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Ewigkeits-Chemikalie TFA in Trinkwasser: hohe Belastung in Oberösterreich nachgewiesen

Tips Logo Anna Fessler, 10.07.2024 11:31

OÖ/WIEN/BRÜSSEL. Ein EU-weiter Trinkwassertest von Global 2000 und Pan Europe hat die Ewigkeits-Chemikalie TFA in 94 Prozent der Proben nachgewiesen. Oberösterreich gehört zu jenen Bundesländern, in denen die Proben besonders stark belastet waren. Global 2000 fordert daher unter anderem den Verzicht auf Pestiziden in der Landwirtschaft. Laut Umweltschutzlandesrat Stefan Kaineder seien Maßnahmen gegen TFA im Trinkwasser zu begrüßen. (Update)

Ein EU-weiter Trinkwassertest hat die Chemikalie TFA in 94 Prozent der Proben gefunden. Welche Auswirkungen das auf die Gesundheit hat, ist unklar. (Foto: Brian Jackson/stock.adobe.com)
Ein EU-weiter Trinkwassertest hat die Chemikalie TFA in 94 Prozent der Proben gefunden. Welche Auswirkungen das auf die Gesundheit hat, ist unklar. (Foto: Brian Jackson/stock.adobe.com)

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 und PAN (Pesticide Action Network) Europe haben 55 Proben von Leitungswasser und Mineralwasser aus elf EU-Staaten untersucht. Gefunden haben sie in 34 von 36 europäischen Leitungswasserproben Die Ewigkeits-Chemikalie TFA.

Österreichische Leitungswasserproben fielen negativ auf

Die Österreichischen Leitungswasserproben seien laut Global 2000 unter den stärker belasteten Proben gewesen. „Ins Auge sticht besonders, dass die höchsten Belastungen bei diesem Stichprobentest genau in den Bundesländern gefunden wurden, wo die meisten landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen. Das sind Oberösterreich, Steiermark, Niederösterreich und das Burgenland, während Tirol, Wien, Vorarlberg, Kärnten und Salzburg die niedrigsten Werte aufweisen. Das stimmt mit den Ergebnissen des deutschen Umweltbundesamts überein, die PFAS-Pestizide als Hauptquelle für TFA im Wasser definierten“, sagt Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden von Global 2000. Die heimischen Bauern und Bäuerinnen wüssten meist gar nicht, dass sie Ewigkeits-Chemikalien auf die Felder sprühen, weil die Wirkstoffe auf den Produkten nicht dementsprechend gekennzeichnet seien.

Meist noch innerhalb der Grenzwerte

Die gute Nachricht sei, dass die TFA-Werte in den meisten Proben noch innerhalb der Grenzen lägen, die nach heutigem Wissensstand als sicher gelten. „Allerdings steigt die TFA-Belastung täglich, und der Sicherheitspuffer ist bereits sehr klein. Außerdem sind wir bereits durch andere PFAS übermäßig belastet. Es müssen daher sofort Maßnahmen ergriffen werden, um eine weitere TFA-Belastung zu verhindern“, fordert Burtscher-Schaden.

Petition gestartet

Global 2000 hat dazu eine Petition an die Landeshauptleute und die Bundesregierung gestartet. Darin fordert die Umweltschutzorganisation:

  • Ein sofortiges Verbot von PFAS-Pestiziden
  • Ein sofortiges Verbot von F-Gasen
  • Die Festlegung eines TFA-Grenzwertes für sicheres Trinkwasser
  • Die rasche Umsetzung des geplanten PFAS-Gruppenverbots auf EU-Ebene
  • Die Unterstützung der Bauern und Bäuerinnen beim Umstieg auf unbedenkliche Alternativen

Update: Umweltschutzlandesrat fordert Reduktion von Pestiziden und F-Gasen

Umweltschutz-Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) reagierte in einer Aussendung auf den Trinkwasser-Report. „Industriechemikalien wie PFAS werden zunehmend zu einer Bedrohung für unseren Wasserschatz. In Oberösterreich haben wir im Umwelt- und Wasserressort diese Herausforderung bereits angenommen. Neben der Aufklärungsarbeit wird auch auf Beprobungen und Untersuchungen gesetzt, um ein klares Bild von der Lage zu bekommen. Zudem sind unsere Expertinnen und Experten im permanenten Austausch mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder. Man nehme das Problem sehr ernst, auch er fordert einen Verzicht auf Pestizide mit TFA-Bildungspotential in der Landwirtschaft sowie eine Reduktion von F-Gasen. TFA sei auch als Abbauprodukt von fluorierten Kältemitteln (F-Gase) bekannt.


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