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Zukunftsforum Oberösterreich in Linz: Wie Oberösterreich als Standort wettbewerbsfähiger werden kann

Tips LogoKarin Seyringer, 09.04.2024 20:13

OÖ/LINZ. Mit dem Zukunftsforum Oberösterreich, das am Dienstag, 9. und Mittwoch, 10. April im Oberbank Donau-Forum in Linz – veranstaltet von der oö. Standortagentur Business Upper Austria - stattfindet, befasst sich Oberösterreichs Wirtschaft und Politik damit, wie Oberösterreich durch Innovation seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten kann. Zu Gast war am Dienstag auch Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher.

Beim Zukunftsforum OÖ 2024 in Linz, v.l.: Landesrat Markus Achleitner, Minister Martin Kocher, WK OÖ-Präsidentin Doris Hummer, AK OÖ-Präsident Andreas Stangl und IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch sowie Business Upper Austria-Geschäftsführer Werner Pamminger. (Foto: Cityfoto/Roland Pelzl)

Mehr als 50 Vortragende waren und sind an den zwei Tagen in Linz zu hören, im Mittelpunkt des diesjährigen Zukunftsforums steht die Frage, mit welchen Innovationen der Wandel des Industriestandortes OÖ aktiv gestaltet werden kann, um ihn wettbewerbsfähiger aufzustellen.

Veranstaltet wird das Zukunftsforum von Business Upper Austria mit den Partnern Wirtschaftskammer OÖ, Arbeiterkammer OÖ und der Industriellenvereinigung OÖ.

Kocher: „Wir müssen die Leute mitnehmen, Chancen aufzeigen“

Zu Gast war am Dienstag in Linz dazu auch Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher. „Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – wir müssen es schaffen, über alle verschiedenen Ebenen gut zusammenzuarbeiten“, so Kocher. Er verweist auf die im Herbst 2022 beschlossenen Klima- und Transformationsoffensive, mit der der Bund mit 5,7 Milliarden Euro unterstütze, „als eines der ersten Länder Europas, mit einem Budget von mehr als einem Prozent der Wirtschaftsleistung“.

Mit der Offensive setze sein Bereich, das Arbeits- und Wirtschaftsministerium, auf drei zentrale Säulen:

  • Forschungs- und Technologieentwicklungsförderung (Gesamtfördervolumen rund 300 Millionen Euro): Seit Anfang März 2023 wurden 167 Projekte mit einem Fördervolumen von 110 Millionen Euro zugesagt. Die genehmigten Anträge hebeln mehr als 240 weitere Millionen Euro an Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen in Unternehmen; „Oberösterreich liegt im Bundesländervergleich an erster Stelle. 42 Projekte in der Höhe von über 27 Millionen Euro wurden in Oberösterreich bewilligt“, so Kocher.
  • Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter: Hier fördert das Ministerium mit „Skills Schecks“ für Weiterbildung mit bis zu 5.000 Euro pro Person; bislang wurden etwa 2.500 Anträge genehmigt, rund 360 Schecks wurde in Oberösterreich ausgestellt. Vier Millionen Euro stehen für die nächste Ausschreibungsrunde zur Verfügung, Unternehmen haben ab 15. April die Möglichkeit zur Beantragung.
  • Standort- und Investitionsförderung (200 Millionen Euro), die ersten Projektgenehmigungen sollen im zweiten Quartal 2024 erfolgen.

Es brauche Transformation, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. „Wir müssen die Leute mitnehmen, Chancen aufzeigen und gleichzeitig darauf schauen, dass es zu keiner Überforderung von Wirtschaft und Arbeitnehmern gibt. Daher ist es wichtig, gemeinsam mit den Sozialpartnern und Standortpartnern solche Foren zu veranstalten“, so Kocher zum Zukunftsforum Oberösterreich. „Wir wollen langfristig den Wohlstand und Arbeitsplätze sichern.“

Achleitner: Zukunftsforum OÖ als „Marktplatz für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes OÖ“

„Als Europa, Österreich und Oberösterreich haben wir uns einen historischen Kraftakt vorgenommen. Wir wollen unser Wirtschaftssystem in den nächsten zwei Jahrzehnten vollkommen umbauen, in ein erneuerbares Energiezeitalter bringen, in eine Kreislaufwirtschaft“, so auch Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP).

