Weniger Einsätze aber steigende Herausforderungen für Oberösterreichs Feuerwehren
OÖ/LINZ. Die oö. Feuerwehren haben im Jahr 2025 gut 7,3 Millionen Stunden für die Sicherheit in Oberösterreich geleistet. Zwar galt es 2025 im Vergleich weniger Einsätze zu bewältigen, die Herausforderungen werden aber komplexer. Neue Technologien, veränderte Gefahrenlagen und wachsende Anforderungen an Ausbildung und Ausrüstung prägen zudem den Feuerwehralltag.

Die oberösterreichischen Feuerwehren blicken auf ein insgesamt ruhigeres Einsatzjahr als 2024 zurück. 46.711 Einsätze wurden 2025 abgearbeitet, rund ein Drittel weniger als 2024 (63.117). Hauptgrund war die geringere Zahl an Unwettereinsätzen. Auch unter dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre liegt das Einsatzaufkommen 2025, zieht der OÖ Landes-Feuerwehrverband am Mittwoch Leistungsbilanz.
15.397 Brandeinsätze, 31.314 technische Einsätze, 3.646 gerettete Personen, 1.800 gerettete Tiere, so die Details der Leistungsbilanz.
Aufgaben werden immer komplexer
Doch ein Rückgang der Einsätze bedeutet keineswegs weniger Arbeit. Der Stundenaufwand mit mehr als 7,3 Millionen blieb nahezu unverändert. „Dimensionen, Komplexitäten, Einsatzdauer sind mehr und länger geworden, wie Feuerwehr-Präsident, Landes-Feuerwehrkommandant Robert Mayer ausführt. Moderne Technologien verändern die Einsatzszenarien deutlich. Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher, die auf immer mehr Gebäuden installiert werden, bringen etwa bei Bränden oder Hochwassereinsätzen zusätzliche Risiken mit sich.
Auch im Straßenverkehr stellen neue Antriebstechnologien die Einsatzkräfte vor Herausforderungen. Elektro- und Hybridfahrzeuge erfordern andere Vorgehensweisen bei Verkehrsunfällen. Solche Entwicklungen verlangen von den Feuerwehren laufend neue Kenntnisse und spezielle Ausrüstung, fließen maßgeblich in die Ausbildung hinein, so Mayer.
Mayer appelliert an Eigenverantwortung
Angesichts der wachsenden Herausforderungen für die Freiwilligen Feuerwehren nutzt Mayer die Bilanzpräsentation auch für einen Appell an die Bürger zu mehr Eigenverantwortung. „Für drei Zentimeter Wasser im Keller oder einem Ast auf der Straße um 3 Uhr früh ist nicht unbedingt ein Feuerwehreinsatz nötig.“
Millionen Stunden freiwillige Arbeit
909 Feuerwehren gibt es in Oberösterreich, davon 873 Freiwillige Feuerwehren, 32 Betriebsfeuerwehren und eine Berufsfeuerwehr. Das Fundament der Freiwilligen Feuerwehren bleibt das Ehrenamt. 95.141 Mitglieder engagieren sich in den oberösterreichischen Feuerwehren, davon 62.093 im aktiven Dienst.
Die mehr als 7,3 Millionen Stunden freiwillige Arbeit im Jahr 2025 teilen sich auf auf Einsätzen, Übungen, Instandhaltung, Aus- und Weiterbildung, Eigenmittel-Aufbringung, Jugend- und Nachwuchsarbeit und organisatorischen Aufgaben.
Knapp 14.000 Mitglieder in der Feuerwehrjugend
Um die Einsatzbereitschaft auch in Zukunft gewährleisten zu können, spielt die Nachwuchsarbeit eine bedeutende Rolle. Die Tendenz ist zur Freude des Landes-Feuerwehrverbandes in den letzten Jahren steigend. 2025 zählte die Feuerwehrjugend in OÖ 13.725 Mitglieder, davon 4.490 Mädchen. Innerhalb von zehn Jahren ist die Feuerwehrjugend damit um rund 45 Prozent gewachsen.
Mehr Frauen in der Feuerwehr
Ein Trend nach oben zeigt sich auch bei den weiblichen Mitgliedern: 2025 waren 10.904 Frauen bei der Feuerwehr in Oberösterreich, diese Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. 1.037 Frauen sind laut Bilanz 2025 auch als Funktionärinnen in der Feuerwehr, auf Abschnitts- und Bezirksebene tätig.
Neue Ombudsstelle, neue Stabsstelle Sicherheit
Zufrieden zeigt sich der Landesfeuerwehrverband mit dem 2024 gestarteten Pilotprojekt der Fahrzeug-Gesamtbeschaffung, eingeführt auch angesichts finanzieller Herausforderungen zur Senkung der Anschaffungskosten für Gemeinden und Feuerwehren.
In die Fläche gebracht wurde laut Mayer die neue innovative Löschtechnik Drill-X. 52 Geräte sind mittlerweile bei Stützpunktfeuerwehren mit Hubrettungsgeräten in ganz OÖ stationiert.
2025 wurde auch die neue Stabsstelle Sicherheit gegründet, angesichts neuer Herausforderungen beim Thema IT und Cybersecurity. 2026 und 2027 liegt der Fokus auf der vollständigen Umsetzung des Informationssicherheits-Systems nach internationalen Standards.
Und seit 2025 hat der Oö. Landes-Feuerwehrverband auch eine eigene Ombudsstelle eingerichtet, als neutrale und vertrauliche Anlaufstelle für alle Feuerwehrmitglieder.
„Demokratisches Grundgerüst“
Zu Gast bei der Bilanzpräsentation beim Oö. Landes-Feuerwehrverband in Linz am Mittwoch war auch Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP). Angesichts des aktuellen weltpolitischen Umfelds betont er: „Man kann man gar nicht hoch genug einschätzen, dass wir mit den 95.000 Mitgliedern bei den Feuerwehren Persönlichkeiten im Lande haben, die das demokratische Grundgerüst unseres Landes am Laufen halten. Weil Demokratie eben nicht nur heißt, dass wir selber viele Rechte haben, sondern dass auch jemand gemeinschaftlich dafür Sorge trägt, dass unser Staat am Laufen ist.“
Auch dankt er für die Leistungen und Einsatzstunden im Jahr 2025, die das Land gerne mit den nötigen Rahmenbedingungen unterstütze. Zudem seien die Feuerwehren gerade in der Jugendarbeit „eine ganz wichtige Lebensschule im besten Sinn, wo sie in Gemeinschaften hineinwachsen, viele soziale Kompetenzen vermittelt bekommen.“
Feuerwehr-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP) ergänzt: „Die Feuerwehren und das ehrenamtliche Engagement ist eine harte Währung des Vertrauens. Die Feuerwehr hat großartige Einsatzkräfte, diese leisten Hilfe. Und jeder von uns weiß, für Betroffene ist es eine erste Welle der Erleichterung, wenn dieses rote Auto um die Ecke kommt und man weiß, die erste Hilfe ist da“, dankt auch sie für das Engagement.


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