Schwindende Eisflächen: Schüler des BRG Enns unternahmen mit Landesrat Stefan Kaineder eine Exkursion zum Hallstätter Gletscher
ENNS. Gemeinsam mit 20 Schülern des BRG Enns begab sich Umwelt- und Klimalandesrat Stefan Kaineder auf eine Wandertour im hochalpinen Gelände vom Krippenstein aus über die Simonyhütte bis zum größten Gletscher der nördlichen Kalkalpen. Anlass dafür war ein gemeinsames Klima-Schulprojekt, in dessen Rahmen der immer schneller schwindende Gletscher betrachtet wurde.

Seit 17 Jahren finanzieren das Land Oberösterreich und die Energie AG das Messprogramm „Massenbilanz am oberösterreichischen Hallstätter Gletscher“. Um dieses zu präsentieren näherte sich Landesrat Stefan Kaineder in diesem Jahr gemeinsam mit 20 Schülern des BRG Enns besagtem Gletscher in einer zweitägigen Exkursion. Nach dem ersten Aufstieg ging es weiter von der Simonyhütte in Richtung der „Eisseen“ mit direktem Blick auf das schwitzende „ewige“ Eis. Der Meteorologe und Glaziologe Klaus Reingruber (BlueSky Wetteranalysen) ist Projektleiter des Messprogramms und begleitete die Exkursion ebenfalls. Er erklärte der Gruppe, dass der Hallstätter Gletscher seit 1856 rund die Hälfte seiner Fläche und mehr als drei Viertel seines Volumens verloren hat.
Bisher größter Massenverlust im Vorjahr
Deutlich verstärkt habe sich der Gletscherschwund seit der Jahrtausendwende; 2022 musste seit Messbeginn sogar der größte Massenverlust mit rund 6 Prozent seines Volumens sowie 6,3 Millionen Kubikmeter Nettoverlust an Wasser festgestellt werden. „Für ein gutes Gletscherjahr braucht es drei Elemente: viel Schneefall im Winter, ein milder Sommer und im besten Fall etwas Schneefälle auch im Sommer, die das Eis vor der Sonneneinstrahlung schützen können. Keines dieser drei Elemente hatten wir im vorigen Jahr. Für heuer sieht die Prognose bisher besser aus, da ein kühles Frühjahr mit viel Niederschlag eine große Schneedecke auf den Gletscher legen konnte“, legte Reingruber den Exkursionsteilnehmern dar.
Hallstätter Gletscher als Warnsignal
Klaus Reingruber und Kay Helfricht (Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) mussten den Schülern jedoch auch erklären, dass der jetzt noch weithin sichtbare Gletscher in wahrscheinlich 20 Jahren von der Simonyhütte und den Eisseen aus nicht mehr sichtbar sein wird. Sie vermuten, dass die gesamte Eisfläche spätestens zur Jahrhundertwende gänzlich weggeschmolzen sein wird.
„Wir sehen am Messprogramm am Hallstätter Gletscher in welch atemberaubenden Tempo sich die Klimakrise beschleunigt. Ein Klimarekord reiht sich um den anderen und unsere Ökosysteme kommen mehr und mehr unter Druck. Lange bleibt nun nicht mehr, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Klar ist auch schon, dass wir den Hallstätter Gletscher nicht mehr retten können, auch in den optimistischsten Klimaszenarien. Aber er ist Alarmsignal, dass wir hier schleunigst eine wirkungsvolle Klima- und Energiestrategie und eine Beschleunigung beim Ausbau erneuerbarer Energien brauchen“, so Kaineder zu diesen Erkenntnissen.
Einzigartiges Klima-Bildungsprojekt
Die Schüler des BRG Enns konnten die Exkursion für Interviews mit den Gletscherforschern, dem Hüttenwirt und seinem Team und mit den mitgereisten Medienvertretern nutzen. Zum Abschluss bedankte sich Landesrat Kaineder bei den Schülern und Lehrkräften für ihr großes Engagement und Interesse während der hochalpinen Exkursion und für die Umsetzung dieses einzigartigen Klima-Bildungsprojekts.
Mithilfe der Web-Anwendung „Apptauen“ (www.apptauen.at) können sich Interessierte selbst sehen, wie groß der Gletscher im Jahr 1856 war und wie er vermutlich um 2100 aussehen wird.Alle Infos zum Messprojekt sowie alle jährlichen Massenbilanzen können unter www.dachsteingletscher.info/ abgerufen werden .


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