Unfälle sind das zweithöchste Todesrisiko für Kinder

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Wurzer Katharina Wurzer Katharina, Tips Redaktion, 13.01.2021 15:22 Uhr

OÖ/WIEN. Nach Krebserkrankungen sind Unfälle das zweithöchste Todesrisiko für Kinder. Wie sich die verordneten Ausgangsbeschränkungen 2020 auf Kinderunfälle ausgewirkt haben, untersuchten das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) und das Klinikum Donaustadt in Wien.

Mehr als eine halbe Million Kinderunfälle ereigneten sich in den letzten fünf Jahren österreichweit. In Oberösterreich haben sich 2019 20.700 Kinder bei Unfällen verletzt. Während 2020 weniger Kinder mit leichten Verletzungen zur Behandlung kamen, wurden Kinder mit schweren Verletzungen weiterhin in die Ambulanz gebracht. Erhöht hat sich der Anteil der Kopfverletzungen von 44 Prozent im Jahr 2019 auf 55 Prozent im März und April. Häufiger mussten auch Kinder mit Verbrühungen und verschluckten Fremdkörpern behandelt werden.

Nach Krebserkrankungen sind Unfälle das zweithöchste Todesrisiko für Kinder. 2019 sind österreichweit 29 Kinder an den Folgen eines Unfalls gestorben.

Weniger Unfallbehandlungen im März

Wie sich die Corona-Pandemie auf Kinderunfälle ausgewirkt hat, haben nun Experten des KFV und des Klinikums Donaustadt in Wien untersucht. Sie haben Ambulanzkontakte in der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie des Klinikums Donaustadt (SMZ Ost) im März und April 2020 ausgewertet und die Folgemonate beobachtet. Dabei zeigt sich, dass in den beiden ersten Wochen des Lockdowns ab dem 16. März 2020 um 60 Prozent weniger Kinder nach einem Unfall behandelt wurden als sonst. Darunter waren vor allem Kinder ab dem dritten Lebensjahr, bei Kleinkindern unter einem Jahr gab es kaum eine Veränderung. Im April stiegen die Zahlen wieder leicht an.

„Im Zuge der pandemiebezogenen Regelungen sind besonders bei den Vorschulkindern die Unfälle im Wohnbereich nummerisch in den Vordergrund getreten. Es ist bekannt, dass Klein- und Vorschulkinder als sogenannte `Weltentdecker` vermehrt im häuslichen Umfeld unfallgefährdet sind. Neben der natürlichen hohen Neugier, gepaart mit ungenügender oder keiner Erfahrung, spielt der große Bewegungsdrang eine wesentliche Rolle. Letzterer ist im Zuge einer notwendigen Ausgangsbeschränkung in besonderem Maße aufgestaut. Es kam somit vermehrt zu Stürzen, Kopfverletzungen, Verbrennungen und Verschlucken oder Einatmen von Fremdkörpern. Im Sinne der Unfallverhütung sind Beaufsichtigung, Herdschutzgitter, Tür- und Fenstersicherungen, kleine Gegenstände nur im höheren unerreichbaren Bereich, Wegräumen von kleinen Batterien und Magneten, labile Hochsitze, Steckdosenschutz und Stiegengitter hochaktuelle Maßnahmen, die erneut in Erinnerung gerufen werden müssen“, sagt Alexander Rokitansky, Vorstand der Abteilung für Kinder-und Jugendchirurgie am Klinikum Donaustadt.

Mangelhafte Erstversorgung auffällig

Auffällig sind laut der Analyse des Klinikums und des KFV die mangelhaften Versuche, Verletzungen von Kindern selbst erstzuversorgen. So wurden kleine Patienten ins Krankenhaus gebracht, deren Wunden mit Kaffeesud, Zahnpasta, Tabak oder Henna versucht wurden zu versorgen. „Für unvorhergesehene Situationen wie eine Pandemie, in denen Menschen stärker auf die selbstständige Erstversorgung angewiesen sein könnten, ist im Bereich der Ersten Hilfe die verstärkte Aus- und Weiterbildung der Bevölkerung empfehlenswert“, rät daher KFV-Direktor Othmar Thann. Unfälle sollten idealerweise im Vorhinein verhindert werden. So könne man sich bereits vor dem Ende der Ausgangsbeschränkungen mit drohenden Unfallrisiken für Kinder auseinandersetzen. So sollte etwa bei den Lenkergriffen von Dreirad, Roller oder Fahrrad auf große weiche Endplatten geachtet werden. Bei Stürzen auf den aufgestellten Lenker kommt es immer wieder zu schweren inneren Bauchverletzungen.

Bundesweites Programm zur Reduktion von Unfällen

Da Kinderunfälle teilweise lebenslange Folgen haben können, fordert das KFV ein bundesweites Programm zur Reduktion von Unfällen. Österreich hat derzeit kein strategisch ausgerichtetes, bundesweites Programm zum Schutz von Kindern vor Unfällen und liegt dadurch in puncto Prävention im EU-Mittelfeld.

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