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Nächster Streik an Ordensspitälern OÖ am 3. März möglich

Tips LogoKarin Seyringer, 18.02.2026 12:28

OÖ/LINZ/BEZIRK. Nach fünf KV-Verhandlungsrunden und einer Unterarbeitsgruppe für die rund 10.000 nicht-ärztlichen Beschäftigten an den Ordensspitälern OÖ findet am 24. Februar die nächste Verhandlungsrunde statt. Für den Fall, dass es dann kein Angebot zu einer Arbeitszeitverkürzung gibt, liegt bereits ein Streikbeschluss vor, für Dienstag, 3. März. 

  1 / 2   Am 22. Jänner wurde bereits gestreikt, am 3. März könnte ein neuerlicher Streik folgen. (Foto: VOLKER WEIHBOLD)

Bis Mittwoch, 8 Uhr, konnten die Beschäftigten darüber abstimmen, wie es in den KV-Verhandlungen weitergehen soll. Am Vormittag wurde vor Presse von der Gewerkschaft vida das Ergebnis vorgelegt. Laut Martina Reischenböck, KV-Verhandlerin für vida und Gesundheitssprecherin der vida OÖ, gab es 3.700 Rückkopplungen, 80 Prozent davon lehnen das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite ab bzw. seien falls nötig streikbereit.

„Sind in Streikvorbereitungen“

„Die sechste Runde findet am 24. Februar statt, das ist eine Chance für den Arbeitgeber. Aber wir sind gleichzeitig in Vorbereitungen für einen neuerlichen Streik, der Termin steht fest und wäre der 3. März. Wir werden wieder streiken, wenn es keine deutliche Verbesserung bei der Arbeitszeit gibt“, so Reischenböck.

Sie verweist auch darauf, dass vida bereits einen Kompromiss vorgelegt hat: Der Abschluss im öffentlichen Dienst, 3,3 Prozent ab Juli 2026, würde mitgetragen werden – vorausgesetzt es gebe eine spürbare Entlastung bei der Arbeitszeit. Das ist auch der Kern der Forderungen. Zu Beginn der Verhandlungen forderte vida eine schrittweise Reduktion auf eine 35-Stunden-Woche bis 2030, der nun geforderte Kompromissvorschlag: eine 37 Stunden-Woche schrittweise bis 2028.

Gleichzeitig habe es von Arbeitgeberseite laut Gewerkschaft nur „minimale Angebote“ gegeben: Die Umwandlung eines Sonderurlaubstages in einen regulären Urlaubstag und die rechtliche Möglichkeit, angespartes Zeitguthaben zu konsumieren.

Offener Brief an Politik

Von den Beschäftigten wurde auch ein offener Brief an Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander und Landeshauptmann Thomas Stelzer (beide ÖVP) formuliert und am Mittwoch von den diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen Isabel Burgstaller-Schoberleitner (Barmherzige Schwestern Ried), Daniela Klostermann (Klinikum Wels-Grieskirchen, Standort Wels) und Elke Hergetz (Ordensklinikum Linz – Elisabethinen) übergeben. Man wolle nicht der Spielball zwischen Arbeitgebern und Politik sein, für eine Lösung am Verhandlungstisch brauche es die Politik für die nötigen Rahmenbedingungen.

„Streik als Hinweis und Einladung zum Nachdenken“

Die drei Vertreterinnen der Beschäftigten schildern auch ihre Arbeitsbedingungen. Immer mehr Patienten müssten in immer kürzerer Zeit versorgt werden, „vor lauter Effizienz ist die Zeit für Gespräche mit Patienten zum Luxus geworden“, so Klostermann. Die Motivation sich für einen Pflegeberuf zu entscheiden ersetze keinen strukturellen Rahmenbedingungen. So sei der Streik am 22. Jänner keine „Störung“ gewesen, sondern „ein Hinweis auf das, was viele schon seit Jahre spüren“ und eine „Einladung zum Nachdenken.“

Vor allem gebe es kaum mehr Zeit zur Erholung und Psychohygiene nach den anspruchsvollen Diensten. Gerade für ein gesundes Berufsleben bis zu Pension wäre eine Stundenreduktion nötig, so Klostermann.

Schon eine Reduktion auf eine 38-Stunden-Woche würde viel bringen – in Summe ein Tag im Monat mehr. „Und auch die Motivation durch ein solches Entgegenkommen würde etwas bewirken.“

„Frage der Versorgungssicherheit“

An den Ordensspitälern OÖ werden jährlich rund 52 Prozent der stationären Patienten versorgt, im ambulanten Bereich 51 Prozent. Zu den Ordensspitälern OÖ zählen das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz, das Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern Elisabethinen, Krankenhaus Barmherzige Schwestern Ried, das Krankenhaus St. Josef Braunau, das Klinikum Wels-Grieskirchen sowie das Krankenhaus Sierning.

Vida-Landesvorsitzender Gerhard Siegl verweist auf den wirtschaftlichen Beitrag der Ordensspitäler: Die Bruttowertschöpfung liege in OÖ bei rund 1,76 Milliarden Euro. Pro Vollzeitäquivalent würden rund 184.230 Euro Wertschöpfung jährlich generiert. Es sei daher nur eine Frage der Fairness und der Versorgungssicherheit, wenn Beschäftigte Entlastung fordern. „Entlastung bei der Arbeitszeit ist keine Luxusforderung, sondern Voraussetzung für Versorgungssicherheit“, so Siegl.

Eine Lösung könne es nur geben, wenn beide Seiten aufeinander zugehen.

Ordensspitäler OÖ nimmt Rückkoppelung „sehr ernst“, sieht aber Intransparenz

In einer Stellungnahme der Ordensspitäler OÖ zu den Ergebnissen der vida-Befragung unter den Beschäftigten heißt es: „Die Ordensspitäler OÖ nehmen die von der Gewerkschaft vida durchgeführte Rückkoppelung sehr ernst, denn gerade bei uns wird die wertschätzende Zusammenarbeit gelebt.“

Allerdings: „Umso mehr bedauern wir, dass die Mitgliederbefragung seitens der Gewerkschaft in unseren Spitälern unterschiedlich durchgeführt wurde. Während in manchen Häusern die gesamte Belegschaft befragt wurde, haben in anderen lediglich die von der Gewerkschaft ernannten Teamdelegierten ‚Stricherllisten‘ geführt. Diese intransparente Herangehensweise ist für uns unverständlich. Wir gehen nicht davon aus, dass auf Grund dieser willkürlichen Umfrage eine Streik-Entscheidung getroffen wird, die nachhaltige Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung unserer Patienten hat.“

Die Ordensspitäler OÖ würden weiterhin zum vorgelegten Maßnahmenpaket stehen – es sei ein „ausgewogenes und zukunftsorientiertes Angebot, das die Interessen der Beschäftigten mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Ordensspitäler OÖ vereint. Das Ziel der Ordensspitäler OÖ bleibt eine nachhaltige und faire Lösung, die aktuelle Herausforderungen berücksichtigt und die Stabilität der Gesundheitsversorgung sicherstellt.“


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