Armut in OÖ: "Ich kaufe mir einen Karfiol, denn damit komme ich drei Tage aus"
OÖ. Sätze wie „Butter kann ich mir nicht mehr leisten, ich steige auf Margarine um“, oder „Ich kaufe mir einen Karfiol, denn damit komme ich drei Tage aus“, bekommt Michaela Haunold, Leiterin der Caritas Sozial-Beratungsstellen, derzeit oft zu hören. Die Armut wird auch in Oberösterreich immer mehr und mehr. Rund 14 Prozent sind derzeit gefährdet in die Armut zu schlittern.

Geht es nach Franz Kehrer, Direktor der Caritas Oberösterreich, seien vor allem die Energiepreise und stark steigenden Wohnungspreise schuld daran. Laut Statistik seien auch eher jene armutsgefährdet, die Miete bezahlen und in der Stadt seien die Leute eher mehr betroffen als auf dem Land. „40 Prozent wenden Niedrigverdiener schon auf für das Wohnen“, sagt er und ergänzt: „Die Gesamtbevölkerung gibt aber nur 24 Prozent aus, für das Wohnen“. Im Durchschnitt zahlt ein Oberösterreicher 550 Euro für Miete, Energie und Betriebskosten. Die Wohnungskosten stellen für rund 825.000 Menschen in Oberösterreich eine schwere Belastung dar. Nachzahlungen der Energie werden überproportional, erzählt Kehrer.
27 Euro pro Tag für drei Personen
Marion P., Alleinerzieherin von zwei Kindern, musste vor einigen Wochen eine Stromerhöhung von 70 auf 135 Euro akzeptieren, obwohl der Verbrauch gleich geblieben ist. Das ist eine Erhöhung um fast 100 Prozent. Und es bedeutet, dass nach Abzug aller Fixkosten der dreiköpfigen Familie nur mehr 27 Euro pro Tag zum Leben bleiben.
Nur 68 Prozent der Ausgaben gedeckt
Laut einem aktuellen WIFO-Bericht reicht bei 10 Prozent der Haushalte mit dem niedrigsten verfügbaren Haushaltsäquivalenzeinkommen das Einkommen nur zur Finanzierung von 68 Prozent der Ausgaben. Den Rest müssen diese Haushalte über Ersparnisse oder über Verschuldung finanzieren. Die meisten Betroffenen schaffen es mit dem Urlaubs- und Weihnachtsgeld schlussendlich knapp auszukommen, so Kehrer. Das WIFO kritisiert auch in dem Bericht, dass die Regierung mit ihren aktuellen Maßnahmen die stark gestiegenen Wohnkosten außer Acht lässt.
Lebensmittelpreise rund fünf Prozent teurer
Die Lebensmittelpreise haben sich im Jänner 2022 im Vergleich zum Vorjahr rund fünf Prozent verteuert. Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges seien hier jedoch noch nicht berücksichtigt. Weitere Steigerungen stehen in Aussicht, das sich die konstant hohen Energiepreise der letzten Monate erst in der Preisgestaltung niederschlagen werden.
Teure Erstanmietungskosten
Die Zahl der Beratungen ist im Jahr 2021 von 212 Haushalte auf 241 gestiegen. Neben den steigenden Wohnkosten beobachtet die Caritas OÖ vor allem auch das Problem, dass Kautionen und andere Erstanmietungskosten für Menschen mit geringem Einkommen eine hohe Zugangshürde sind.
„Kautionstopf“ der Caritas OÖ
Dank eines Pilotprojektes konnte die Caritas hier im Vorjahr 53 Haushalte mit Mitteln des Landes OÖ aus einem „Kautionstopf“ unterstützen. Wie dringend diese Maßnahme ist, bestätigen auch die Zahlen vom Kautionstopf der Caritas Oberösterreich, der die Form eines zinsenlosen Mikrokredits hat. 2021 ist die Zahl der Anträge um 41 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor (2020) gestiegen, insgesamt konnten wir 139 Personen damit unterstützen. Der Schnitt pro Kautionskredit lag bei 1.175,87 Euro, gesamt wurden 163.445,46 Euro ausbezahlt.


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