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Reaktionen zu Expertenbericht im „Fall Rohrbach“

Tips Logo Karin Seyringer, 05.02.2026 18:25

OÖ. Am Donnerstag wurde der Bericht der eingesetzten Expertenkommission zum tragischen Tod einer Patientin mit Aortendissektion im Klinikum Rohrbach veröffentlicht – Tips hat berichtet. Die Reaktionen zusammengefasst.

Symbolfoto (Foto: VOLKER WEIHBOLD)
Symbolfoto (Foto: VOLKER WEIHBOLD)

Der Bericht werde sehr ernst genommen, teilt die OÖ Gesundheitsholding in einer schriftlichen Stellungnahme mit. „Die bereits bestehende interne Arbeitsgruppe wird ihren ersten Vorschlag anhand der Ergebnisse des Ausschusses adaptieren und in Abstimmung mit der Abteilung Gesundheit des Landes OÖ oberösterreichweit ausrollen, die Aufarbeitung nun zügig weiterführen und die empfohlenen Maßnahmen konsequent umsetzen.“

Der Bilddatenaustausch zwischen den Kliniken in OÖ sei bereits flächendeckend etabliert, Anregungen, die Befundaustausche zu optimieren, würden aufgegriffen. „Wir erwarten uns, dass auch aus der Kommission des Bundes die länderübergreifenden technischen Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Matrixprotokoll vorgegeben werden und datenschutzrechtliche Hürden ausgeräumt werden“, heißt es zudem. „Unsere höchste Priorität ist es, aus diesem tragischen Ereignis die bestmöglichen Lehren zu ziehen und alles in unserer Verantwortung Liegende zu tun.“

Die Reaktion aus dem Klinikum Wels-Grieskirchen: „Bei solch tragisch verlaufenden Krankheitsverläufen ist es immer wichtig, dass diese im Nachhinein analysiert werden, um etwaige Verbesserungen durchführen und implementieren zu können. Deshalb sind wir froh, dass eine Expertenkommission eingesetzt wurde, um das Management der leider verstorbenen Patientin zu beleuchten. Wir nehmen den Bericht und die Vorschläge der Expertenkommission hinsichtlich einer möglichen Optimierung unserer Abläufe sehr ernst und werden die vorgeschlagenen Maßnahmen im Rahmen unserer personellen, baulichen und intensivmedizinischen Ressourcen prüfen.“

Ärztekammer: „Medizinisch korrekt“, aber „Schwächen im System“

„Die Ärztekammer für Oberösterreich hat immer großes Vertrauen in diese unabhängige Kommission aus namhaften Experten des Gesundheitswesens und anerkannten Persönlichkeiten gesetzt“, so Peter Niedermoser, Präsident der OÖ. Ärztekammer.

„Die Ärztekammer ist stets hinter den Kollegen in Rohrbach gestanden, weil wir überzeugt waren, dass diese völlig korrekt gehandelt haben“, so auch Sebastian Graf, Kurienobmann der angestellten Ärzte in der OÖ. Ärztekammer.

Aber: Der Bericht zeige Schwächen im System auf. Graf: „Alle Player im Gesundheitssystem müssen nun gemeinsam und sachlich über sinnvolle Verbesserungen im System beraten und entscheiden. Die Ärztekammer ist bereit, sich intensiv und konstruktiv in diesen Prozess einzubringen und Lösungen gemeinsam zu erarbeiten.“ Graf wie Niedermoser appellieren auch zu einer Rückkehr zur Sachlichkeit, „jeder verantwortungsbewusste Entscheidungsträger muss ein großes Interesse haben, dass die ohnehin bereits große Verunsicherung im Gesundheitswesen nicht noch größer wird.“

Politische Reaktionen

Auch aus der Politik kommen Stellungnahmen: SPÖ-Gesundheitssprecher Peter Binder sieht strukturell bedingtes Systemversagen. „Wenn der Antrag auf eine Sonderprüfung noch nicht eingebracht worden wäre, dann wäre nach diesem Bericht der richtige Zeitpunkt dafür.“ Er kritisiert, dass die Kommission zu wenig Handlungsspielraum und Freiheiten gehabt hätte, wirklich alle Ecken und Enden der Versorgungslandschaft auf Fehler und Unzulänglichkeiten zu prüfen. „Der einzige Weg für volle Transparenz und Aufklärung ist nun die Sonderprüfung.“

Die Grüne Gesundheitssprecherin Brigitte Huber-Reiter fragt, warum es für Verbesserungen und Änderungen immer erst eine Tragödie brauche. Der Bericht zeige deutlich auf, dass kommunikative, organisatorische und strukturelle Schwachstellen dringendst behoben werden müssen. „Die Verantwortung darf auch nicht allein beim jeweiligen Behandlungsteam liegen. Daher müssen verbindliche, gut funktionierende Kommunikationsstrukturen und eine zentrale Stelle geschaffen werden, die in solchen Situationen unterstützt und koordiniert“, fordert Huber-Reiter. Zudem sei es zielführend gewesen, für ein Gesamtbild auch andere Berufsgruppen in die Expertenkommission einzubinden – wie Pflege, Rettungsdienst und Krankenhausmanagement.

MFG-Landtagsabgeordnete Dagmar Häusler: „Die vorliegenden Ergebnisse bewerten den Todesfall als medizinisch nicht vermeidbar. Damit liegt eine fachliche Einschätzung vor, die keinen sachlichen Anknüpfungspunkt für politische Schuldzuweisungen oder Spekulationen bietet. Gleichzeitig werden Aspekte benannt, bei denen Abläufe und Kommunikation weiter präzisiert werden können. Diese Feststellungen sind auf fachlicher Ebene zu behandeln und in den zuständigen Strukturen weiter zu bearbeiten. Gerade diese Klarstellung ist auch für Patienten relevant.“

NEOS-Klubobmann Felix Eypeltauer sieht im Bericht weitgehende bekannte Schwachstellen im System bestätigt, sieht ebenfalls seit Jahren ungelöste strukturelle Probleme. Die Arbeitsweise und Steuerung der OÖ Gesundheitsholding sei dringend reformbedürftig, Haberlander sei in der Pflicht, angekündigte Verbesserungen verbindlich umzusetzen und politisch zu verantworten.

Zum Bericht: „Schicksalhafter Verlauf, deutlicher Verbesserungsbedarf“: Bericht der Expertenkommission zu Fall Rohrbach veröffentlicht


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