Geldanreiz und Kommunikation sollen die Impfbereitschaft erhöhen
OÖ/LINZ. Was können Politik und Verwaltung tun, um die Bereitschaft zur Einhaltung der Covid-19-Schutzmaßnahmen zu erhöhen? Welchen Beitrag können Anreizsysteme aus ökonomischer Sicht leisten? Zu diesen Fragen diskutierten Matthias Fink und Rudolf Winter-Ebmer im JKU Corona Update am Montag, 14. Dezember.

Etwa 27,5 Prozent der Oberösterreicher haben an einem Massentest teilgenommen. Auch eine niedrige Teilnahmebereitschaft an einer zukünftigen Impfung gegen Covid-19 wird bereits diskutiert. Welche Anreize hier geschaffen werden könnten, diskutierte JKU Rektor Meinhard Lukas mit
- Matthias Fink, Institut für Innovationsmanagement, JKU und
- Rudolf Winter-Ebmer, Institut für Volkswirtschaftslehre, JKU.
Fink hält vorab fest, dass die Geschwindigkeit und Härte der politischen Reaktion eher für die wirtschaftlichen, weniger für die gesundheitlichen Folgen eine Rolle spielen. Die Bevölkerung berücksichtige nicht nur die konkreten Maßnahmen, sondern auch die Motivation dahinter.
Mehrere Wege zum Ziel
Dass die Bevölkerung die von der Regierung gesetzten Maßnahmen trage, könne auf unterschiedliche Arten geschehen: etwa durch eine Art „Pflichtgerüst“ (Lukas) wie bei den Massentests in der Slowakei, durch Anreizsysteme, aber auch durch die Nutzung von Netzwerken und einen langfristigen, offenen Dialog. Winter-Ebmer schlägt 100 Euro, etwa in Form eines Gutscheins, für Menschen vor, die sich gegen Covid-19 impfen lassen. So habe sich in Indien bereits gezeigt, dass Geldgeschenke zu einer höheren Impfbereitschaft führten. Zudem gibt es solche Anreize bereits, etwa für Impfungen im Mutter-Kind-Pass. Gegenreaktionen erwartet Winter-Ebmer bei dieser Maßnahme eher nicht, höchstens bei Menschen mit einer rein intrinsischen Motivation. Eine weitere Möglichkeit sei es, Individuen zu lenken ohne ihnen Optionen wegzunehmen. Das wäre etwa bei einer Zuschrift mit einem fixierten Impftermin an alle Bürger der Fall.
Bürokratische Hindernisse und Fehler in der Kommunikation
Fink ergänzt, dass es bereits eine abschreckende Wirkung haben könne, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer Test- oder Impfstraße fahren müsse. Sein Ansatz sei radikaler. Er würde mögliche bürokratische Hindernisse aus dem Weg räumen und vermehrt Netzwerke zur Kommunikation nutzen. Ein gelungenes Beispiel ist für ihn die Blutspende beim Roten Kreuz. Hier sei es gelungen, Vertrauen aufzubauen und die Menschen zu erreichen. Der Dialog ist langfristig. „Also brutal gesagt, die Message ‚Wenn ihr euch nicht an unsere Vorgaben haltet, dann werden alle sterben‘ hat die ersten Monate gut funktioniert. Dann aber haben die Leute gesehen, weil sie wohl großteils jemanden in der Umgebung gehabt haben, der zwar krank war, aber nur leicht. Nur bei wenigen sind Angehörige verstorben oder schwer erkrankt. Das heißt psychologisch ist immer stärker der Eindruck entstanden, ‚ok, das Virus ist da, aber es ist zum Aushalten‘. Und dadurch sinkt natürlich dann auch die Bereitschaft politische Maßnahmen freiwillig zu befolgen“, analysiert der Volkswirt.
Sein Gesprächspartner Winter-Ebmer meint wiederum, dass Hausärzte die Kommunikation rund um die Impfung übernehmen würden. Gerade ältere Menschen hätten in diese Vertrauen.
Das JKU Corona Update, das jeden Montag live übertragen wird, kann online nachgehört werden.


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