Dagmar Engl: "Ich will einfordern, was den Frauen schlicht und ergreifend zusteht"
OÖ. Am 8. März ist internationaler Frauentag. Diesen Tag nimmt Frauensprecherin der Grünen, Dagmar Engl, zum Anlass um drei konkrete Dinge zu fordern: „Ich will einfordern, was Frauen schlicht und ergreifend zusteht“, so Engl.

Auch Dagmar Engl betont, dass wir derzeit in schwierigen Zeiten leben. „Trotz alldem müssen wir uns mit den frauenpolitischen Themen beschäftigen, weil es sein muss“. Durch das stetige Aufrütteln habe man zwar schon viel erreicht dennoch reicht Oberösterreichs Frauenpolitik nur für einen mageren Mittelplatz, wenn nicht in Richtung Schlusslicht, so Engl. In der heutigen Frauenpolitik herrsche ein altes Denken das den zeitgemäßen Rollen entgegensteht. Deswegen, so Dagmar Engl, fordere sie die Beseitigung von mindestens drei Hürden.
Frauen tragen Hauptlast der Familie
„Es sind die Frauen, die die Hauptlast der Familien tragen“. Eine flächendeckend ausgebaute Kinderbetreuung ist der Schlüssel, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Im Umkehrschluss verhindert ein mangelhaftes Kinderbetreuungsangebot nicht nur Job- und Aufstiegschancen sowie Karriereaussichten, sondern auch finanzielle Unabhängigkeit und ein entsprechendes Pensions-Einkommen der Frauen.
Genau hier hat Oberösterreich ein massives und auch bereits wohlbekanntes Problem. Das Land hinkt beim Ausbau der Kindergärten und Krabbelstuben nach. Beim Betreuungsangebot für Drei-bis sechsjährige und Unter-dreijährige ist Oberösterreich sogar bundesweites Schlusslicht. Laut Kindertagesheimstatistik 2020/21 konnten nur 4,6 Prozent der Unter-Dreijährigen und 23,1 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen einen vollzeittauglichen, bedarfsgerechten Betreuungsplatz in Anspruch nehmen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen hat sich das mangelnde Angebot gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres sogar noch einmal verschlechtert. „Jedes Kind muss, so fordere ich, bei Bedarf einen Kindergartenplatz bekommen“, fordert Engl.
Frauen an die Spitze – auch in der Wirtschafts- und Arbeitswelt
Das mangelhafte Angebot an Krabbelstuben und Kindergärten hat ein Bündel an markanten Folgen im Schlepptau. Die Frauen bleiben zu Hause, arbeiten maximal Teilzeit und dies in Sektoren mit bekannt magerer Entlohnung wie Pflege, Handel und in frauentypischen Dienstleistungsbereichen. Damit klaffen Gehalts- und in weiterer Folge Pensionsschere weiter auseinander, Karriereaussichten oder -ambitionen werden aufgeschoben oder zerplatzen. Frauen dürfen sich aufgrund der mangelnden Betreuung anhören: „'Pensionsanspruch Sie haben ja nicht gearbeitet.''
„Ich bin jedes Mal erschüttert, wenn man sich ansieht, wie der Frauenanteil in der Wirtschaft ist“, sagt Engl über die Situation der Frauen in der Wirtschaft. Außerdem verweist sie auf den Equal Pay Day, der aufzeigt, welche Ungleichheit noch immer herrscht. „Bis zum 5. März haben die Oberösterreicherinnen gratis gearbeitet.“
Oberösterreich nimmt unrühmliche Position ein
Auch hier nimmt Oberösterreich eine unrühmliche Position ein. In kaum einem anderen Bundesland sind Gehalts- und Pensionsschere größer als in Oberösterreich. Der Equal Pay Day ist jener Tag, ab dem Frauen quasi gratis arbeiten. In Oberösterreich war dieser 2021 auf den 6. Oktober gefallen.
Deutlich auch das Bild bei den Beschäftigungsverhältnissen: 53,1 Prozent der im Jahr 2020 in Oberösterreich erwerbstätigen Frauen waren teilzeitbeschäftigt, bei den Männern waren es lediglich 10,7 Prozent.
Ein Blick auf den Anteil der weiblichen Führungskräfte in heimischen Unternehmen rundet das Bild ab. Der Gleichstellungsbericht des Landes OÖ weist dafür interessanterweise keine Daten aus. Daher sei für einen bundesweiten Gesamteindruck auf den „Frauen Management Report 2021“ der AK verwiesen. Demnach waren in den an der Wiener Börse notierten Unternehmen im Jänner 2021 lediglich 17 von 225 Vorstandspositionen mit Frauen besetzt. In den 200 umsatzstärksten Unternehmen des Landes lag der Geschäftsführerinnenanteil bei ebenfalls mageren neun Prozent. In den 20 Unternehmen des ATX waren es zu diesem Zeitpunkt überhaupt nur rund sieben Prozent Frauen in den Vorständen: Damit bildet Österreich im europäischen Vergleich gemeinsam mit Luxemburg (4,2 %) das Schlusslicht und rangiert deutlich unter dem EU-Schnitt. „Der Eu-Schnitt wäre 20 Prozent auch das ist natürlich noch zu wenig“, erklärt Engl. „Wir brauchen die Frauen in diesem Land schlichtweg“, sagt sie abschließend zu dieser Forderung.
Mehr Frauen an den Bürgermeistersessel
„Ich fordere mehr Frauen an den Bürgermeistersessel anstatt an den Herd“, lautet die letzte Forderung von Engl. Die kommunalpolitische Ebene sei männerdominiert, deswegen sei auch das Handeln männerdominiert. Die weibliche Präsenz, so Engl, sei beschämend. „Wir brauchen mehr weibliche politische Vorstellungskraft“, so Engl abschließend.


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