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HÖRSCHING/LINZ. Der Landesrechnungshof (LRH) stellt dem Flughafen Linz ein ernüchterndes Zeugnis aus. Die aktuelle Initiativprüfung zeigt, dass der Regionalflughafen seit Jahren wirtschaftlich ins Trudeln geraten ist – und dass entscheidende strategische Schritte viel zu spät gesetzt wurden. „Der kumulierte Verlust seit 2020 betrug rund 36,8 Millionen Euro“, fasste LRH-Direktor Rudolf Hoscher zusammen. Schon vor der Pandemie, im Jahr 2019, sei der Betrieb „nur noch knapp positiv“ gewesen.

Der Flughafen Linz steckt laut LRH-Bericht tiefer in der Krise, als bisher öffentlich bekannt war. (Foto: Volker Weihbold)

Besonders schwer wiegt, dass der Flughafen jene Rücklagen verbraucht hat, die eigentlich für die bevorstehende Sanierung der Start- und Landebahn vorgesehen waren. Rund 25 Millionen Euro wären dafür notwendig gewesen. Die Eigentümer – Land Oberösterreich und Stadt Linz – mussten im Juni kurzfristig 4,4 Millionen Euro zuschießen, weitere 3,6 Millionen sollen 2026 folgen. Ob diese Mittel beihilferechtlich überhaupt zulässig sind, ist jedoch offen.

Wie hoch der Kapitalbedarf bis 2035 insgesamt sein wird, lässt sich nicht sicher sagen. Der LRH hat dazu drei Szenarien erwarbeitet. Die Prognosen reichen von knapp 28 bis zu 45 Millionen Euro – und berücksichtigen weder die nun fix eingestellte Verbindung nach Frankfurt noch mögliche Kosten durch die PFAS-Kontamination am Gelände. „Diese Kosten sind aktuell nicht abschätzbar“, betont der Rechnungshof. Zusätzlich stehen große Investitionen in die Infrastruktur an, von der Piste bis zur Anbindung durch die neue Bahnhaltestelle.

Linienverkehr als Sorgenkind

Der Rückzug der Airlines trifft Linz besonders hart. 2008 zählte der Flughafen noch 800.000 Passagiere, 2024 waren es nur mehr 181.000. Und selbst diese Zahl täuscht: Knapp 150.000 davon entfielen auf Charterflüge, der Linienverkehr ist nahezu zusammengebrochen. Die zwischenzeitlich wiederaufgenommene Frankfurt-Verbindung fiel bereits im ersten Halbjahr 2024 durch „47 kurzfristige Stornierungen“ auf – ein Vertrauensverlust, den der Markt nicht verkraftet hat. Ab Ende Oktober 2025 wird die Strecke erneut eingestellt.

Um kostendeckend zu arbeiten, wären laut LRH mindestens 500.000 Passagiere pro Jahr notwendig. Davon ist Linz weit entfernt.

Nebenbetriebe tragen den Flughafen – noch

Weil der Flugbetrieb kein Geld abwirft, lebt der Flughafen zunehmend von Nebenbereichen wie Vermietungen, Parkplätzen und der Fracht. Deren Anteil an den Gesamterlösen stieg von einem Drittel (2019) auf nahezu die Hälfte (2024). Selbst der Frachtbereich rutschte zwischenzeitlich in die Verlustzone – allerdings nur aufgrund fehlerhafter Zuordnungen in der Kostenrechnung. „Dieser Bereich ist noch kostendeckend, ist also auf jeden Fall positiv zu bewerten“, so Hoscher. 

Strategie zu spät überarbeitet

Scharfe Kritik übt der Landesrechnungshof am strategischen Management. Die sogenannte Premium-Strategie stammt aus dem Jahr 2018 und wurde trotz Pandemie, struktureller Marktveränderungen und Passagierrückgang erst Ende 2024 überarbeitet. „Aus unserer Sicht startete die Überarbeitung sehr spät“, so Hoscher. Auch Ziel- und Ressourcenvereinbarungen fehlten vollständig – ein Umstand, für den sowohl Management als auch Eigentümer Verantwortung tragen.

Zudem findet der Flughafen in den zentralen Landesstrategien – etwa im Tourismus – „kaum Niederschlag“. Ein Versäumnis, das laut LRH nun dringend korrigiert werden muss.

Spekulationsverbot ignoriert

Für Stirnrunzeln sorgt auch die Verwaltung der früheren Rücklagen. Teile des Flughafenvermögens wurden in Wertpapiere investiert, die nicht mit dem oberösterreichischen Spekulationsverbot vereinbar waren. Ein Managementvertrag mit einer Bank enthielt zwar den Hinweis auf das Verbot – aber gleichzeitig Klauseln, die ihm widersprachen. Das Finanzergebnis dieser Veranlagungen war mit rund 0,4 Millionen Euro überschaubar. „Spekulation rechnet sich nicht, Risiken wurden aber dennoch eingegangen“, bilanziert Hoscher.

Personelle und organisatorische Baustellen

Neben hoher Fluktuation in einzelnen Bereichen stiegen die Personalkosten stärker als es zur wirtschaftlichen Lage passen würde. Mit einem bevorstehenden Geschäftsführerwechsel rät der LRH zu einer gründlichen Prüfung der Personalstruktur.

Einsparpotenziale sieht er auch bei externen Dienstleistungen sowie bei Repräsentations- und Sponsoringausgaben – deren Sinn angesichts der prekären Lage nicht erkennbar sei. 

Was jetzt passieren muss

Der Rechnungshof fordert einen umfassenden Neustart: Alle Geschäftsbereiche – vom Linienverkehr über Charter und Fracht bis zu Vermietungen und Parkplätzen – sollen konsequent auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Bei der Streckenentwicklung müsse der Flughafen aktiv alle Optionen nutzen, inklusive öffentlicher Ausschreibungen wie jener für die Verbindung nach Frankfurt. Gleichzeitig gelte es, das breite Einzugsgebiet stärker auszuschöpfen und Kooperationen etwa im südböhmischen Raum auszubauen. Der Flughafen müsse zudem in den strategischen Planungen des Landes deutlich stärker verankert werden. Bei den anstehenden großen Infrastrukturprojekten empfiehlt der LRH, Synergien mit dem Bundesheer konsequent zu nutzen. Über allem steht das Ziel, den finanziellen Unterstützungsbedarf durch Land und Stadt Linz langfristig so weit wie möglich zu reduzieren.


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