Wirtschaftsbund OÖ sieht Kurswechsel für Standort OÖ eingeleitet
OÖ/LINZ. Oberösterreichs Wirtschaft steht auch zu Beginn des Jahres 2026 vor Herausforderungen. Der Wirtschaftsbund OÖ mit Landesobfrau, Wirtschaftskammer OÖ-Präsidentin Doris Hummer sieht beim traditionellen Jahresausblick aber positive Signale und zeigt sich „vorsichtig optimistisch“. Besonders Exportpotentiale als Stärke Oberösterreichs müssten genutzt werden.
„Oberösterreich steht als Industriebundesland noch immer unter Druck“, so WB OÖ-Obfrau, WKOÖ-Präsidentin Hummer. Während für Österreich insgesamt ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,0 und 1,2 Prozent erwartet wird, bleibt Oberösterreich aber aufgrund seiner export- und industrienahen Struktur noch hinter diesem Wert zurück.
Die Erwartungen seien aber auch in OÖ positiv, auch in der Industrie, zeigen wichtige Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex. Zusätzlich sollen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung sowie ein angekündigtes Investitionspaket des Landes OÖ im Bereich Innovation schrittweise Wirkung entfalten.
Prognosen zeigen leichte Erholung
Den wirtschaftlichen Ausblick 2026 untermauerte Daniel Varro, Vizerektor der Universität für Weiterbildung Krems. „Wir haben das Jahr 2025 mit 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum abgeschlossen. Das problematische ist, dass ein Großteil dieses Wachstums nicht auf die Privatwirtschaft zurückzuführen ist, sondern auf staatliche Investitionen“, so Varro, der auch auf einen starken Exportrückgang verweist. Er wie auch Hummer unterstreichen die Bedeutung von Handelsabkommen.
Für 2026/27 wird von IHS und Wifo für Österreich ein Wachstum von 1,0 bzw. 1,2 Prozent gesehen, für 2027 1,1 bzw. 1,4 Prozent. Das sei dann nicht mehr auf den öffentlichen Sektor, sondern auf Konsumzuwächse sowie Erholung im Export- und Investitionsbereich, Industrie und Bau zurückzuführen. Im internationalen Vergleich bleibe Österreich dennoch deutlich unter dem EU-Schnitt.
Entspannung zeigt sich bei der Inflation: Diese ist zuletzt auf rund 2,4 bis 2,5 Prozent gesunken, bleibt jedoch über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank und über dem EU-Durchschnitt. Haupttreiber sind laut Varro weiterhin steigende Löhne, die Erhöhungen öffentlicher Gebühren, etwa für Reisepässe, und hohe Lebensmittelpreise.
Positive Signale aus OÖ werden beim Thema Arbeitslosigkeit gesehen. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen ist im Jahresvergleich leicht auf 6,3 Prozent gesunken. Für 2026 wird ein leichter Rückgang erwartet, aufgrund von Pensionierungen geburtenstarker Jahrgänge.
Kritisiert wird eine Staatsausgabenquote von 56,3 Prozent im Verhältnis zum BIP, deutlich über dem EU-Schnitt. „Nur um auf den EU-Schnitt zu kommen, bräuchten wir ein Einsparungsvolumen von 35 Milliarden Euro“, so Varro. Trotz weltweiter wirtschaftlicher Herausforderungen, bei den Ausgaben müsse angesetzt werden.
„Stärken stärken“ als Leitmotiv für Wirtschaftsbund
Das Leitmotiv 2026 für den Wirtschaftsbund OÖ ist „Stärken stärken. Wettbewerbsfährigkeit zurückgewinnen.“
Hummer: „Der Export ist immer das ganz großes Stärkefeld in OÖ gewesen. Dort haben wir aber auch den größten Dämpfer erhalten.“ Genau hier gelte es die Stärken zu nutzen, „wir sind zum Beispiel im GreenTech-Bereich und bei der Kreislaufwirtschaft Weltmarktführer in vielen Themen. Hier können wir ausbauen. Aber wir brauchen dazu – und hier sind wir bei Schwächen - die Handelsabkommen. Wir brauchen auch eine Bevölkerung, die versteht, dass wir offene, neue Märkte brauchen, sonst werden wir nicht mehr anschließen können.“
Zudem müssten die Chancen von KI und Digitalisierung genutzt werden, diese auch in die Klein- und Mittelbetriebe gebracht werden, um die Produktivität wieder zu steigern.
Österreich brauche eine zukunftsgerichtete Industriestrategie für Wettbewerbsfähigkeit. Und unter dem Motto „Können und Wollen“ fasst Hummer zusammen: „Das Können ist das Know-how, das wir haben, auch dank unsere berufliche Ausbildungsstruktur. Neben diesem Können brauchen wir Unternehmen, die bereit sind zu innovieren und zu investieren. Das Gleiche gilt für unsere Mitarbeiter. Daher werden wir weiterkämpfen für eine Senkung der Lohnnebenkosten“, so Hummer, die sich auch weiterhin für steuerliche Leistungsanreize ausspricht.
Auch wenn 2025 einige geforderte Maßnahmen auf den Weg gebracht sind – wie die steuerfreie Mitarbeiterprämie, Trinkgeldpauschale, bis zu 15.000 Euro steuerfrei beim Arbeiten im Alter, Erhöhung des Investitionsfreibetrags - bleibe oberstes Ziel eine nachhaltige Senkung der Standortkosten mit Energie, Lohnnebenkosten und weniger Bürokratie.
460 neue Mitglieder
Laut dem neuen WB OÖ-Landesgeschäftsführer Thomas Mitterhauser umfasst der WB OÖ aktuell rund 17.500 Mitgliedschaften, rund 2.600 Funktionäre in 380 Ortsgruppen. 2025 seien 460 neue Mitglieder hinzugekommen. In seiner neuen Funktion möchte er in den kommenden Monaten Anliegen und Herausforderungen mit den Funktionären besprechen, zur Weiterentwicklung des Wirtschaftsbundes OÖ.
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