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OÖ/LINZ. Wenn Kinder heute zum Kinderarzt gebracht werden, geht es längst nicht mehr nur um Infekte oder Bauchweh. Schlafstörungen, Kurzsichtigkeit oder Rückenschmerzen gehören immer häufiger zum Praxisalltag.

  1 / 2   Im Grundschulalter gelten 30 bis 60 Minuten Freizeit-Bildschirmzeit pro Tag als Orientierung. Unter drei Jahren sollten Handy & Co vermieden werden. (Foto: Nuria/stock.adobe.com)

Die psychischen Auswirkungen der dauernden Nutzung digitaler Medien auf Kinder und Jugendliche werden häufig diskutiert. Die körperlichen Folgen geraten aber oft in den Hintergrund. Dabei bereiten diese Kinderärzten zunehmend Sorgen. Viele bedenken nicht, was das ständige Schauen auf das kleine „Kastl“ auch körperlich auslösen kann. „Viele Kinder und Jugendliche, die seit ihrer Geburt mit Bildschirmen in Kontakt sind, kommen jetzt mit Problemen zu uns. Diese Entwicklung beginnt zeitlich auffällig parallel zur breiten Nutzung von Smartphones und Social Media“, erläutert Primar Gerhard Nell, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.

Häufiges Sehen auf kurze Distanz hat Folgen

So klagen junge Patienten häufig über schlechten Schlaf oder trockene und juckende Augen als Folge des übermäßigen Bildschirmkonsums. Auch die Kurzsichtigkeit nehme durch das häufige Sehen auf kurze Distanz zu.

Körperhaltung leidet

Hinzu kommen Beschwerden des Bewegungsapparats. „Wer viel sitzt, bewegt sich weniger, und das kann langfristig Motorik, Fitness und Gewicht beeinflussen“, so Nell. Die Körperhaltung leidet. Der typische Blick nach unten aufs Handy beim Scrollen belastet Nacken und Rücken. „Auch Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu, was wir Experten zum Teil auch auf den erhöhten Medienkonsum zurückführen. Kinderärzte müssen vermehrt hellhörig sein, was genau hinter solchen Beschwerden stecken könnte“, so Nell. Und die ersten Probleme treten längst nicht mehr erst bei älteren Kindern oder im Teenageralter auf.

Erste Jahre entscheidend

Besonders kritisch sehen Experten den Einsatz digitaler Medien bereits im Säuglings- und Kleinkindalter. Immer häufiger würden Kinder schon im Kinderwagen oder Bettchen mit einem Tablet oder Smartphone in Berührung kommen. „Die Generation, die derzeit Eltern wird, ist schon ganz selbstverständlich mit Smartphones aufgewachsen. Da beobachten wir öfter, dass schon Säuglinge in ihren Bettchen mit einem Tablet beruhigt werden“, so Nell. „Das ist kein Vorwurf an die Eltern, sondern eine Beobachtung unseres Alltags.“ Die Aufgabe der Medizin und Pflege sei es deshalb auch, Eltern zu sensibilisieren und über mögliche Folgen aufzuklären.

Digital ist kein Ersatz

Die Empfehlung ist eindeutig: „Unter drei Jahren sollte Bildschirmnutzung vermieden werden, abgesehen von kurzen Ausnahmen zum Beispiel bei Videotelefonaten mit Familienangehörigen“, so Primar Nell. Gerade in den ersten Lebensjahren entwickle sich das Gehirn vor allem durch Blickkontakt, Sprache, Bewegung, Berührung und gemeinsames Erleben. Digitale Inhalte könnten diese Erfahrungen nicht ersetzen.

Im Grundschulalter gelten etwa 30 bis 60 Minuten Freizeit-Bildschirmzeit pro Tag als Orientierungswert.

Vier einfache Grundregeln

„Bildschirme können ergänzen, aber nicht ersetzen, was für eine gesunde Kindheit zentral ist“, so Nell.

Kinderärzte empfehlen Eltern vier einfache Leitlinien: nicht zu früh, nicht zu viel, nicht unbegleitet, nicht als Ersatz für Beziehung, Spiel und Schlaf.

Konkret bedeutet das: bildschirmfreie Zeiten und Orte schaffen, keine Geräte beim Essen oder vor dem Schlafengehen, Inhalte mit dem Kind gemeinsam auswählen und besprechen, klare Grenzen setzen und diese ruhig und verlässlich umsetzen. Eltern sollten auch ihre eigene Nutzung reflektieren und mit gutem Beispiel vorangehen.

Für eine gesunde Entwicklung sind Bewegung und Spiel im Freien, direkte Beziehungen und Gespräche, Vorlesen und gemeinsame Aktivitäten, ausreichend Schlaf sowie Zeiten ohne permanente Reize und digitale Ablenkung nötig. Entscheidend ist die Balance – natürlich auch für die mentale Gesundheit.

Mentale Gesundheit im Fokus

Wie Jugendliche mentale Gesundheit selbst gestalten können, zeigte die zweite Jugendgesundheitskonferenz im Rahmen der Initiative „Mental Genial“. Mehr als 1.600 Jugendliche aus Oberösterreich haben heuer in 62 Projekten Ideen zur Stärkung ihrer psychischen Gesundheit entwickelt. Dabei beschäftigen sich viele Gruppen auch mit bewusstem Medienkonsum und Smartphone-Pausen – etwa unter Projekttiteln wie „Less screen. More life!“, „Handyexperiment – 21 Tage ohne Handy“ oder „Offline für besseren Schlaf“. Die Abschlussveranstaltung fand im Neuen Rathaus Linz statt. Vertreter von Land OÖ und Stadt Linz betonen die Bedeutung von Prävention.

Mehr Infos: praevention.at


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