erste Cybercrime-Trainingscenter, in der Polizeibeamte, aber auch Forensiker, IT-Techniker und Staatsanwälte in verschiedenen Modulen lernen, auch die Aufzeichnungen digitaler Datenträger zur Aufklärung der Tat, zum Beispiel bei der Auswertung an Tatorten, miteinzubeziehen.
Nach der Pilotphase bis Juli sollen in allen Bundesländern derartige Trainingscenter entstehen.
„Auch Kühlschränke sind smart“
Im Linzer CCTC der Landespolizeidirektion Oberösterreich werden ab sofort wöchentlich jeweils von Montag bis Donnerstag zwölf Teilnehmende von zwei Trainern geschult. Dabei stellen die Hälfte der Trainer das Landeskriminalamt, die andere Hälfte kommt von den Basisdienststellen der Polizei. Ziel der Module sei es, laut CCTC-Leiter Günther Fabian „Basiswissen in die Fläche zu bringen“.
So gehe es in dem Modul „Smart Home - Digitaler Tatort“ darum, das „Können“ technischer Geräte bei der Spurensicherung am Tatort miteinzubeziehen. Zur Veranschaulichung wurden im Vorraum zum Trainingscenter - dem sogenannten Szenarienraum - einige solcher alltäglichen Dinge auch tatsächlich angeschafft: „Ein Kühlschrank der die Zeit speichert, in der er geöffnet und geschlossen wurde, kann so zum Beispiel Rückschlüsse auf einen Einbrecher geben, wenn in der Zeit des Öffnens der eigentliche Besitzer gar nicht zuhause war“, erklärt Günther. Und: „Nicht nur Uhren sind smart. Auch Kühlschranke, Wassertrinkflaschen, der Staubsauger, eine Uhr oder eine einfache Fensterklinke sind es.“
Cybercrime-Trainingscenter in jedem Bundesland
Die meisten der Polizisten absolvieren die freiwillige Cybercrime-Ausbildung direkt nach der Polizisten-Grundausbildung, sie kann aber jederzeit und auch später besucht werden, „zumal viele heurige Module nächstes Jahr schon wieder überholt sein werden“ - „Die Welt, so wie sie jetzt ist, oder besser gesagt das Internet, verändert sich rasend schnell und ständig“, sind sich Pilsl und Günther einig.
„Nach einem ersten Aufruf im Februar innerhalb der Polizei haben sich gleich 650 Kolleginnen und Kollegen gemeldet“, so der CCTC-Leiter. Teilnehmen können aber auch Personen aus anderen Berufsbranchen, wie IT-Techniker, Staatsanwälte und Forensiker. Ab Mitte Juli werden auch Polizisten aus anderen Bundesländern in Linz geschult, damit sie dann als Trainer in ihren künftigen Zentren arbeiten können. „Ziel ist es, nach der Pilotphase hier in Oberösterreich, ein derartiges Trainingscenter in jedem Bundesland einzurichten“, so Pilsl.
Die Errichtung des Zentrums in der Landespolizeidirektion in Linz hat rund 800.000 Euro gekostet.


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