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Apotheken in OÖ und Wien testen mit Pilotprojekt „ApoDoc“ Telemedizin vor Ort

Tips LogoKarin Seyringer, 05.03.2026 18:31

Ö/OÖ. Die Österreichische Apothekerkammer testet mit ApoDoc bis Ende Juni assistierte Telemedizin in der Apotheke. Damit soll kurzfristig ein Online-Arztgespräch geführt werden können. OÖ Ärztekammer-Präsident Peter Niedermoser sieht einen „Schnellschuss“. 

Symbolfoto (Foto: Urbanscape/stock.adobe.com)
Symbolfoto (Foto: Urbanscape/stock.adobe.com)

„Niemand soll unversorgt die Apotheke verlassen. Das ist der Ansporn. Dazu braucht es im Bedarfsfall eine rasche medizinische Diagnose, eine klare Therapieempfehlung und die direkte persönliche Arzneimittelversorgung. Mit ApoDoc kann in einem Beratungszimmer bei Bedarf ohne unnötige Wege und kurzfristig vertraulich ein Online-Arztgespräch geführt werden“, so Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer am Donnerstag bei der Präsentation. 

Angebot in Randzeiten

Kooperationspartner der Apothekerkammer beim Pilotprojekt „ApoDoc“ sind die Gesundheitsdienstleister UNIQA Health Services und Mavie Next.

Der Test läuft seit 20. Februar an Randdienstzeiten (Freitag 14 bis 18 Uhr und Samstag 8 bis 12 Uhr), in drei Wiener Apotheken wird seitdem die assistierte Telemedizin kostenlos angeboten.

Ab Mitte März sollen insgesamt zwölf weitere Apotheken in Wien und Oberösterreich dazukommen. Welche, ist noch nicht bekannt.

Ziel des Pilotprojekts ist die Entwicklung und Erprobung eines standardisierten telemedizinischen Ablaufs in öffentlichen Apotheken. Damit soll im Bedarfsfall insbesondere außerhalb regulärer Ordinationszeiten ein zusätzlicher Zugang zu allgemeinmedizinischer Versorgung ermöglicht werden.

ApoDoc soll Lücken schließen

„Telemedizinische Angebote in der Apotheke verstehen sich ausdrücklich als Ergänzung zu bestehenden ärztlichen Versorgungsstrukturen im niedergelassenen Bereich. Sie erweitern den Zugang zu medizinischer Beratung dort, wo ein rascher, niederschwelliger Erstkontakt sinnvoll ist. Statt am Samstag in eine Spitalsambulanz zu gehen, können gesundheitliche Anliegen vor Ort in der Apotheke effizient telemedizinisch abgeklärt werden. Telemedizin in der Apotheke stärkt damit die bestehenden Versorgungsstrukturen, verbessert die hybride Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen und trägt zu einer koordinierten, qualitativ hochwertigen und patientenzentrierten Versorgung bei“, ist Mursch-Edlmayr überzeugt.

Der große Vorteil laut Apothekerkammer-Präsidentin gegenüber Telemedizin zu Hause: „Unser neues Versorgungsangebot verbindet die leichte Erreichbarkeit der Apotheke mit der Expertise von österreichischen Ärzten. Wer mit einem gesundheitlichen Problem in die Apotheke kommt, kann entweder im Rahmen der betreuten Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln versorgt werden oder im Bedarfsfall mit einem Online-Arztgespräch. Die Patienten werden während des gesamten Prozesses fachlich und persönlich begleitet. Verbunden mit einer gezielten Erfassung relevanter Gesundheitsparameter und einer direkten Abgabe der ärztlich verordneten Arzneimittel schafft der ApoDoc einen spürbaren Mehrwert für die Menschen und entlastet die kostenintensiven und vollen Spitalsambulanzen.“

Das Pilotprojekt läuft bis Ende Juni 2026. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird es vom Institut für Pharmazie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU).

Mehr Infos zum Projekt: www.sicherversorgt.at/apodoc

Kritik von Ärztekammer für OÖ

Nicht glücklich mit dem Pilotprojekt ist Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für OÖ. „Arztgespräche sind sensibel und müssen in einem Umfeld passieren, das dafür auch optimal ausgelegt und eingerichtet ist. Das Hinterzimmer einer Apotheke ist dafür gänzlich der falsche Ort.“

Telemedizin werde zwar in Zukunft ein ganz wichtiger Baustein sein, „hier sollte aber der erste Ansprechpartner die Ärztin bzw. der Arzt des Vertrauens sein. Der Schutz des Patienten, die Diskretion, die räumlichen Voraussetzungen in diesem Bereich sind Grundvoraussetzungen für ein funktionierendes System und kein Gespräch zwischen Tür und Angel.“

Niedermoser hinterfragt auch, dass hinter der Umsetzung ein Versicherungskonzern als Partner stehe. „Finanzielle Interessen dürfen überhaupt keine Rolle spielen“, so Niedermoser.

Er appelliert, anstatt Schnellschüssen zu einem gemeinsamen Schulterschluss. „Um dieses Pilotprojekt zu rechtfertigen, wird argumentiert, dass damit die Spitäler entlastet werden. Viel wichtiger ist eine Entlastung des gesamten Gesundheitsbereichs, also neben den Spitälern auch die dringend notwendige Entlastung und der Ausbau des niedergelassenen Bereichs. Es wäre doch viel besser, sich gemeinsam darum zu kümmern, dass die Österreichische Gesundheitskasse endlich gute Rahmenbedingungen schafft.“


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