Geplante Cannabis-Legalisierung in Deutschland stößt in Oberösterreich auf Ablehnung
OÖ/BERLIN. Die deutsche Bundesregierung plant eine Teil-Legalisierung von Cannabis. Für Oberösterreichs Gesundheits-Landesrätin, LH-Stellvertreterin Christine Haberlander und Jugend-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (beide ÖVP) ein klares No-Go. Auch Kurosch Yazdi-Zorn, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin und Leitung Klinikzentrum Psychiatrie, sieht die deutschen Pläne kritisch.

In Deutschland sollen der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis und der Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen künftig straffrei sein. Zudem soll der Anbau und die Abgabe in speziellen Vereinen möglich sein, so die Pläne, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurden.
„Je verfügbarer Droge, umso mehr wird sie konsumiert“
Kurosch Yazdi-Zorn, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin, sieht dies kritisch. Mit diesem Schritt würde eine neue legale Droge geschaffen werden, deren Gefährlichkeit über dem Nikotin liegt: „Das Bild aus Sicht der Wissenschaft und auch der klinischen Praxis ist ein klares: Was wir bisher beobachten ist, dass Länder, die Cannabis legalisiert haben, vor enormen Herausforderungen stehen, denn klar ist: Ohne die Konsumenten kriminalisieren zu wollen, ist es jedoch so, dass je verfügbarer eine Droge ist, desto mehr diese auch konsumiert wird“, so der Mediziner.
Cannabis sei nachweislich eine psychoaktive Substanz, die sowohl kurzfristige als auch langfristige gesundheitliche Auswirkungen habe. „Der Konsum von Cannabis kann zu Abhängigkeit, kognitiven Beeinträchtigungen, psychischen Erkrankungen und gesundheitlichen Komplikationen führen. Die Legalisierung von Cannabis würde den Zugang zu dieser Substanz erleichtern, zu einem Anstieg des Konsums führen. Auch Jugendliche und junge Erwachsene würden trotz Verbot deutlich mehr konsumieren, weil die Verfügbarkeit in der Gesellschaft eine erhöhte ist – wie Erfahrungen aus anderen Ländern eindeutig zeigen“, ist Yazdi-Zorn überzeugt.
Klare Ablehnung von Haberlander und Hattmannsdorfer
Von politischer Seite gibt es in Oberöstereich zu solchen Überlegungen eine klare Absage von Gesundheits-Landesrätin Haberlander und Jugend-Landesrat Hattmannsdorfer. „In unserem Bundesland gibt es ein klares Bekenntnis zum Kampf gegen Drogen. Wir müssen unsere Kinder und Jugendlichen vor Drogen schützen, anstatt Suchtmittel zu erlauben“, so Haberlander. Hattmanndorfer: „Eine Legalisierung von Cannabis ist verantwortungslos und wird es mit uns in Österreich nicht geben. Cannabis gilt als Einstiegsdroge, die den Weg zu härteren Drogen und Abhängigkeit öffnet, das werden wir zum Schutz unserer Kinder und Jugendlichen nicht zulassen.“
Klares Nein auch von der FPÖ
Auch die FPÖ Oberösterreich zeigt kein Verständnis für die Pläne der deutschen Nachbarn: „Zu Recht warnen der UN-Drogenkontrollrat und Kinder- und Jugendärzte. Die Erfahrungen mit Alkohol zeigen, dass es für Jugendliche kein Problem ist, an Suchtgifte zu kommen. Das wird auch mit Cannabis der Fall sein. Tatsache ist, dass der erste Joint oft in den Teufelskreis führt und Haschisch die klassische Einstiegsdroge ist“, so Landesparteisekretär Michael Gruber, der auch auf die steigende Zahl von Drogenlenkern im Straßenverkehr verweist. “2022 wurden in unserem Bundesland 1.800 Drogenlenker aus dem Verkehr gezogen. Das ist eine Vervierfachung in den letzten fünf Jahren.“
Sein Parteikollege, der Linzer Gesundheits-Stadtrat Michael Raml, ergänzt: „Die Legalisierung der Einstiegsdroge Cannabis würde die Suchtpräventionsarbeit konterkarieren.“ Von der Polizei erwarte er, „eine engmaschige Kontrolle an der Grenze zu Bayern, um potenzielle Einfallstore erst gar nicht zu öffnen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden