Oberösterreich trauert um Altbischof Maximilian Aichern
OÖ/LINZ. Oberösterreich trauert um Altbischof Maximilian Aichern. Der Benediktiner, fast 24 Jahre lang Oberhirte der Diözese Linz, ist am 31. Jänner im 94. Lebensjahr im Domherrenhaus in Linz verstorben. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft würdigen ihn als großen Seelsorger, Brückenbauer, Mann des Dialogs, Vertreter des sozialen Gewissens und Vorreiter in pastoralen und kirchlichen Fragen.
Papst Johannes Paul II. ernannte Maximilian Aichern am 15. Dezember 1981 zum Bischof der Diözese Linz. Von 1982 bis 2005 war Aichern, gebürtiger Wiener und Benediktiner von St. Lambrecht, der Diözese Linz vorgestanden. Er hatte die Kirche als „Sozialbischof“ weit über Oberösterreichs Grenzen hinaus geprägt und war auch als emeritierter Bischof in der Diözese präsent.
Scheuer: „Er war ein Brückenbauer“
„Traurig, aber mit großer Dankbarkeit blicke ich auf das Wirken von Bischof Maximilian Aichern, der unsere Diözese mit seinem weiten Herzen, seiner Menschenfreundlichkeit und seinem tiefen Glauben geprägt hat. Er war ein Brückenbauer, der stets den Dialog suchte – in der Kirche ebenso wie in der Gesellschaft. Seine geistige Strahlkraft und sein unerschütterliches Vertrauen in eine gute Zukunft bleiben uns Vermächtnis und Auftrag. Und dennoch: Er wird uns allen sehr fehlen. Gott schenke ihm den Himmel“, lädt Bischof Manfred Scheuer ein zum Gebet für Bischof Maximilian.
Stelzer: „Sein Leben war Dienst am Menschen“
Die Spitzen der oö. Politik sprechen den Angehörigen, den Mitbrüdern im Orden, den Gläubigen der Diözese Linz sowie allen Menschen, die Aichern verbunden waren, tief empfundenes Beileid aus.
Für Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) war Altbischof Maximilian Aichern „eine moralische und geistige Säule unseres Landes. Sein unermüdliches Eintreten für soziale Gerechtigkeit, die Würde jeder einzelnen Person und den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft bleiben Vorbild und Auftrag für uns alle. Sein Leben war mehr als ein Amt – es war ein Dienst an den Menschen. Mit seinem tiefen Glauben und seinem offenen Herzen hat er vielen Mut gemacht. Wir verlieren einen großen Seelsorger und einen bedeutenden Vertreter des sozialen Gewissens in Österreich.“
Altbischof Aichern erhielt unter anderem 1992 das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, 2005 das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes OÖ und 2008 den Erwin-Wenzl- Ehrenpreis für sein Lebenswerk.
Haimbuchner: „Nachhaltig Spuren hinterlassen“
Mit Betroffenheit reagiert auch FPÖ-Landesparteiobmann LH-Stv. Manfred Haimbuchner auf die Nachricht vom Ableben von Altbischof Aichern. „Er stand für ein Christentum, das Verantwortung übernimmt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Sein Leitspruch ‚In caritate servire – in Liebe dienen‘ war nicht nur theologisches Programm, sondern gelebte Haltung“, betont Haimbuchner. „Altbischof Aichern hat in seiner Zeit wichtige Impulse für soziale Gerechtigkeit, Solidarität mit Benachteiligten und den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft gesetzt. Sein Einsatz für Arbeitslose, für den freien Sonntag sowie sein Wirken als Brückenbauer über konfessionelle und gesellschaftliche Grenzen hinweg hätten nachhaltige Spuren hinterlassen.“
Winkler: „Inspirierende Persönlichkeit“
