Neuer „Sprachkompass“ für philippinische Pflegekräfte in Oberösterreich
OÖ/LINZ. Oberösterreich setzt im Pflegebereich auch auf internationale Fachkräfte. Seit 2021 konnten 263 Pflegekräfte von den Philippinen angeworben und integriert werden. Speziell für die oö. Sozialhilfeverbände wurde der „Sprachkompass Pflege“ entwickelt, um die Fachkräfte noch schneller und besser integrieren zu können.
Im Rahmen der „Fachkräftestrategie Pflege“ wird auch auf die Anwerbung von Pflegefachkräften aus Drittstaaten gesetzt. Seit 2021 konnten 263 Pflegekräfte von den Philippinen erfolgreich angeworben werden, davon arbeiten rund 185 philippinische Fachkräfte in den Alten- und Pflegeheimen der oö. Sozialhilfeverbände.
Für eine gelingende Integration sind Deutschkenntnisse ein grundlegender Baustein. Dazu haben die OÖ Pflege- und Betreuungsmanagement GmbH „Alter OÖ“ und der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) den „Sprachkompass Pflege“ erarbeitet.
„Verstehen schafft Vertrauen“
„Im Bereich der Gewinnung von Pflegekräften – insbesondere auch aus Drittstaaten – hat Oberösterreich einen vorbildlichen Prozess geschaffen. Internationale Pflegekräfte sind gut in den Alten- und Pflegeheimen angekommen und verrichten dort eine wertvolle Arbeit. Ganz allgemein gilt: Wer gut pflegen will, muss unsere Sprache beherrschen. Neben Grundkenntnissen sind auch Fach- sowie Umgangssprache wesentlich. Darauf zielt unsere Deutsch-Offensive ab, denn: Verstehen schafft Vertrauen“, betont Sozial-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP).
„Deutsch ist mehr als Sprache – es ist der Schlüssel zu Arbeit, Vertrauen und guter Pflege. Die Kooperation mit Pflegekräften in Oberösterreich setzt hier gezielt an“, unterstreicht auch ÖIF-Direktor Franz Wolf.
Für Anna Ferihumer, Geschäftsführerin von „Alter OÖ“, ist klar: In einem Hochverantwortungsberuf wie der Pflege sei Deutsch auf beruflichem Niveau Grundvoraussetzung. „Mit dem neuen Sprachangebot unterstützen wir internationale Pflegekräfte dabei, schneller im Team anzukommen, schneller Verantwortung zu übernehmen und Schritt für Schritt auch Leitungs- und Führungsaufgaben übernehmen zu können.“
Sprung auf Niveau B2
Mit dem neuen berufsbegleitenden digitalen Sprachfördermodell „Sprachkompass Pflege“, bundesweit einzigartig, wird das Ziel verfolgt, den Sprung von schon mitgebrachten B1-Kenntnissen auf Niveau B2 schneller zu schaffen. Während B1 für Alltagssituationen oft ausreicht, ist B2 notwendig, um komplexe Übergaben, Pflegedokumentationen und Gespräche mit Bewohnern und Angehörigen sicher zu führen.
Das Modell wurde speziell für die oö. Sozialhilfeverbände entwickelt, für die Sprachintegration philippinischer Fachkräfte. Das Angebot richtet sich aber an alle Pflegekräfte in Pflegeheimen, die ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen.
Selbstlernkurs mit Begleitung von Trainern und Mentoren
Das Sprachtraining kombiniert vier Bausteine: einen Online-Selbstlernkurs mit über 1.000 Übungen und Videos, regelmäßige Live-Onlinekurse mit zertifizierten Trainern, tägliche kurze Lerneinheiten über das Smartphone sowie die direkte Anwendung am Arbeitsplatz. In den Pflegeheimen stehen dafür Sprachmentoren zur Verfügung.
Der Lernumfang umfasst rund 300 bis 500 Unterrichtseinheiten, der Kompetenzsprung von B1 auf B2 ist berufsbegleitend innerhalb von etwa neun Monaten erreichbar. Begleitet wird das Modell von Zielvereinbarungen und regelmäßigen Überprüfungen.
Es soll nach einem halben Jahr im Einsatz gemeinsam von ÖIF, Alter OÖ und den Sozialhilfeverbänden evaluiert werden, um Praxistauglichkeit und Wirkung zu prüfen.
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