Für Oberösterreich sei die ökologische Transformation Herausforderung und Chance zugleich. „Wir wollen die Chancen nutzen, etwa durch die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie durch eine nachhaltige Ausrichtung. Weiters bekommen unsere Ökotechunternehmen neue Marktchancen. Wir setzen daher auf Innovationen, um diesen Wandel aktiv mitzugestalten.“

Gerade aus der Sicht Oberösterreichs sei es aber auch entscheidend, dass die Energiewende sozial und wirtschaftlich verträglich gestaltet werde: „Unsere Betriebe dürfen nicht schlechter gestellt als in anderen Regionen der Welt werden, sonst wandern sie ab und wir verlieren Arbeitsplätze und damit Wohlstand. Das gilt insbesondere auch für Regelungen auf europäischer Ebene wie etwa das Lieferkettengesetz, das die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Betriebe massiv gefährdet“, kritisiert Achleitner.

Das Zukunftsforum OÖ sei ein „Marktplatz für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes OÖ“. „Technologieoffenheit ist die Grundlage, Transformationen braucht den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit am globalen Markt, wir müssen hier zurückfinden – das ist der Auftrag an die EU.“

Hummer: „Haben Fußfesseln angelegt“

Die Realität sei, dass die Exportnation Österreich an Wettbewerbsfähigkeit verloren habe, ein „unerträglicher Regulierungswahn“ habe der Wirtschaft Fußfesseln angelegt, so Wirtschaftskammer OÖ-Präsidentin Doris Hummer. „Wir müssen innovative, profitable Unternehmen haben, dazu braucht es Leistungsbereitschaft und zufriedene Mitarbeiter in ausreichender Zahl. Das können wir im Moment nicht so erfüllen, damit wir vorne dabei sind.“

Die Devise beim Thema Bürokratie müsse sein „Weniger ist mehr“, kritisiert auch sie unter anderem das EU-Lieferkettengesetz.

Vor allem habe Österreich Wettbewerbsfähigkeit bei der Kostenstruktur verloren, mit gestiegenen Lohnstückkosten. Und auch wenn es aktuell eine Delle im Arbeitsmarkt gebe, „das strukturelle Problem ist nicht gelöst, Österreich ist das Land mit dem größten Arbeitskräftemangel in Europa.“ Und weiter: „Wir begrüßen große Schritte bei der Kalten Progression, aber in anderen Bereichen müssen wir gemeinsam ein Standortreparaturprogramm schreiben, weil wir uns als Wirtschaftsvertreter große Sorgen machen.“

Stangl: Herausforderungen auch sozialer Natur

Arbeiterkammer OÖ-Präsident Andreas Stangl verweist darauf, dass die Herausforderungen nicht nur technischer, sondern auch sozialer Natur seien. Gute Arbeit, Arbeitsplatzsicherheit, Einkommen, von denen man gut leben kann sowie soziale Sicherheit und Gerechtigkeit bei allen Veränderungsprozessen stünden dabei für die Arbeitnehmer im Zentrum.

„Veränderung ist gemeinsam gestaltbar“, so Stangl. Sein Wunsch an Minister Kocher: Mehr Geld für die Arbeitsmarktpolitik, sein Wunsch an die Landesregierung: Weg mit Nachmittagsgebühren in Kindergärten, um ein weg aus der Teilzeit zu fördern, sowie leistbaren Wohnraum, damit die Jugend da bleiben und jene, die man aus dem Ausland hole, sich wohlfühlen.

Stangl verweist zudem auf den AK-Zukunftsfonds, mit dem Projekte gefördert werden, die die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der digitalen Welt verbessern.

Haindl-Grutsch: „Für Österreich gilt eine Grundregel: Wer sehr teuer ist, muss sehr gut sein“

„Die harte Währung ist die Wettbewerbsfähigkeit, diese gilt es zu verbessern“, weis auch Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung OÖ. Europa, einst weltweit führender Industriestandort, sehe sich heute damit konfrontiert, dass die Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Investitionen an die USA und Asien verloren gingen. Zudem habe der Industriestandort Österreich hat nicht nur global, sondern auch innerhalb Europas massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Wie auch Hummer kritisiert er „explodierende Arbeits- und Lohnstückkosten“ sowie „überbordende Bürokratie und Regulierungswut“.

„Für Österreich gilt eine Grundregel: Wer sehr teuer ist, muss sehr gut sein. Österreich ist sehr teuer geworden, daher brauchen wir genau diesen Anspruch, und nicht, in jedem Ranking 20ster zu sein“. Österreich müsse daher besser werden bei Forschung und Entwicklung, Qualifizierung, Investition und Transformation, gleichzeitig bei der Steuerquote herunterkommen.


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