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OÖ/LINZ. Am 11. März 2020 wurde die weltweite Ausbreitung der Covid-19-Erkrankung zur Pandemie erklärt. Ein Jahr später ist Pandemiemüdigkeit zu spüren, berichtet die TelefonSeelsorge OÖ. Die Zahl ihrer geführten Chats hat sich im Corona-Jahr mehr als versechsfacht. Unter den Themen sind Ausbildung und Beruf, aber auch Einsamkeit.

  1 / 2   Vor allem junge Menschen nehmen die Chatberatung der TelefonSeelsorge OÖ in Anspruch (Symbolbild). (Foto: fizkes/Shutterstock.com)

Nach einem Jahr Corona-Pandemie zieht die TelefonSeelsoroge OÖ-Notruf 142 Bilanz. „Neben steigenden und sinkenden Corona-Fallzahlen war das letzte Jahr auch geprägt von unterschiedlichen Belastungswellen für die Psyche. Angst war bei einem großen Teil der Bevölkerung vor genau einem Jahr eine der vorherrschenden Emotionen. Was folgte, war ein Auf und Ab der Gefühle: Sorge, Wut, Ernüchterung, Einsamkeit, Traurigkeit mit zwischenzeitlichen Phasen der Normalisierung und Entspannung. Und wo stehen wir jetzt? Exakt ein Jahr danach sind wir immer noch mitten in der Krise. Müdigkeit, Erschöpfung, Resignation und Niedergeschlagenheit sind bei vielen an die Stelle der Angst getreten. Die Anstrengungen des vielfach erwähnten ‚Marathons‘ machen sich bemerkbar. Die Batterien sind bei vielen leer“, sagt Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ. Sie führt das unter anderem darauf zurück, dass Pflegepersonal, Mediziner, Lehrer und Eltern ein Jahr der Überlastung und Überforderung hinter sich hätten. Arbeitslose Menschen, Gastronomen und Kunstschaffende wiederum würden mit Existenzängsten kämpfen. Bei Schülern und Studierenden seien fehlende Struktur, soziale Isolation und mangelnde Perspektiven zentral.

„Ausnahmezustand wird zum Normalzustand“

Was geschieht, wenn der Ausnahmezustand zum Normalzustand wird, wie es Breitwieser selbst beschreibt? Die sogenannte Pandemiemüdigkeit sei vor allem bei jungen Menschen zu spüren, da es gerade für sie essentiell sei, ihr Leben selbstbestimmt und aktiv zu gestalten. „Wenn Jugendliche ihre Leichtigkeit verlieren, so gilt es dies unbedingt ernst zu nehmen“, warnt Breitwieser. Derzeit suchen vor allem 15- bis 30-Jährige Hilfe im Sofortchat der TelefonSeelsorge OÖ. Dieser wird seit 1. März 2021 als Ergänzung zum telefonischen Gesprächsangebot täglich von 17 bis 22 Uhr online angeboten. Unter den Themen sind viermal so häufig als zuvor Schule, Ausbildung, Studium oder Job. Auch Einsamkeit wurde doppelt so häufig thematisiert. Insgesamt hat sich die Zahl der geführten Chats im Corona-Jahr sogar mehr als versechsfacht. Die Nachfrage nach dem Angebot steigt, in der Krise ist Bedarf nach Entlastung gegeben. Dazu muss nicht einmal das Haus verlassen werden.

Schambesetzte Themen wie Suizidgedanken und Sucht werden angesprochen

„Der Sofortchat ist aus ganz Österreich kostenlos, anonym und vom eigenen Wohnzimmer aus erreichbar. Ohne Anmeldung kann direkt mit geschulten Beraterinnen und Beratern gechattet werden. Eine spezielle Verschlüsselung gewährleistet Sicherheit und Datenschutz“, berichtet Doris Bauer, Referentin für Online-Beratung der TelefonSeelsorge OÖ. Chatten bedeute zunächst, sich mit jemandem zu unterhalten. Alleine das könne zu Entlastung beitragen. Durch die Anonymität öffnen sich Jugendliche häufig leichter und schneller, sodass auch schambesetzte Themen wie selbstverletzendes Verhalten, Suizidgedanken, Missbrauch oder Suchtproblematiken angesprochen werden, weiß Bauer. Gerade durch die Niederschwelligkeit der Chatberatung könne große Nähe entstehen.

Kostenloser Ausbildungslehrgang zur Chatberatung im April

Die Berater der TelefonSeelsorge OÖ haben ein Herz für Menschen in Not, helfen beim Sortieren von Problemen und Finden von Lösungen. Damit ihre Batterien nicht wie die der Hilfesuchenden leer werden, sucht die TelefonSeelsorge nach neuen Mitarbeitern. Im April 2021 beginnt in Linz ein kostenloser Ausbildungslehrgang der TelefonSeelsorge mit dem Schwerpunkt Mail- und Chatberatung. Inhalte der Ausbildung sind Techniken der Gesprächsführung und Krisenintervention. „Ein offenes Herz für Menschen in Not zu haben, setzt neben Lebenserfahrung und Einfühlungsvermögen ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz voraus. Eine fundierte Ausbildung, regelmäßige Fortbildungen und monatliche Supervision sind deshalb die Grundlagen der Arbeit in der Onlineberatung der TelefonSeelsorge“, schließt Bauer. Stichwort Lebenserfahrung - Bewerber sollten mindestens 24 und höchstens 63 Jahre alt sein. Die Ausbildung wird an Wochenenden angeboten, wodurch eine Berufstätigkeit kein Ausschlusskriterium ist. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Webseite der TelefonSeelsorge OÖ.


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