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Tips Logo Online Redaktion, 19.09.2022 16:33

OÖ. Eine Blitzumfrage unter 80 Betrieben – Großunternehmen wie auch Klein- und Mittelbetriebe – der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) ergab: Die Hälfte der Unternehmen ist bereits voll von den rasant gestiegenen Energiepreisen betroffen, ein Viertel der Betriebe kann einen Stopp der Produktion in den nächsten Monaten nicht ausschließen. 

Rund ein Viertel der Befragten kann einen Produktionsstop nicht ausschließen (Symbolfoto). (Foto: nuttawutnuy/stock.adobe.com)

Die IV OÖ fordert in einer Aussendung rasche Entlastungsmaßnahmen seitens der Bundesregierung, sie befürchtetet den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.

Energiepreise als größtes Problem

Der größte Problemdruck betrifft aktuell die enorm gestiegenen Energiepreise. Energieintensive Branchen sind besonders betroffen, so die Metall-, Kunststoff-, Papier-, Nahrungsmittel-, Baustoff- oder Chemieindustrie. Aber auch andere Branchen wie der Maschinen- und Anlagenbau sind über die massiv gestiegenen Vormaterialkosten ihrer Lieferanten unter Druck. Hinzu kommen Lieferkettenprobleme und hohe Transportkosten, hier habe sich die Lage in den letzten Monaten aber etwas beruhigt. Deutlich zu spüren sei „die schlechter werdende wirtschaftliche Stimmungslage“, es komme zu Verschiebungen und Stornierungen von Investitionsprojekten auf Firmen- wie auch auf Konsumentenebene.

IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit: „Wegen der überdurchschnittlich hohen Energiepreise in Österreich im weltweiten und sogar im europäischen Vergleich kommt die Wettbewerbsfähigkeit der auf globalen Märkten tätigen OÖ. Industrie gravierend unter die Räder“. 

Kein kostendeckender Betrieb möglich bei einem Viertel

Der Anteil der Energiekosten an den Gesamtkosten von Unternehmen ist grundsätzlich je nach Branche unterschiedlich – laut Blitzumfrage reicht die Bandbreite von weniger als einem Prozent bis zu 25 Prozent. Der Anstieg der Energiekosten wird sich im nächsten Jahr noch verschärfen, da momentan etwa die Hälfte der befragten Betriebe von abgesicherten Preisen oder laufenden Verträgen profitieren, diese aber bei der Mehrheit mit Jahresende auslaufen. Einige Betriebe haben noch für die nächsten zwei bis drei Jahre gesicherte Energiepreise – unterschiedlich für Gas und Strom. 

Etwa ein Viertel der teilnehmenden Betriebe kann die Kosten an die Kunden vollständig weitergeben, 60 Prozent teilweise und 15 Prozent gar nicht. Bereits jetzt ist bei etwa einem Viertel der Unternehmen ein kostendeckender Betrieb nicht mehr möglich, die Gewinnmargen gehen bei den meisten rasant zurück.

Drohende Produktionsstops

Etwa die Hälfte der Betriebe hat bereits jetzt die Produktion teilweise eingeschränkt oder plant diese bei Fortsetzung des aktuellen Kostenniveaus der Energiepreise in den nächsten Monaten, auch weil eine deutlich zurückgehende Nachfrage erwartet wird. Auch eine verlängerte Weihnachtspause wird schon jetzt in Erwägung gezogen. Ein Viertel der an der Blitzumfrage teilnehmenden Betriebe kann sogar einen Komplettstop der Produktion in den kommenden Monaten nicht ausschließen.

Maßnahmen auf EU- und nationaler Ebene gefordert

Die IV fordert die Adaptierung der Merit Order, die Entkoppelung von Strom- und Gaspreis oder ein Modell zur Eindämmung der Gaspreise auf europäischer Ebene. Auf nationaler Ebene müsse die Bundesregierung handeln und Energiekostenzuschüsse und Strompreiskompensationen für Betriebe in ausreichender Höhe und Zeitdauer beschließen. „Der Zeitdruck ist enorm“, so Haindl-Grutsch. „Sollten Einschränkungen und Stillstände der Produktionen eintreten, muss auch das Thema Kurzarbeit als Instrument der Überbrückung wieder zur Anwendung kommen.“

Kritik an Energiepolitik der Vergangenheit

Die Energiepolitik der letzten Jahrzehnte kritisiert die IV OÖ: Die Stromproduktion aus Wasserkraft sei Österreichs zentraler Standortvorteil, der (Aus)-bau und die Modernisierung ebendieser sei „ im großen Stil verhindert und verzögert“ worden. Anstelle „von Energieautarkie zu träumen“, müsse mit die Energiepolitik neue Wege der internationalen Zusammenarbeit einschlagen. Den zusätzlichen Bedarf an CO2-neutralem Strom, Wasserstoff und E-Fuels für Industrie und Mobilität könne Österreich nur über umfassende internationale Kooperationen mit Ländern mit favorablen Rahmenbedingungen für grüne Energie decken. 

„Die aktuelle Zeitenwende macht eine realitätsnahe, technologiegetriebene und umsetzungsstarke Energiepolitik Österreichs erforderlich. Die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes und damit der Wohlstand unseres Landes hängen davon ab“, so Haindl-Grutsch.


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