Einsätze der Polizei bei häuslicher Gewalt gestiegen

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Wurzer Katharina Wurzer Katharina, Tips Redaktion, 03.03.2021 12:57 Uhr

LINZ/OÖ. Im Vorjahr sind polizeiliche Einsätze bei häuslicher Gewalt, die zu Betretungs- und Annäherungsverboten führten, um 19 Prozent gestiegen. Dabei nahm nicht nur Gewalt gegen Frauen, sondern auch von Eltern an ihren Kindern zu. Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer, Eva Schuh vom Gewaltschutzzentrum OÖ und Erwin Fuchs von der Landespolizeidirektion präsentierten am Mittwoch, 3. März die Details.

Laut Schätzungen der UNO und WHO nehmen gewaltsame Übergriffe gegen Frauen und Mädchen weltweit zu. Ungefähr jede vierte Frau in Europa ist laut Statistik Austria mindestens einmal in ihrem Leben von körperlicher oder/und sexueller Gewalt betroffen. Zwei von drei Übergriffen ereignen sich in der Familie oder im engsten sozialen Umfeld. Oberösterreich ist hier keine Ausnahme. Die Corona-Pandemie hat zu zusätzlichen Verschärfungen geführt. 2020 wurde die Polizei in Oberösterreich zu fast 1600 Einsätzen aufgrund von häuslicher Gewalt gerufen, mehr als 2000 Betretungs- und Annäherungsverbote wurden ausgesprochen. Diese Zahl erklärt sich dadurch, dass seit dem Vorjahr ein Betretungsverbot pro gefährdeter Person ausgesprochen wird. „Grundsätzlich haben wir in den vergangenen Jahren sehr gute Erfahrungen mit dem Gewaltschutzgesetz gemacht, zumal es einen guten Schutz für die Opfer und eine hohe Akzeptanz bei den Tätern bewirkt. Ausnahmen davon gibt es leider immer wieder“, sagt Landespolizeidirektor-Stellvertreter Erwin Fuchs. Betretungs- und Annäherungsverbote werden innerhalb von drei Tagen behördlich geprüft und gelten grundsätzlich zwei Wochen.

Schwere Gewalt nimmt zu, Morde an Frauen nur Schätzung

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Einsätze der Polizei bei häuslicher Gewalt um 19 Prozent gestiegen. Eine mögliche Ursache dafür kann sein, dass viele Betroffene von Gewalt unter gewöhnlichen Umständen eher zu Familienangehörigen oder Freunden flüchten und nicht die Polizei rufen. Insgesamt nimmt schwere Gewalt jedoch zu, berichtet das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich, das im Vorjahr 2840 Klienten betreute. 80 Prozent davon waren weiblich, 20 männlich, wobei es sich hier häufig um Gewalt von Männern an Männern handelte, informiert die Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Eva Schuh. Leider sei auch Gewalt von Eltern gegen Kinder gestiegen. Dazu sei bereits das Präventionsprojekt „Hinter der Fassade“ in Kooperation mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft virtuell und mit neuen Inhalten gestaltet worden. Grundsätzlich zeigen erste Auswertungen und Befragungen, dass in der Corona-Pandemie Faktoren wie häusliche Quarantäne, Kontaktbeschränkungen, akute finanzielle Sorgen, Kurzarbeit beziehungsweise der Arbeitsplatzverlust des Partners, aber auch Überlastung, Ängste und Depressionen des Partners zu einem erhöhten Gewaltpotential in Partnerschaften und Familien führten.

Darüber hinaus stieg die Zahl der Morde an Frauen in Österreich an. Von 2014 bis 2018 haben sie sich verdoppelt. 2020 wurden laut Medienberichten 24 Frauen getötet, vier davon durch ihren Partner. „Jene Fälle, über die in den Medien berichtet wird, sind leider nur die Spitze des Eisbergs. Wie hoch die Zahlen tatsächlich sind, weiß niemand genau. Gewaltsame Übergriffe finden meist in den eigenen vier Wänden statt, dort wo für Frauen und Kinder eigentlich der sicherste Ort sein sollte. Häusliche Gewalt bleibt daher oft lange Zeit von Außenstehenden unbemerkt und wird erst sichtbar, wenn die Situation völlig eskaliert. Wir müssen daher alles daran setzen, dass es gar nicht so weit kommt. Als zuständige Landesrätin werde ich die Gewaltschutzangebote in Oberösterreich daher weiter ausbauen“, sagt Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ).

Neue Frauenhäuser in Planung

Das Sozialressort des Landes finanziert fünf Frauenhäuser in Oberösterreich, konkret in Linz, Wels, Steyr, Ried im Innkreis und Vöcklabruck. Hinzu kommen sechs Übergangswohnangebote für Frauen, die nicht akut von Gewalt betroffen sind, aber aus einer belastenden häuslichen Beziehung flüchten müssen. Da die Auslastung hoch ist und die Wohnverhältnisse nicht mehr zeitgemäß sind, werden die Frauenhäuser in Ried und Steyr durch einen Neubau ersetzt. Darüber hinaus ist in Braunau ein sechstes Frauenhaus geplant, das Schutz für sechs Frauen und ihre Kinder bieten soll. In den kommenden Jahren sind Frauenhäuser im Mühlviertel und im Salzkammergut vorgesehen, hier wird gerade nach einem geeigneten Grundstück gesucht.

Weitere Angebote, die das Land OÖ fordert, sind das Autonome Frauenzentrum sowie sieben Frauenberatungsstellen, aber auch das Beratungszentrum Beziehungsleben.at, das Täterarbeit anbietet. „Sehr oft schaffen es die Opfer nicht, sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen beziehungsweise kehren immer wieder in eine solche zurück. Dazu kommt, dass gewalttätige Männer häufig Wiederholungstäter sind. Die Arbeit mit ihnen kann weitere Gewalt und damit neue Opfer verhindern“, ist Gerstorfer überzeugt. Laut dem Gewaltschutzzentrum OÖ braucht es außerdem mehr Sensibilität hinsichtlich psychischer Gewalt, gerichtliche Weisungen zu Antigewalttrainings und eine Gesetzesänderung, dass Anzeigen aufgrund von Stalking wieder an das Gewaltschutzzentrum OÖ beziehungsweise die Interventionsstelle Wien übermittelt werden. Das Gewaltschutzzentrum OÖ hat den Frauenpreis der Stadt Linz 2021 bekommen.

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