Honigernte 2023: Schwieriges Jahr für heimische Imkerei
OÖ. Das Imkerjahr neigt sich dem Ende zu. Die Honigräume – großteils trocken und leer, teilweise mit Honig befüllt– werden nach Hause gebracht. Dort wird der eingetragene Honig geschleudert oder die leer gebliebenen Waben im Winterlager verschlossen. Die Honigernte 2023 liegt aufgrund der Witterungsverhältnisse deutlich unter dem Schnitt, dafür sei die Qualität aber gut.

„Oberösterreichs Bienenvölker entwickelten sich aufgrund der frühlingshaften Temperaturen sehr zeitig in diesem Frühjahr. Es folgten kühle Wochen, die eine besondere Aufmerksamkeit der Imker erforderte. Teilweise mussten Notfütterungen durchgeführt werden“, schildert Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger den holprigen Start in die heurige Honigsaison.
Die überwiegend kühle Witterung von März bis in den Mai hingegen wirkte auf die Entwicklung der Pflanzen leicht verzögernd. „Im Zusammenhang mit dem Obstbau sei erwähnt, dass die Obstbauern eine positive Entwicklung verzeichneten. Aktuell zeigt sich der Fruchtansatz sehr zufriedenstellend“, ergänzt Landwirtschaftskammer OÖ-Präsident Franz Waldenberger.
Wenig Honig, aber gute Qualität
In der oberösterreichischen Imkerschaft liegt Freud und Leid heuer sehr eng beieinander. „Die Honigernte 2023 ist heuer unterdurchschnittlich schlecht und für Erwerbsimkereibetriebe nicht kostendeckend. Während es bei Blütenhonig teilweise zu Totalausfällen kam, wurden bei Waldhonig regionale stark unterschiedliche Erträge verzeichnet“, weiß Wolfgang Pointecker, Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes.
„Die Rapsblüte startete bei zu niedrigen Temperaturen und später fehlte es am Nektarangebot. So blieb auch die Rapshonigernte weitestgehend ohne Ertrag. Regionale Unterschiede sind beim Waldhonig zu verzeichnen“, bestätigt auch Herbert Vitzthum, Präsident des OÖ Landesverbandes für Bienenzucht. „Generell liegt die Gesamternte des Honigs in diesem Jahr deutlich unter 50 Prozent des Durchschnittsjahres. Erfreulich ist jedoch, dass die Qualität des begrenzten Honigs sehr hoch ist.“
Nach der Saison ist vor der Saison
Der Honig wurde teilweise bereits geerntet und in den nächsten Wochen wird das Winterfutter verabreicht. „Nun stehen die weniger erfreulichen Aufgaben wie die Varroa-Milben-Behandlung an“, ergänzt Vitzthum. Die rechtzeitige Behandlung gegen die Varroamilbe ist ein wichtiger Beitrag zu einer gesunden Überwinterung der Bienenvölker. Nach der Ernte sollte zeitnah damit begonnen werden. Eine Reinfektion sollte tunlichst vermieden werden.
Zu regionalem Honig greifen
„Der Honigverkauf an Abfüllunternehmen ist völlig zum Erliegen gekommen und die Direktvermarktung ist stark rückläufig. Da es für Erwerbsimkereibetriebe keine Ausfallshaftung gibt, wird es für einige Betriebe heuer sehr eng“, befürchtet Pointecker fest. Er appelliert, zu regionalem Honig zu greifen, genauso wie Langer-Weninger: „Bei heimischem Honig handelt es sich um ein qualitativ hochwertiges und unverfälschtes Lebensmittel. Durch seinen Konsum gelangt der Honigliebhaber in einen Geschmacksgenuss, in dem sich die regionale Vielfalt unseres Landes aus Nektar, Pollen oder Honigtau wiederspiegelt.“
„Honig aus der Region unterstützt aber nicht nur die heimischen Imker sowie die Honigbiene, darüber hinaus ist er nachhaltig, verbessert die CO₂-Bilanz, sorgt für mehr Biodiversität und trägt wesentlich zur Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen bei. Dadurch steigert Honig die regionale Wertschöpfungskette“, so auch Waldenberger.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden