Oberösterreichs Almen: „ALManach“ jetzt auch als Online-Plattform
OÖ. Bereits die 15. Auflage des „ALManach OÖ“, das Nachschlagwerk der oö. Almen, ist erschienen. Bislang nur in Buchform erhältlich, präsentiert sich dieser ab sofort auch Online. Anlässlich der Präsentation in Linz am Donnerstag riefen Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP) und der Obmann des OÖ Almverbandes Johann Feßl wieder ins Gedächtnis, dass es für ein gutes Miteinander auf der Alm Regeln brauche. Feßl begrüßt zudem die am Montag beschlossene Oö. Wolfsmanagementverordnung.

634 Almen in Oberösterreich gibt es, rund 400 davon sind bewirtschaftet – frei bewegen können sich die Tiere auf 36.500 Hektar, inklusive Waldweide. Die 15. Auflage des ALManach Oberösterreich bietet wieder alles Wissenswerte über die heimischen Almen im Salzkammergut und in der Pyhrn-Eisenwurzen-Region, Wanderwege und Touren zu den schönsten Almen, die Almkultur, Bewirtschaftungen und richtigen Verhaltensregeln. „Das Buch stößt seit 26 Jahren auf großes Interesse in Oberösterreich und darüber hinaus“, freut sich Robert Türkis, Leiter der Abteilung Ländliche Neuordnung des Landes OÖ.
Nun auch Online
Unter www.almanach-oberoesterreich.at ist der ALManach nun auch online zu finden. Über einfach oder detaillierte Suchen kann man die passende Wandertour finden, sich gleich die exakte Route anzeigen lassen, findet alternative Wege, kann nach Gehzeit, Gemeinde, Kondition oder Erreichbarkeit filtern. Zudem sind auch auf der Website Infos zur Almwirtschaft, Verhaltensregeln, Alm-Projekte und vieles mehr zu finden.
„Visitenkarte des Landes“
„Oberösterreichs Berg- und Almlandschaft ist die Visitenkarte unseres Landes und gleichzeitig Magnet für den Tourismus. Mein Dank gilt den Bauern, die bereit sind, diese zu bewirtschaften, für die Erhaltung dieses Landschaftsbildes“, so Langer-Weniger. „Die Gäste und Wanderer sind auch Botschafter für die Almbewirtschaftung und Regionalität“, freut sie sich.
Zur Attraktivierung der Almen würden auch die im Schnitt 30 bis 60 Almentwicklungsprojekte aus den Bereichen Neubau- und Verbesserung von Almwirtschaftsgebäuden in regionaltypischer Bauweise, Wasser- und Energieversorgung, Neuschaffung von Weideflächen und Wegen beitragen. 250.000 Euro an Landesmitteln werden dafür zur Verfügung gestellt.
Rücksichtnahme und Fair Play
Damit das Zusammenspiel von Almwirtschaft und Erholungsraum auch gut funktioniert, wurde letztes Jahr die Initiative „In unserer Natur“ gegründet. Sie soll den Beitrag der Landwirtschaft zum Urlaubs- und Freizeiterlebnis in der Natur sichtbarer machen, um die Wertschätzung zu erhöhen. Breiteres Wissen um die Arbeit in der Landwirtschaft fördere auch die Akzeptanz von Fair Play-Regeln für Sport und Bewegung in der Natur.
Auch Johann Feßl, Obmann der OÖ Almbauern, möchte Bewusstsein schaffen. Der Erhalt der Kulturlandschaft erfordere viel Engagement und Arbeit. „Vielen Menschen ist das nicht bewusst. Die Almen werden häufig als selbstverständlich angesehen und oft wird vergessen, dass es sich hierbei um bewirtschaftetes Eigentum handelt.“ Er verweist auch auf die Kampagne „Unsere Almen“, die das Leben und Arbeiten auf der Alm verständlicher machen will und auch aktuelle Herausforderungen für die Almwirtschaft aufzeigt.
Thema Wolf: Verunsicherung bei Almbauern groß
Eine solche Herausforderung ist gerade das Thema Großraubwild – der Wolf. „Der breiten Gesellschaft muss bewusstwerden, dass durch einen ungebremsten Zuwachs der Wolfspopulation viele Almen verschwinden werden, mit all den negativen Auswirkungen, die damit verbunden sind. Daher bin ich über die gerade erst montags beschlossene Wolfsmanagement-Verordnung des Landes Oberösterreichs äußerst dankbar“, so Feßl.
Nach der Wolfsmanagement-Verordnung ist in Oberösterreich ab 1. Juli unter ganz bestimmten Voraussetzungen und in letzter Konsequenz die Entnahme von Problemwölfen möglich. Unterschieden wird dabei in Risiko- und in Schadwölfe, die ein kritisches oder gefährliches Verhalten zeigen, wobei der Risikowolf sich wiederholt in Siedlungsgebieten aufhält, der Schadwolf Haus- oder wiederholt Nutztiere reißt.
„Auch emotionaler Schmerz“
Durchziehende Wölfe in der Vergangenheit hätten den Bauern keine großen Sorgen bereitet, so Feßl. Jetzt sei die Verunsicherung bei den Almbauern aber sehr groß. „Wir haben genau gewusst, wenn man die Entwicklung auch in den Nachbarländern rund um Österreich verfolgt hat, dass es eine massive Zunahme geben wird, wir haben auch davor gewarnt. Jetzt ist es eingetreten.“ Beim Thema Wolf gehe es nicht nur um Risse, die Tiere würden verschreckt, davonlaufen und verschollen bleiben oder abstürzen. Erst vor wenigen Tagen seien im Salzkammergut an der Grenze zu Salzburg wieder Schafe gerissen worden, einige seien noch verschollen. Für die Bauern sei das sehr emotional. „Wenn plötzlich 20 Tiere umgekommen sind, nicht mehr auffindbar sind, das tut uns weh.“
Feßl weiter: „Wir haben in Oberösterreich sehr kleine Strukturen. Die Haltung von Schafen etwa passiert in kleinen Gruppen, ein Dutzend, mal 30 oder 50 Schafe. Wenn diese mit fünf Hunden und zwei Hirten ständig beaufsichtigt werden müssten, sei das wirtschaftlich völlig unrealistisch. Und wenn es Angriffe gibt von gewissen Experten, die dann völlige Schubumkehr herstellen und Bauern verklagen wollen, weil es dem Tierschutzgesetz nicht entspräche, wenn die Schafe auf der Alm weiden, dann ist es nicht mehr 5 nach 12, dann hat es 13 geschlagen. Da muss man schon bei der Wahrheit bleiben.“


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