Neues Zentrum für Entwicklungsmedizin in Linz gibt Kindern die Chance „gesehen zu werden und ihre Potenziale zu entfalten“
LINZ. „Ich freue mich vor allem für die Familien und für die Kinder, die hier eine Heimat finden dürfen und sollen“, so Primar Johannes Hofer, Leiter des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie der Barmherzigen Brüder Linz. Gemeint ist das neue Zentrum für Entwicklungsmedizin und Autismusfrühintervention, für das nun der Spatenstich gesetzt wurde. Einen Eindruck von der „Arbeit mit vollem Herzblut“ am Institut verschaffte sich auch „First Volunteer“ Doris Schmidauer.

„Ich freue mich darüber, dass hier eine Möglichkeit entsteht, die über das Gebäude hinausgeht“, sagt Hofer. Familien, deren Kinder anders seien, als es gesellschaftlichen Vorstellungen entspreche, bekommen hier die Chance, „gesehen zu werden und ihre Potenziale zu entfalten“. Hofer leitet das Institut für Sinnes- und Sprachneurologie seit 2025 mit ebensolchem Enthusiasmus wie sein Vorgänger Primar em. Johannes Fellinger, der das renommierte Institut mit Weitblick aufgebaut hatte.
Mitten im Linzer Zentrum
In der Herrenstraße 25 gegenüber dem Mariendom entsteht das neue Zentrum für Entwicklungsmedizin und Autismusfrühintervention. Die Diagnostik, Therapie und Frühintervention bei Entwicklungs-, Sprach- und Kommunikationsstörungen bekommt damit noch mehr Raum. Der Bedarf ist groß: Neuronale Entwicklungsstörungen betreffen rund 15 Prozent aller Kinder, Autismus-Spektrum-Störungen etwa zwei Prozent. „Kinder mit Entwicklungsstörungen brauchen frühzeitig die richtige Unterstützung. Und Familien brauchen Klarheit, Orientierung und verlässliche Begleitung. Je früher wir hinschauen, desto früher können wir unterstützen“, so Hubert Eisl, Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder Linz.
„Internationale Strahlkraft“
Auch Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) unterstreicht beim Spatenstich: „Diese Investition beschäftigt sich mit der Zukunft der Jüngsten in unserer Gesellschaft. Und diese Investition ist auch eine Anerkennung der hohen Kompetenz, die hier bei den Barmherzigen Brüdern geschaffen wurde und so viel Gutes bewirkt.“ Seine Stellvertreterin Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) betont ihre Freude über das neuen Zentrum, „das Familien Halt bieten kann, wo wir Versorgung und Vorsorge zusammenbringen und auch den engagierten Mitarbeitern die bestmöglichen Rahmenbedingungen bieten können.“ Die Expertise, die Primar Fellinger und Primar Hofer aufgebaut haben, „hat internationale Strahlkraft.“
16,9 Millionen Euro Investition
Der Neubau umfasst 2.135 Quadratmeter und schafft auch die Voraussetzung für eine Erweiterung der bisherigen Kapazitäten. Mehr Kinder und Jugendliche können dort künftig von einem multiprofessionellen Team begleitet werden. Rund 16,9 Millionen Euro werden investiert, 90 Prozent der Kosten übernimmt das Land OÖ, zehn Prozent sowie die Kosten für die Tiefgarage tragen die Barmherzigen Brüder. Die Inbetriebnahme ist für September 2028 geplant.
Schmidauer: „Da geht einem selbst das Herz auf“
Wie die wichtige Arbeit am Institut in der Praxis aussieht, erlebte unabhängig vom tags darauf gesetzten Spatenstich Österreichs „First Lady“ oder – wie sie sich selbst lieber bezeichnet – „First Volunteer“ Doris Schmidauer. Auf Einladung von Univ. Prof. Fellinger besuchte sie das Institut sowie die Gehörlosenambulanz (Gesundheitszentrum für Gehörlose) mit dem angeschlossenen Café Gutmut in der Bischofstraße.
„Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Oberösterreich kann sehr stolz sein auf diese Pionierleistung. Und man trifft hier so viele engagierte Menschen, die ihre Arbeit mit vollem Herzblut machen. Da geht einem selbst das Herz auf“, zeigte sich Schmidauer im Gespräch mit Tips sichtlich beeindruckt und berührt.
„Gefühl, nicht alleine zu sein“
Besonders im Austausch mit Eltern erfuhr sie aus erster Hand, wie wichtig eine kompetente Anlaufstelle und Unterstützung nicht nur für betroffene Kinder, sondern für die gesamte Familie ist – und wie gut diese sich aufgehoben fühlen: „Sie haben hier eine Anlaufstelle, wo interdisziplinär zusammengearbeitet wird, wo man nicht zu X Stellen laufen muss. Es ist ganz wichtig für Betroffene, auch das Gefühl zu haben, nicht alleine zu sein“, so Schmidauer.
Genau darin liege auch die Grundidee des Instituts, erklärt Fellinger: „Wir müssen uns zu den Betroffenen und Eltern hinbewegen, rasche und treffsichere Dienste bündeln, denn das Leben für die Eltern von betroffenen Kindern ist so schon anstrengend genug.“
Für Schmidauer sind das in dieser Art österreichweit einzigartige Institut sowie die Gehörlosenambulanz als Teil des Gesundheitszentrums für Gehörlose „ein großes Vorbild“. „Denn jeder Mensch kann seine Potenziale und Talente entfachen, wenn man entsprechend fördert. Und jeder Mensch ist ein wichtiger Teil in unserer Gesellschaft.“
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