SPÖ-Landesparteivorsitzender, Landesrat Martin Winkler zeigt sich sehr dankbar, dass er Altbischof Maximilian Aichern persönlich kennenlernen durfte. „Er war eine inspirierende Persönlichkeit des Glaubens in Oberösterreich und ein Mensch mit einer tiefen sozialen Ader und einem offenen Ohr für jene, die oft übersehen werden. Sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und die Würde jedes Einzelnen hat weit über die Kirche hinausgewirkt und bleibt ein Vorbild für unser gesellschaftliches Zusammenleben.“
Kaineder: „War ein Verbinder“
Für Landesrat Stefan Kaineder, Landessprecher der Grünen, war Maximilian Aichern „ein Verbinder, der stets das Gemeinsame vor das Trennende gestellt hat. Sein Engagement für den sozialen Zusammenhalt hat Oberösterreich nachhaltig geprägt. Sein Wirken war auch noch weit über seine Zeit als Bischof hinaus spürbar. Uns verlässt eine große Persönlichkeit, die tiefe Spuren hinterlässt.“
Prammer: „Moralische Instanz und wichtiger Ansprechpartner“
Mit großer Trauer reagiert auch die Stadt Linz auf das Ableben von Aichern, auch Ehrenbürger der Stadt Linz. „Altbischof Maximilian Aichern war eine prägende Persönlichkeit für unsere Stadt. Er hat Linz mit seiner Haltung des Dialogs, der Menschlichkeit und der Verantwortung nachhaltig beeinflusst. Sein Wirken reichte weit über die Kirche hinaus und war stets von Respekt, Besonnenheit und einem tiefen sozialen Verständnis getragen“, würdigt Bürgermeister Dietmar Prammer den Verstorbenen. „Sein Einsatz für Dialog, soziale Gerechtigkeit, Frieden und ein respektvolles Miteinander machte ihn zu einer moralischen Instanz und zu einem wichtigen Ansprechpartner für Politik, Zivilgesellschaft und viele Linzer.“
Caritas OÖ gedenkt in Dankbarkeit und Hochachtung
Caritas OÖ-Direktor Stefan Pimmingstorfer würdigte Aichern als Bischof, „der nicht nur mit Worten, sondern mit seinem ganzen Leben bezeugte, wofür die Kirche steht: für Nächstenliebe, Gerechtigkeit und den Dienst an den Menschen. Maximilian Aichern war ein ‚Sozialbischof‘ im besten Sinn – weit über die Grenzen Oberösterreichs hinaus. Er war eine Stimme für die, die oft keine haben: für Arbeitslose, Obdachlose oder für Flüchtlinge. Ein besonderes Herz hatte er auch für Kinder und für alle Menschen, die auf Solidarität angewiesen sind. Er hat nicht nur gesprochen, sondern gehandelt – beherzt und verbindend. Sein Lebensstil war schlicht, sein Dienst stets von der Frage geleitet: Was braucht der Mensch – und was braucht unsere Gesellschaft, um menschlicher zu werden? Hier wirkte ein Mensch, der sich nicht scheute, Verantwortung zu übernehmen und der selbst mit anpackte, wenn Hilfe gebraucht wurde. Altbischof Aichern war uns ein geistlicher Wegweiser und ein menschliches Vorbild. Sein Wirken bleibt für mich und die Caritas Auftrag und Ermutigung zugleich.“
Kirchliche Gebäude schwarz beflaggt
In den Morgenstunden des 31. Jänner 2026 verstarb Maximilian Aichern im 94. Lebensjahr. Bischof Manfred Scheuer, seine Haushälterin und Betreuerin Hildegard Rattan und sein Sekretär und Zeremoniär Thomas Hintersteiner beteten in seinen letzten Stunden mit ihm und für ihn. Maximilian Aichern hatte am 26. Dezember seinen 93. Geburtstag gefeiert. Am 17. Jänner 2026 hatte sich der Tag seiner Bischofsweihe im Linzer Mariendom zum 44. Mal gejährt.
Die große Glocke des Mariendoms lud mit15-minütigem Läuten zum Gebet für den Verstorbenen ein. Als Zeichen der diözesanweiten Trauer haben in den oö. Pfarrgemeinden die Kirchenglocken für zehn Minuten geläutet. Alle kirchlichen Gebäude wurden schwarz beflaggt.
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