OÖ Seilbahnen setzen auf Nachhaltigkeit
HINTERSTODER/OÖ. Nach zwei schwierigen Jahren blicken die OÖ Seilbahnbetreiber in ihrer Fachtagung in Hinterstoder in die Zukunft. Laut Helmut Holzinger, Obmann der OÖ Seilbahnen und Vorstandsdirektor der Hinterstoder-Wurzeralm Bergbahnen AG, werde ein Fokus der Branche auf der Nachhaltigkeit liegen.

„Die vergangenen zwei Jahre haben von allen Menschen – und Unternehmen – viel abverlangt. Unsere Betriebe waren für viele sehr wertvoll, haben wir doch allen ermöglicht, einfach und bequem in unsere herrliche Bergwelt zu gelangen und so ein paar entspannte Stunden abseits des oft anstrengenden Alltags zu erleben“, so Helmut Holzinger. Die Bedeutung der Seilbahnen habe sich besonders in dieser Krisenzeit weiter verstärkt. „Wir sind nicht nur wichtige Leitbetriebe für den heimischen Tourismus und zentrales Element einer enormen Wertschöpfung, wir sind auch eine Schlüsselbranche zum Wohlbefinden der Menschen. Denn viele haben erkannt, dass ein Bergerlebnis der Psyche gut tut und der Gesundheit dient“, betont der Obmann der OÖ Seilbahnen.
Blick in die Zukunft
Entsprechend der Klimaziele und der generellen Ausrichtung der Wirtschaft mache es laut Holzinger Sinn, auch die Seilbahnbetriebe an den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit auszurichten. „Viele Branchenunternehmen agieren bereits zu 100 Prozent klimaneutral mit Strom aus Wasserkraft und dem Einsatz weiterer alternativer Energiequellen wie beispielsweise Photovoltaik-Anlagen. Als regionale Leitbetriebe liegt es an uns, den Fokus der Nachhaltigkeit auch gemeinsam mit Partnerbetrieben zu erweitern und umzusetzen – schlussendlich muss der gesamte Tourismus einbezogen werden“, so Helmut Holzinger.
Wasserstoffantrieb und regionale Köstlichkeiten
Von punktuellen innovativen Projekten bis hin zu regionalen Initiativen gibt es bereits viel Herzeigbares in den Regionen. So wurde im Rahmen des FIS Ski-Weltcups 2020 in Hinterstoder der Lynx HySnow vorgestellt. Dabei handelt es sich um den ersten wasserstoffbetriebenen Ski-Doo, ein Forschungsprojekt von Rotax gemeinsam mit dem Wasserstoffspezialisten HyCentA Research. Der emissionsfreie und geräuschlose Antrieb soll in weiterer Folge auch auf Quads eingesetzt werden, die im Sommer-Seilbahnbetrieb stehen. Immer mehr Nachhaltigkeit hält auch Einzug in die Gastronomie der Regionen – so werden vielerorts hauptsächlich regionale Lebensmittel angeboten – wie das Alpenvorlandrind, Wild und andere Spezialitäten aus der Region.
(Ski-)tourismus neu denken
Laut Holzinger gehe es darum, sowohl im Sommer als auch im Winter das touristische Angebot im Sinne der Nachhaltigkeit neu zu denken. „Betrachtet man den klimatischen Fußabdruck jedes Urlaubes, so wird ersichtlich, dass bei der An- und Abreise die größte CO2 Belastung anfällt. Das bedeutet: für Tagestouristen muss die öffentliche Anreise verbessert werden, bei Übernachtungsgästen verbessert ein längerer Aufenthalt die CO2 Bilanz“, sagt Holzinger.
Die CO2 Bilanz gliedert sich in etwa 66 Prozent Anreise, 30 Prozent Hotel und Gastronomie und vier Prozent Lift und Beschneiung. So fallen etwa bei Tagesgästen bei der Anreise mit dem Auto rund 125kg CO2 an. Auch hier gibt es bereits Initiativen, wie etwa den Pyhrn-Priel-Snowexpress, den ÖBB-Urlaubsexpress oder Kooperationen mit dem OÖ Verkehrsverbund oder den Busshuttle für Schüler und Jugendliche in den Ferien und am Wochenende von und nach Steyr.
Pistengehen
In vielen Skigebieten habe sich in den vergangenen Jahren aber ein neuer Trend gezeigt. Immer mehr Gäste nutzten die Pisten nicht nur zum Runterfahren, sondern stiegen mit Tourenski die Pisten hinauf. „Dieser Trend wird sich weiter verstärken und verlangt von uns Seilbahnbetrieben auch einiges an Investitionen und neue Regeln“, betont Holzinger. Es geht um Aufstiegsspuren für Pistengeher, notwendiger Infrastruktur wie Toiletten und Parkplätzen sowie um die Festlegung von Regeln für die Benutzung der Pisten. „Wir reden hier bereits von einer großen Anzahl an Pistengehern, in manchen Gebieten bereits 20 Prozent der Gäste. Dieser Trend wird uns auch weiter begleiten und wir müssen unser Angebot – wenn möglich – verbessern“, betont der Obmann der Fachgruppe Seilbahnen.
Skifahrerzahlen sinken
„In Österreich liegt das Skifahren in unseren 'Genen'. Damit das aber so bleibt, müssen wir alles daran setzen, diesen herrlichen Sport – in welcher Ausprägung auch immer – vor allem jungen Menschen niederschwellig zugänglich zu machen“, gibt sich Holzinger überzeugt. Das Wegfallen der Schulskikurse in den vergangenen Pandemiejahren habe diese Bemühungen stark zurückgeworfen. „Aber ich bin mir sicher, dass es uns allen gemeinsam – Land, Seilbahnbetriebe, Schulen, Tourismus – gelingen wird, dass Österreich weiterhin ein Land der Skifahrerinnen und Skifahrer bleibt.“
Klimafreundliche Schneeerzeugung
Für Skigebiete ist besonders die Erzeugung von Kunstschnee wichtig. Aufgrund der technischen Entwicklungen habe sich hier aber in den letzten Jahren sehr viel getan. Schneilanzen und Schneekanonen seien sehr effizient und umweltfreundlich geworden. „Wir rechnen pro Person und Tag derzeit mit einem Energieeinsatz von 16kWh (ein Tesla braucht für 100 km rd. 18kWh). Den dafür notwendigen Strom beziehen wir zu 100 Prozent aus Wasserkraft und durch die maschinelle Beschneiung wird die Wasser- Bodenfeuchte im gesamten Schi- und Almgebiet deutlich verbessert“, so Holzinger.


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