„Zruck ins echte Leben“: Land, Tourismus und Gastro locken zurück an den Wirtshaustisch
OÖ/LINZ. Zwei Jahre lang mussten die Gastronomie, Hotellerie und auch der Veranstaltungsbereich mit zahlreichen Einschränkungen leben – oder waren überhaupt geschlossen und nicht möglich. Mit einer neuen Initiative vermitteln Land OÖ, Wirtschaftskammer OÖ und der OÖ Tourismus Lebensfreude und wollen die Leute „Zruck ins echte Leben“ locken. Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) kündigt zudem eine neue Förderung für die heimische Kinobranche an.

Auch wenn die Pandemie nicht vorbei ist, die Branche blickt optimistisch in die Zukunft. „Jetzt geht es darum, die Oberösterreicher zu motivieren, wieder unbeschwerte und genussvolle Stunden in der Gastro zu verbringen“, so Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Achleitner. In vielen Bereichen sei noch eine gewisse Schwellenangst spürbar, dem „Gewöhnung-Effekt“ dass zu Hause statt im Lokal gefeiert wird, müsse man entgegentreten.
Also „runter von der Couch“, so Achleitner. Unter dem Motto „Zruck ins echte Leben, zruck in die Gastro“ will die gemeinsame Initiative von Land OÖ, der Wirtschaftskammer OÖ und dem OÖ Tourismus den Leuten wieder Lust machen, zur Einkehr ins Wirtshaus, ins Restaurant und in andere Gastro-Betriebe.
Nachholeffekte erwartet
6.048 Mitglieder hat die Wirtschaftskammer-Fachgruppe der Oö. Gastronomie in OÖ, mehr als vor Corona 2019 mit 6.006 Mitgliedern, so der Fachgruppenobmann der Sparte Gastronomie in der oö. Wirtschaftskammer, Thomas Mayr-Stockinger. Natürlich hätten Betriebe in der Corona-Zeit auch aufgehört, speziell am Land, andere seien neu entstanden. Wie auch in Vor-Coronazeiten liege die Fluktuation bei üblichen 10 bis 15 Prozent. „Aber gerade beim klassischen Wirtshaus im Ort müssen wir etwas tun“, so Mayr-Stockinger.
„Es ist davon auszugehen, dass Nachholeffekte kommen, wenn Förderungen wegfallen, aber nicht mehr als das“, so auch Achleitner. „Es wird zu einer Bereinigung kommen, das gehört aber zum Wirtschaftsraum dazu.“
Förderungen für Investitionen genutzt
Viele Betriebe hätten in der Corona-Zeit genutzt, um zu investierten und attraktiveren, so Achleitner. Vom Land OÖ wurden im Rahmen der Nahversorgerförderung 98 Projekte von Gastrobetrieben und Konditoreien mit einem Gesamtvolumen von 11,4 Millionen Euro mit gesamt 1,1 Millionen Euro gefördert.
Neue Förderung für Kino-Projekte in OÖ
Unterstützen will das Land OÖ auch die gebeutelte Kino-Branche in OÖ. Im Rahmen der Förderung für innovative Tourismus-Projekte gibt es eine eigene Ausschreibung für Investitionen von Kinobetreibern in OÖ. Gefördert werden Investitionen in neue Technik, Bestuhlung und Ausstattung, Besucherbereiche und Foyers, Digitalisierungsmaßnahmen, Kassen- und Ticketing-Systeme, Barrierefreiheit sowie ressourcenschonende Energie- und Lichtsysteme. Gefördert werden 20 Prozent der Investitionssumme, mindestens 30.000 Euro, maximal 100.000 Euro. Beantragt werden kann die Förderung ab 15. März.
Unsicherheiten beim Flugtourismus
Auch in der Hotellerie wird nach der Aufhebung der Covid-Beschränkungen aufgeatmet. Nachholbedarf gebe es noch im Städtetourismus, bei Veranstaltungen. Noch verhalten sei der Seminar-Tourismus aus dem Ausland, wobei sich hier technische Aufrüstung bemerkbar gemacht hätte, so Gerold Royda, Fachgruppenobmann der oö. Hotellerie. Aber auch im Seminar-Tourismus sieht er positive Signale. Auch schlecht gebuchte Bereiche wie Gruppenreisen würden wieder anlaufen.
Was nachhaltig noch zwei, drei Jahre bleiben werde, sei Zurückhaltung beim Flugtourismus, auch jetzt angesichts des Ukraine-Krieges, erläutert OÖ Tourismus-Geschäftsführer Andreas Winkelhofer. „Erdgebundene Urlaube, die mit Öffis und Auto erreichbar sind, werden stärker bleiben. Für Oberösterreich ist hier der österreichische und deutsche Markt wichtig, auch Tschechien, wir versprechen uns auch viel von den Niederlanden.“
Kulinarischer Jahresreigen
Eine Maßnahme, das Gäste aus dem In- und Ausland anziehen soll, ist die Kulinarik-Strategie für Oberösterreich, getragen von Tourismus, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe. „Die Gastronomie ist ein Gesamtkunstwerk, wo unterschiedliche Bereiche zusammenhängen, es geht auch darum, zusammenzuarbeiten und zu profitieren“, ist Winkelhofer überzeugt.
Im Jahr 2022 steht die Kulinarik im Kommunikationsschwerpunkt, „wir wollen diese Stärke mit Nächtigungsangeboten verbinden, uns so auch neue Gäste ansprechen.“
Als Beispiele nennt Winkelhofer Leit-Veranstaltungen und Initiativen in ganz Oberösterreich: das FELIX Wirtshausfestival in der Region Traunsee-Almtal, den Innviertler Biermärz, das neue Genussfestival „Tavolata 2022“ in Steyr und der Nationalpark Region im Juni, die Initiative „Mühlviertler Hoch.Genuss“, den „Genuss-Ziaga“ in Linz, die „Voi Guad Region Wels“ und den Genussherbst 2022 in der Region Attersee-Attergau.
Lehrlinge gesucht
Der Arbeitskräftebedarf sei so wie in allen Branchen auch im Tourismus enorm. „Im Lehrlingsbereich hat sich einiges getan, wir haben Berufsbilder aktualisiert, versuchen junge Menschen in die Branche zu bringen. Ohne Mitarbeiter kann Angebot nicht abgedeckt werden“, so Royda, auch Ausbildungsreferent für den Berufsnachwuchs in Gastronomie und Hotellerie. Er verweist auf das ausgezeichnete Abschneiden von Tourismus-Lehrlingen bei nationalen und internationalen Wettbewerben.
Von 2019 bis 2021 ist die Anzahl der Lehrlinge in Gastro und Hotellerie von 1.149 auf 1.006 gesunken.


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