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Leben mit Persönlicher Assistenz – wenn nicht alles selbstverständlich ist

Tips LogoNicole Dirnberger, 05.04.2022 12:00

LINZ. Man nimmt vieles für selbstverständlich hin: aufstehen, Zähne putzen, auf die Toilette gehen, sich anziehen. Für manche sind aber genau diese Dinge nicht selbstverständlich – eine davon ist Isabelle Ocenasek.

Die Persönliche Assistenz ermöglicht Isabelle Ocenasek ein selbstständiges Leben und Arbeiten. Foto: privat

Isabelle kam in der 29. Schwangerschaftswoche und wog 860 Gramm. Im Gegensatz zu ihrer Zwillingsschwester hat Isabelle nun eine spastische Tetraparese und ist auf persönliche Assistenz angewiesen. Bei einer spastischen Tetraparese handelt es sich um eine spastische Lähmung aller vier Extremitäten – also der Arme und Beine. Zusätzlich sind auch die Hals- und Rumpfmuskulatur betroffen, was zu einer gestörten Rumpf- und Kopfkontrolle führt. Um dennoch das Leben selbstständig führen zu können, hat Isabelle sowohl in der Freizeit als auch in der Arbeit Persönliche Assistenz.

Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz

„Die Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz bekommst du nur dann, wenn du Pflegestufe 3 hast und fähig bist, die Persönliche Assistenz anzuleiten. Sie darf allerdings nicht dein Gehirn ersetzen“, erzählt die Niederneukirchnerin, die in Linz arbeitet, über die Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz und ergänzt: „Sie darf wirklich nur die Dinge für dich erledigen, die du aufgrund deiner Beeinträchtigung nicht kannst. Das kann sein: Ordner runterheben, Transfer auf das WC, Arbeitswege.“ Finanziert wird die Persönliche Assistenz von der Miteinander GmbH. Weder der Betroffene, noch der Arbeitgeber, haben hier etwas zu bezahlen. Hingegen bei der Persönlichen Assistenz in der Freizeit zahlt man – je nach Modell – einen Selbstbehalt, der sich nach dem Einkommen und dem Pflegegeld richtet.

Selbstständig leben

„Persönliche Assistenz in der Freizeit ist dafür da, um selbstständige Lebensführung zu gewährleisten.“ Dass Isabelle Ocenasek eine Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz hat, stört sie nicht: „Es ist die Erleichterung. Wenn ich die nicht hätte, könnte ich nicht über den ersten Arbeitsmarkt arbeiten.“

Isabelle will arbeiten

Überhaupt einen Arbeitgeber zu finden, der damit kein Problem hat, dass eine Persönliche Assistenz mit dabei ist, war für Isabelle dennoch nicht leicht. Deswegen sagt sie über ihre Arbeit bei der OÖ Gesundheitsholding: „Ich bin jedes Mal froh, wenn ich in dieses Gebäude reingehen darf, weil es war überhaupt schwer, dass ich ein Jobangebot am ersten Arbeitsmarkt bekomme.“

Zusammenarbeit läuft „tadellos“

Stefanie Wimmer, Büroleitung der OÖ Gesundheitsholding erzählt, wie es dazu kam, Isabelle Ocenasek einzustellen: „Sie hat bei uns Praktikum gemacht und hat uns da voll überzeugt, weil sie eine sehr offene Person ist und uns mit ihrem Humor schon gefesselt hat. Und ihre Lebensfreude, das hat uns sehr beeindruckt und sie war eine Unterstützung für uns. Und dann haben wir gesagt, wir haben ein bisschen ein Kontingent frei und wenn sie Lust hat, würde es uns freuen, wenn sie uns dauerhaft unterstützen würde.“

Die Zusammenarbeit läuft bisher problemlos: „Tadellos. Sie macht ihre Aufgaben super, sie fragt nach, wenn sie sich nicht auskennt, das funktioniert super.“ Würde Isabelle Ocenasek die Persönliche Assistenz nicht bekommen, hätte sie keine Möglichkeit arbeiten zu gehen, der Arbeitsweg alleine wäre ein Hindernis: „Weil ich aufgrund meiner Sehverarbeitungsstörung nicht mal erkennen, wenn es einen Randstein runtergeht.“

100 Personen derzeit auf der Warteliste in OÖ

Auch in der Freizeit hat Isabelle seit acht Jahren Persönliche Assistenz. Um überhaupt eine zu bekommen, musste sie zwei Jahre warten. Zwei Jahre Wartezeit bedeutete für sie zwei Jahre keinen Freizeitspaß, ohne dass nicht zumindest ein Elternteil in unmittelbarer Nähe mit dabei ist. Für eine 24-Jährige keine befriedigende Lösung.

Auf Nachfrage von Tips stellt Landesrat für Soziales, Integration und Jugend, Wolfgang Hattmannsdorfer, die aktuellen Zahlen der Warteliste zur Verfügung: Derzeit warten 100 Personen auf Persönliche Assistenz in der Freizeit in Oberösterreich. Zudem erklärt er, dass im Jahr 2022 zusätzliche Mittel für den Ausbau der Persönlichen Assistenz vorgesehen werden. Mit der Aufstockung der Mittel werden 15.000 Stunden pro Jahr zusätzlich im Bereich der persönlichen Assistenz ermöglicht. „Menschen mit Beeinträchtigungen möchten wir so gut wie möglich in ihren eigenen vier Wänden unterstützen. Daher stocken wir die Stunden für persönliche Assistenz in diesem Jahr massiv auf“, sagt Hattmannsdorfer. 


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