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OÖ/LINZ. Integrations-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) lässt von Soziologen und Berater Kenan Güngör die in Oberösterreich angebotenen Deutschkurse für Flüchtlinge analysieren. Eine Bedarfsanalyse und Evaluierung der Deutschlernstrukturen wird gestartet, die Ergebnisse sollen im ersten Quartal 2023 vorliegen. Oberösterreich sei gefordert, die Angebote so zu gestalten, dass sie verfügbar, attraktiv und erreichbar seien.

  1 / 2   Integrations-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer und Soziologe Kenan Güngör (Foto: Land OÖ/Denise Stinglmayr)

„Meine zentrale Leitlinie war immer Integration durch Deutsch, weil ich überzeugt bin, dass dadurch Integration gelingt. Auch am Arbeitsmarkt, und dass Deutsch ein Schutzschirm vor Parallelgesellschaften ist. Und wer sich bemüht, soll auch die Möglichkeit zum wirtschaftlichen Aufstieg haben“, so Landesrat Hattmannsdorfer.

Wenn man das Erlernen der Deutschen Sprache als Leitlinie habe, müsse die Aufnahmegesellschaft aber auch das zielgruppengerechte Angebot dazu stellen. Daher werde man sich in Oberösterreich die bestehenden Angebote genau ansehen und diese weiterentwickeln.

Handlungsbedarf besteht

Gründe, diese Studie jetzt in Auftrag zu geben, nennt Hattmannsdorfer folgende: Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Oberösterreich nimmt zu, die Anzahl der Teilnehmenden an vom Land OÖ finanzierten Sprachförderpaketen nehme aber ab. 203.941 Personen mit Migrationshintergrund leben laut Statistik Austria mit Stand 2021 in Oberösterreich. Zudem hat sich die Zahl jener, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, von 2006 bis 2021 auf zwölf Prozent verdoppelt.

Weiterer Grund sind auch Empfehlungen des Landesrechnungshofes, der im März 2021 einen Bericht zur Integration vorgelegt hatte. Zentraler Kritikpunkt war die fehlende Messbarkeit der Wirkung von Maßnahmen und Förderungen.

„Frage der Chancengleichheit“

Kenan Güngör, der auch beim OÖ Integrationsleitbild federführend mitwirkte und mit seinem Unternehmen (think.difference) die Studie durchführt, ergänzt, dass zwar ein größerer Teil der Zugewanderten gute Deutschkenntnisse habe, Teilgruppen aber wiederum nicht. Bei der Evaluation solle also auch genau erhoben werden, warum das so ist und woran es scheitert, bzw. wie gezielt Deutschkenntnisse verbessert werden können. „Das ist auch eine Frage der Chancengleichheit und Teilhabe“, so der Soziologe.

Fehler nicht wiederholen

Hattmannsdorfer und Güngör wollen „Fehler, die vor 30 Jahren gemacht worden sind“, nicht wiederholen. „Damals hat man gedacht, dass die Leute zurück in ihre Heimat gehen. Sie sind aber geblieben“, so Güngör. Bis heute gebe es das Thema der „nachholenden Integration“. Er fragt sich, wie gut die Angebote auch auf verschiedene Zielgruppen ausgerichtet sind – „das bringt oft doppelte Frustrationen, wenn zum Beispiel Akademiker und jemand mit Grundalphabetisierung im selben Kurs sind. Der eine will schnelleres Tempo, dem anderen geht es viel zu schnell.“

Dezentraleres Kursangebot

Als großen Erfolg sieht Hattmannsdorfer die niederschwelligen „Hallo in OÖ-Kurse“, die als Pilotprojekt für die angekommenen Ukraine-Geflüchteten ausgerollt wurden. Diese finden auch sehr dezentral statt. Hier wolle man jetzt prüfen, ob dieses Angebot auch für andere Zielgruppen passend sei.

Ohne den Ergebnissen der Studie vorgreifen zu wollen, glauben Hattmannsdorfer wie auch Güngör, dass das generelle Deutsch-Angebot für Geflüchtete dezentraler werden müsse. Im Gespräch mit Flüchtlingen aus Syrien in einer Flüchtlingsunterkunft im Mühlviertel etwa habe der Landesrat gehört, dass die jungen Männer einmal pro Woche für zwei Stunden einen Sprachkurs in Linz absolvieren.

Oberösterreich gefordert

„Wir müssen die Zeit viel besser nutzen, damit wird man der Verpflichtung als Aufnahmegesellschaft nicht gerecht“, so Hattmannsdorfer. Oberösterreich sei gefordert, die Angebote so zu gestalten, dass sie verfügbar, attraktiv und erreichbar seien. „Es bringt nichts, einem Flüchtling in Hallstatt zu sagen, dass er Deutsch lernen soll, der nächste Kurs aber in Wels ist.“ Wenn das Angebot und die Anreize entsprechend da seien, könne man aber auch über eine Verpflichtung zum Deutschkurs sprechen, so der Landesrat.

Ergebnisse im ersten Quartal 2023

Den Beginn der Studie macht eine kritische Ist-Analyse des bestehenden Angebots. Die Angebotsstruktur wird erfasst, aber auch mit Kursanbietern und Lehrenden gesprochen, sowie mit Teilnehmern. Für Güngör genauso wichtig: Jene zu erreichen, die keine Deutschkurse besuchen.

Die Ergebnisse der Studie sollen im ersten Quartal 2023 vorliegen. In einem nächsten Schritt sollen konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Verbesserung erarbeitet werden.

 


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