Insolvenzen gingen weiter zurück – Trendumkehr wird erwartet

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 21.09.2021 10:02 Uhr

Ö/OÖ. Weiter rückläufig waren sowohl die Firmeninsolvenzen als auch die Privatinsolvenzen in Österreich und in Oberösterreich vom ersten bis dritten Quartal 2021 im Vorjahresvergleich. Allerdings sieht der Gläubigerschutzverband Creditreform eine kommende Trendumkehr. 

Österreichweit ist die Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen vom ersten bis dritten Quartal 2021 um 29,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter zurückgegangen. 1.840 Firmen-Insolvenzen gab es in den ersten drei Quartalen 2021.

Laut Analyse des Gläubigerschutzverbandes Creditreform zeige sich aber, dass dieser Trend der letzten eineinhalb Jahre allmählich zu Ende gehen könnte. Im dritten Quartal sind die Insolvenzzahlen wieder angestiegen. Gab es im ersten Halbjahr 2021 noch einen Rückgang von 36,5 Prozent, waren es im dritten Quartal nur mehr um 20 Prozent weniger eröffnete Verfahren.

Auslaufende Stundungen

Einen Grund dafür sieht der Gläubigerschutzverband im Auslaufen der Stundungen durch die GKK und Finanzämter. „Aufgrund der verlängerten Hilfsmaßnahmen sind die Firmeninsolvenzen von einem historischen Tief zum nächsten gesunken. Jetzt zeigt sich, dass Österreichs Konjunktur sich nach dem starken Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie vor allem im dritten Quartal wieder sehr rasch erholt hat. Mit der Wiedereinsetzung der Insolvenzantragspflicht und der Beendigung der Stundungen kehrt man zur Normalität zurück und das führt auch wieder zu mehr Insolvenzen als in den Monaten zuvor“, so Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform. Die Insolvenzursachen würden generell in Managementfehlern, im Wettbewerb sowie im Mangel an Kapital und damit konkret in Problemen bei der Rückzahlung der gestundeten Abgaben und Steuern liegen.

Stärkster Rückgang im Tourismus

Am stärksten gingen die Insolvenzen laut dem Verband im Tourismus („Beherbergungs- und Gaststättenwesen“) mit einem Minus von über 40 Prozent zurück, gefolgt von der Industrie („Sachgütererzeugung“) mit minus 38,1 Prozent und dem Kredit- und Versicherungswesen mit minus 28,4 Prozent. Die größte relative Insolvenzbetroffenheit herrschte im Bau mit je 16 und im Transportwesen mit je 15 von 1.000 Branchenunternehmen.

142 Firmeninsolvenzen in Oberösterreich

Österreichweit mussten 5 von 1.000 Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Den stärksten Rückgang an Firmeninsolvenzen verzeichnete Vorarlberg (30 Insolvenzen, minus 50,0 Prozent, 1,8 von 1.000), die meisten Insolvenzen gab es in Wien mit 9,4 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen, dennoch ein Minus von 14,4 Prozent. In Oberösterreich gab es mit 142 Insolvenzen einen Rückgang von 43,2 Prozent, 2,6 von 1.000 Unternehmen wurden insolvent.

Nach Bezirken gab es den stärksten Rückgang in Steyr-Land, in den ersten drei Quartalen gab es hier nur eine Insolvenz, nach zwölf im Vorjahres-Vergleichszeitraum. Das bedeutet einen Rückgang von 91,7 Prozent. Im Bezirk Braunau gab es zwei Insolvenzen, nach elf, ein Rückgang von 81,8 Prozent. Ein Anstieg musste in den Bezirken Eferding (fünf 2021, zwei 2020) und Freistadt (vier 2021, eine 2020) sowie Urfahr-Umgebung (fünf 2021, vier 2020) verzeichnet werden.

Insolvenzen werden wieder auf übliche Zahl steigen

Die verlängerten staatlichen Hilfsmaßnahmen würden die Insolvenzen weiter einbremsen und viele Unternehmen durch die herausfordernde Corona-Zeit tragen, heißt es von Creditreform. „Man merkt aber, dass es bei weitem nicht mehr alle Unternehmen schaffen und die Probleme, die diese vor der Pandemie hatten, nicht mehr durch billiges Geld und staatliche Hilfen übertünchen können“, so Weinhofer. Sobald die Corona-Unterstützungen beendet seien, würden die Insolvenzen langsam aber stetig wieder auf das in den letzten Jahren übliche Maß von rund 5.000 Verfahren im Jahr ansteigen.

Weinhofer verweist hier auch auf eine Analyse von Walter Schwaiger von der TU Wien für Creditreform, wonach derzeit rund 2.500 Unternehmen zusätzlich insolvenzgefährdet wären, wenn die Corona-Hilfsmaßnahmen wegfallen würden.

Aber nicht nur Corona verursacht Probleme, auch etwa die angestiegene Inflation und der Fachkräftemangel könnten die Löhne ansteigen lassen, was wiederum einigen Unternehmen Probleme bereiten könnte, so Weinhofer. So rechnete Creditreform für das laufende Jahr mit einer etwas geringeren Zahl an Firmeninsolvenzen als im ersten Corona-Krisenjahr 2020, konkret mit rund 3.000 Verfahren. „2022 könnte allerdings eine Entwicklung mit steigenden Firmeninsolvenzen nehmen“, so Weinhofer.

Privatinsolvenzen auf 15-jährigem Tiefststand

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Privatkonkursen in Österreich. Im ersten bis dritten Quartal 2021 ist die Gesamtzahl der Privatinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Zahlen von Creditreform um rund 13 Prozent auf 5.174 Verfahren weiter zurückgegangen - ein 15-jähriger Tiefststand. Weinhofer erklärt dies so: „Die Konsumfreude war aufgrund der Lockdowns, der Kurzarbeit und der generellen Sorge um den Arbeitsplatz stark gehemmt. Das führte zu einem Ansteigen der Sparquote. Diese Gründe sowie eine unerwartet schnelle und stärkere Erholung der Wirtschaft im dritten Quartal führten zu einem Rückgang der Privatinsolvenzen auf ein historisches Tief.“ Den Rückgang führt Creditreform ebenfalls auf diverse staatliche Hilfsmaßnahmen wie Stundungen von Kreditrückzahlungen und Mieten zurück, vor allem auch auf die Eindämmung der Arbeitslosigkeit durch Corona-Kurzarbeit.

Hauptursachen für Privatinsolvenz seien der Verlust des Arbeitsplatzes, gescheiterte Selbständigkeit sowie allgemein sorgloser Umgang mit Geld.

Oberösterreich und die Bezirke

Im Bundesländervergleich gibt es in Salzburg mit minus 37,1 Prozent den stärksten Rückgang, das Burgenland hingegen verzeichnet ein Plus von 7,4 Prozent. Österreichweit im Schnitt wurden 8 von 10.000 Erwachsenen im ersten bis dritten Quartal 2021 insolvent.

Sieht man sich das Bundesland Oberösterreich an: Hier wurde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang von 11,5 Prozent bei den Privatinsolvenzen verzeichnet, 674 Verfahren gab es vom ersten bis zum dritten Quartal 2021, nach 762 im ersten bis dritten Quartal im Vorjahr – sechs von 10.000 Erwachsenen in Oberösterreich mussten Insolvenz anmelden.

Den größten Rückgang gab es im Bezirk Ried (minus 50 Prozent, 13 in den ersten drei Quartalen 2021, 26 in den ersten drei Quartalen 2020). Zuwächse gab es in den Bezirken Braunau, Eferding, Grieskirchen, Perg, Steyr-Land und Vöcklabruck.

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