Depressionen und Essstörungen bei Jugendlichen nehmen zu

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Leserartikel Wurzer Katharina, 17.03.2021 13:11 Uhr

OÖ/LINZ. Ein Teil der jungen Menschen hat massiv mit psychosozialen Folgen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Maßnahmen zu kämpfen. Psychische Probleme wie depressive Symptome und Essstörungen nehmen zu. Auch die Internet- und Handysucht ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Wer davon besonders betroffen ist und welche Gegenmaßnahmen gesetzt werden, informiert pro mente OÖ.

Die Corona-Maßnahmen seien zwar wichtig, hätten aber in ganz Österreich Spuren hinterlassen, hält pro mente OÖ in einer Pressekonferenz am Dienstag, 17. März, fest. Auch der Alltag junger Menschen sei auf den Kopf gestellt worden. „Gerade im Bereich der Verhaltenssüchte merken wir, dass junge Menschen vermehrt professionelle Hilfe benötigen. Vor allem die Internet- und Handysucht ist in den vergangenen Monaten angestiegen. Die mangelnden Möglichkeiten, persönliche Kontakte wahrzunehmen, haben das Sozialverhalten vieler Menschen nachhaltig verändert. Wir versuchen gerade jetzt, auf dieses Problem aufmerksam zu machen“, führt Kurosch Yazdi aus. Er ist Vorstandsvorsitzender von pro mente OÖ und Facharzt für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin. Doris Koubek, Kinder- und Jugendpsychiaterin bei pro mente OÖ ergänzt: „Psychische Erkrankungen verdichten sich zurzeit und treten seit Corona früher auf. Gerade bei jungen Menschen, die früher bereits mit psychischen Problemen zu kämpfen hatten, treten nun die verschiedenen psychischen Störungsbilder verstärkt auf und die Symptome kommen massiver zum Vorschein. Ängste, Zwangsstörungen, Depressionen und Essstörungen wurden durch Corona besonders getriggert“. Jugendliche mit einer Essstörung würden etwa bereits grundsätzlich darunter leiden sich aufgrund ihrer Erkrankung isoliert und ohnmächtig zu fühlen. Durch Lockdowns seien sie noch mehr sich selbst, ihren Gedanken und Selbstzweifeln überlassen.

Soziales Umfeld entscheidend

Besonders sichtbar sind die Folgen der Pandemie aber nicht nur bei jungen Menschen, die bereits zuvor psychische Probleme hatten, sondern auch bei jenen aus sozial benachteiligten Familien. „Die Corona-Maßnahmen sind für viele sehr schwierig – neben finanziellen Sorgen haben viele Familien Probleme, ihren Alltag noch irgendwie zu strukturieren. Leider trifft es vor allem wieder die Schwächsten der Gesellschaft am meisten: Junge Menschen – und gerade junge Menschen mit problematischen Familiensituationen. Was es jetzt braucht, sind klare Strukturen für junge Menschen“, erläutert Manuela Nemesch, Geschäftsfeldleiterin von pro mente Jugend.

Jugendliche ohne Ausbildung und Arbeit haben es besonders schwer

Schwer haben es auch Jugendliche, die zu den sogenannten NEETs zählen, sprich junge Menschen, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und sich nicht in Kursmaßnahmen befinden. „Vorab sei angemerkt, dass es den NEET-Jugendlichen beziehungsweise die NEET-Jugendliche nicht gibt. Die NEET-Jugendlichen sind eine heterogene Gruppe, ein Teil von ihnen weist ein hohes Ausgrenzungsrisiko auf. Etwa 8.200 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 24 Jahren befanden sich in Oberösterreich vor der Corona-Pandemie in einem NEET-Status. Davon waren ca. 1.000 sechs Monate oder länger arbeitslos und mindestens weitere 1.200 hatten eine (dauerhafte) Erkrankung, die eine Teilhabe am Arbeitsmarkt, im Bildungssystem oder an einer Trainingsmaßnahme erschwerte“, berichtet Johann Bacher, Abteilungsleiter Empirische Sozialforschung der Johannes Kepler Universität (JKU) und Vorstandsmitglied von pro mente OÖ. Vor allem bei Jugendlichen, die mindestens sechs Monate arbeitslos sind oder dauerhafte psychische Beeinträchtigungen haben, bestehe nicht nur ein hohes Armuts-, sondern auch ein Ausgrenzungsrisiko. Derzeit sind noch keine Zahlen verfügbar, jedoch wird ein Anstieg der NEET-Jugendlichen vermutet. Festhalten lässt sich, dass die Langzeitarbeitslosigkeit (mindestens ein Jahr Arbeitslosigkeit, Anm.) bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestiegen ist. Selbiges trifft auf Arbeitslosigkeit ab drei Monaten im Vergleich zum Vorjahr zu.

Langzeitfolgen der Pandemie

Die Folgen der Pandemie könnten noch Jahre später sichtbar sein, befürchtet pro mente OÖ. „Welche Langzeitfolgen uns die Pandemie bringt, lässt sich nur erahnen. Wir rechnen aber mit einem Anstieg der psychischen Erkrankungen. Ich denke, wir müssen nun Strukturen schaffen beziehungsweise ausbauen, um Betroffene rechtzeitig und professionell unterstützen zu können“, sagt Yazdi. pro mente OÖ setzt selbst Angebote wie Beratung, Freizeitaktivitäten oder Informationsveranstaltungen. Am 23. März wird etwa die Online-Jugendtagung des Instituts Suchtprävention „Beschränkte Jugend!? - Jugendliche Lebenslagen, Bedürfnisse und Perspektiven in Krisenzeiten“ durchgeführt.

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