Elektromobilität: Nutzer legen Wert auf schnelles Laden
OÖ/LINZ. Das Forschungsprojekt Urcharge zu Elektromobilität in Linz läuft noch bis Mitte des Jahres 2021. Erste Erkenntnisse wurden bereits gesammelt. So legen Konsumenten Wert darauf, eine Möglichkeit zum Schnellladen zu haben. Das sei aber gar nicht nötig, sagen die Initiatoren des Projekts.

Das Projekt Urcharge wurde von der Linz AG initiiert und wird von der Technischen Universität Wien geleitet. Konkret haben sich 50 Testpersonen aus einer Linzer Wohnanlage bereit erklärt, fünf Monate lang auf ein Elektroauto umzusteigen. Diese Phase lief bis November 2020, das Projekt selbst wird noch bis Mitte des Jahres 2021 fortgeführt.
„Schnelles Laden ist gar nicht immer nötig“
Eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt ist, dass Konsumenten großen Wert darauf legen, eine Möglichkeit zum Schnellladen vorzufinden. „Viele Autofahrer denken, ein E-Mobil müsste möglichst schnell aufgeladen werden können, so wie sie das beim Benzinmotor gewohnt sind. Das ist aber in der Praxis gar nicht immer nötig“, sagt die Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit Brigitte Ederer. Sie rechnet vor, dass die durchschnittliche Fahrleistung eines PKW pro Tag bei 38 Kilometern liege. Ein typisches E-Auto verbrauche rund 15 Kilowattstunden Energie pro 100 Kilometer Fahrt. Ein solches Fahrzeug wäre nach der Rückkehr in die Garage mit einer Leistung von 3,6 Kilowatt somit in 1,5 Stunden wieder aufgeladen. Schnelladeboxen brauche man im Alltag daher nur selten.
„Ein durchschnittlicher Pendler hat nach dem Heimkommen immer noch genug Strom in der Batterie, um noch einmal wegzufahren, etwa zum Einkaufen oder um abends auszugehen. Es gibt gar keinen Grund, jedes Mal sofort das Ladekabel zu zücken, wann das Auto gerade nicht benützt wird“, ergänzt Linz-Netz Geschäftsführer Johannes Zimmerberger. Die Menschen hätten mittlerweile bereits erkannt, dass man auch mit halbvoller Batterie fahren könne.
Forderung: Hohe Kosten für kurze Ladezeiten
Das Projekt Urcharge habe laut Zimmerberger außerdem gezeigt, dass es möglich sei, zusätzliche Leistung ohne einen übermäßigen Netzausbau zu erbringen. Wesentlich dabei sei, dass das Laden der Elektroautos intelligent gesteuert werde, sprich dass Fahrzeuge bedarfsgerecht mit möglichst niedriger Leistung aufgetankt werden. Um das zu verwirklichen, fordern die Netzbetreiber eine neue Tarifstruktur für den Strompreis, bei dem die Leistung im Vergleich zum Verbrauch stärker berücksichtigt wird. „Wer mit hoher Leistung lädt und daher das Netz stärker belastet, soll dafür mehr zahlen. Umgekehrt soll jemand Kostenvorteile haben, wenn er längere Ladezeiten in Kauf nimmt“, führt Zimmerberger aus. Darüber hinaus sollten Netzbetreiber per Gesetz die Möglichkeit bekommen, steuernd einzugreifen. Wenn Konsumenten eine Leistungsabsenkung ablehnen, soll der Tarif für sie ebenfalls höher ausfallen. „Wir halten unseren Vorschlag für verursachergerecht und wissen jetzt aus den Erfahrungen mit Urcharge, dass er auch praxistauglich ist. E-Mobilität wird nur funktionieren, wenn man die Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigt“, schließt Zimmerberger.


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