Stelzers Land der Möglichkeiten: "Bin gegen eine Politik der Verbote"
OÖ/LINZ. Auch heuer wieder lud Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) zu seiner Vordenk-Veranstaltung „Land der Möglichkeiten“. 600 Gäste aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft folgten am Freitag der Einladung ins Musiktheater Linz, wo auch vier Impulsgeber über den Tellerrand blickten. „Wir wollen das Land der Möglichkeiten sein. In Wirtschaftskraft und Lebensqualität“, so Stelzer.

Unter dem Motto „Gemeinsam voran. Gemeinsam für Oberösterreich“ fand die Veranstaltung in diesem Jahr statt. Stelzer legte dabei dar, wohin sich Oberösterreich entwickeln solle.
Die zentrale Frage ist laut Stelzer aktuell, was man tun müsse, damit Oberösterreich attraktiv ist und bleibt. „Wenn wir von großen Zielen für unser Land reden, dann heißt das für mich besonders, dass wir die Wirtschaftskraft, die Arbeitsplatzsicherheit und das perspektivenreiche Leben für so viele in die nächsten Jahre hinein sichern und entwickeln. Als einer der saubersten, modernsten, lebenswertesten Industrie-, Produktions- und Arbeitsplatzstandorte Europas und der Welt.“
Qualifizierter Zuzug
Um dieses Ziel zu erreichen, müsse man alles daran setzen, dass die Wirtschaft Arbeitskräfte findet. Dabei gehe es auch um gesteuerten Zuzug qualifizierter neuer Mitarbeiter: „Hier müssen wir besser werden und gezielter vorgehen. Wir brauchen hier auch mehr Vereinbarungen mit möglichen Herkunftsländern und es muss auch die Rot-Weiß-Rot-Karte weiter verbessert und vereinfacht werden“, so Stelzer. Auch brauche es mehr Anreize, Vollzeit zu arbeiten. Und das Arbeiten in der Pension müsse sich auszahlen. „Wer bereit ist, mehr zu leisten, muss unsere Unterstützung und Anerkennung erhalten.“
Stelzer ist „dagegen, dass Oberösterreich ein Land der Verbote wird. Nach Corona-Jahren mit all den Einschränkungen müssen Verbote die Ausnahme bleiben.“
Beim Thema Kinderbetreuung sollen die Öffnungszeiten weiter ausgebaut, die Gruppengrößen gesenkt werden. „Bildung ist der zentrale Punkt“, so Stelzer. „Gemeinsam mit den Gemeinden, die vor Ort einen klaren Blick auf den Bedarf haben, gehen wir diesen Weg und wollen unser Ziel erreichen: Oberösterreich soll zum Kinderland Nummer 1 werden“, ist Stelzer überzeugt.
Aufstockung der Medizinstudienplätze und Aufbau der Digitaluniversität
Mit Blick auf das Gesundheitssystem drängt Stelzer auf eine schnelle Aufstockung der Medizinstudienplätze: „Es ist unverständlich, wenn jedes Jahr tausende Studieninteressierte vergeblich auf einen Studienplatz hoffen – und uns gleichzeitig die Ärzte ausgehen.“ Zudem müsse es noch besser gelingen, jene, die keinen Medizinstudienplatz erhalten, für einen Pflege- oder Gesundheitsberuf zu begeistern.
Die neue Digitaluniversität ist für den Landeshauptmann „dringend notwendig, damit wir und die nächste Generation das Zeitalter der Digitalisierung nicht nur erleben oder gar erleiden, sondern entscheidend mitgestalten.“ Zwar gibt der Landeshauptmann zu: „Wir gewinnen für den Start keinen Schönheitspreis“ - aber: „Ich vertraue den Beteiligten, dass sie um ihre große Verantwortung wissen und mit aller Kraft daran arbeiten, damit aus dem schwierigen Start ein strahlender Leuchtturm für unsere nächste Generation wird“, so Stelzer. Nach dem bereits präsentierten Ausbau des internationalen Bildungsangebotes in Oberösterreich, stehe ein weiterer großer Wurf mit der Chance auf eine neue Digitalisierungs-AHS unmittelbar bevor.
Klimaschutz: „Oberösterreich muss Wasserstoffreich sein und werden.“
„Es ist ein Kraftakt, das Klima zu schützen und international wettbewerbsfähig zu bleiben“, so Stelzer. Um bei der Forschung im Wasserstoffbereich in die Breite zu kommen, appelliert er, dass der Transformationsfonds, den die Bundesregierung dem Klimaministerium zur Verfügung gestellt hat, jetzt rasch in die Gänge kommen soll. „Oberösterreich muss Wasserstoffreich sein und werden. Und wir brauchen internationale Kontakte und Vereinbarungen, um uns die große Menge an grünen Wasserstoff zu sichern und um weder in diesem Fall und auch sonst nie mehr wieder in eine einseitige Abhängigkeit zu kommen“, so Stelzer weiter.
Dahingehend sei auch Technologieoffenheit wichtig, denn man müsse der Wissenschaft und den Unternehmen ermöglichen, dass sie in alle Richtungen forschen und entwickeln können. „Ich bin gegen eine Politik der Verbote und gegen ein technologisches Tunneldenken. Wir müssen offen sein für die besten Entwicklungen, die uns am effizientesten zum Ziel führen“, so Stelzer.
Impulsgeber blickten über den Tellerrand
Zu Gast waren auch vier Impulsgeber: Werner Zöchling, Teamentwickler im Profi-Fußball, Managementbionik-Autor Matthias Nöllke, Naturfilmerin und Moderatorin Birgit Peters sowie Segler und Photovoltaik-Entwickler Michael Puttinger.
Zöchling strich hervor, dass es wichtig ist, als Team gemeinsame Regeln zu erarbeiten, doch „die Regeln dürfen nicht nur auf Papier stehen, sondern müssen auch gelebt und verinnerlicht werden.“ Von der Natur zu lernen, regte Matthias Nöllke an. „Wir haben es gerade jetzt mit komplexen Problemen zu tun. Um diese Herausforderungen anzugehen, brauchen wir mehr Kooperation, denn am Ende zeigt sich: Wir alle sind Teil eines Superorganismus unseres Planeten.“
„Wir sind nicht nur Einzelpersonen, sondern immer Teil einer großen Gemeinschaft“, so Birgit Peters, die auf die südafrikanische Lebensphilosophie des „Ubunutu“ verwies. Auch in der Wirtschaft sei es wichtig, gemeinsam zu Entscheidungen zu kommen und gemeinsam zu wachsen, denn „wenn du schnell gehen willst, geh allein – wenn du aber weit gehen willst, geh gemeinsam“, strich Peters hervor.
Michael Puttinger appellierte, für die Erreichung von Zielen die Sehnsucht im Team zu wecken, aber immer auch offen zu bleiben: „Wenn man beim Erreichen von Zielen ständig in eine Richtung blickt, merkt man oft gar nicht, dass einem eine Strömung vom Kurs abbringt.“ Umso wichtiger sei es daher auch mal auf die Seite und nach hinten zu blicken: „Mit einem Blick zurück kann man korrigierend eingreifen, den Kurs anpassen und so wieder das Ziel erreichen.“


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