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Weniger Beschleunigungsgebiete für Windkraft in Oberösterreich

Tips LogoKarin Seyringer, 09.04.2026 16:46

OÖ/BEZIRK URFAHR-UMGEBUNG. Oberösterreich reduziert geplante Beschleunigungsgebiete für Windkraft. Während das Land auf eine ausgewogene Energieraumplanung verweist, kommt Kritik von mehreren Parteien.

 (Foto: VOLKER WEIHBOLD)
(Foto: VOLKER WEIHBOLD)

Das Land OÖ hat das Anhörungsverfahren für neue Beschleunigungsgebiete für Windkraft und Sonnenenergie gestartet.

Gleichzeitig wurden ursprünglich geplante Flächen reduziert: Die Beschleunigungszonen im Sternwald werden nicht weiterverfolgt. Damit verringert sich die Gesamtfläche der Windkraft-Beschleunigungsgebiete um rund 320 Hektar, rund 3,6 Prozent der ursprünglich geplanten Beschleunigungsgebiete.

„Gesamtheitliche Energieraumplanung“

Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) betont die Notwendigkeit eines breiten Energiemixes: „Die Umsetzung der Energiewende in Oberösterreich erfordert einen Mix aus Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse und Windkraft. Wir bekennen uns daher zu einem Ausbau in allen Bereichen – überall dort, wo es sinnvoll und genehmigungsfähig ist.“

„Für den Ausbau von Sonnenenergie und Windkraft setzt Oberösterreich auf eine gesamtheitliche Energieraumplanung mit Beschleunigungsgebieten, Ausschlusszonen und neutralen Zonen mit Einzelfallprüfung von Projekten. Damit werden in unserem Bundesland sowohl die Interessen am Ausbau Erneuerbarer Energien als auch am Schutz der Natur berücksichtigt.

Kobernaußerwald und Weilhartsforst weiter als Beschleunigungsgebiete geplant

Die geplanten Beschleunigungsgebiete für Windkraft konzentrieren sich nun auf den Kobernaußerwald mit rund 5.900 Hektar und den Weilhartsforst mit etwa 2.650 Hektar.

„Die Teilräume Sternwald West und Sternwald Ost werden nicht als Beschleunigungsgebiete für Windkraft weiterverfolgt, weil mögliche grenzüberschreitende Auswirkungen auf tschechische Schutzgebiete und den grenznahen Naturraum auf SUP-Ebene nicht ausgeschlossen werden konnten“, erklärt Achleitner.

Laut Achleitner soll die Herausnahme auch Verzögerungen verhindern. „Damit wurde verhindert, dass die erforderliche umfassende Prüfung der Einwände Tschechiens zu einer massiven Verzögerung der Ausweisung der anderen Beschleunigungsgebiete geführt hätte.“

Projekt „Windpark Sternwind“ nicht betroffen

„Auf das dortige Projekt Windpark Sternwind hat das jedoch keinerlei konkrete Auswirkungen, weil in einem Beschleunigungsgebiet kein UVP-Verfahren erforderlich ist, für dieses Projekt jedoch ohnehin seit 1. Juli 2025 ein UVP-Verfahren läuft“, erläutert Achleitner. 

Insgesamt sollen künftig rund zwei Drittel der Landesfläche grundsätzlich für Windkraft geeignet sein (Beschleunigungsgebiete, neutrale Zonen), während etwa 95 Prozent für Photovoltaik-Anlagen infrage kommen.

Die EU-RED-III-Richtlinie verpflichtet die Staaten etwa Beschleunigungsgebiete für den Ausbau erneuerbarer Energie festzulegen. 

Kritik von SPÖ, MFG und NEOS

SPÖ-Landesparteivorsitzender Martin Winkler spricht von einem Rückschritt: „Es ist absolut unverständlich, dass die schwarz-blaue Landesregierung jetzt beim Sternwald eine geplante Beschleunigungszone für Windkraft streicht.“ Er warnt vor steigender Abhängigkeit bei der Energieversorgung: „Wir müssen unsere Stromproduktion in den nächsten Jahren verdoppeln, sonst bleiben wir abhängig und die Preise hoch.“

Für die Grünen kritisieren einen „beharrliche, groteske Widerstand gegen einen kraftvollen Ausbau der Windkraft. Statt sie breit auszurollen, wird die geplante Ausschlusszonenverordnung Oberösterreich de facto zum Windkraft-Sperrgebiet machen.“

Auch die NEOS üben Kritik. Klubobmann Felix Eypeltauer kritisiert, dass Tschechien keine 50 Kilometer von Oberösterreichs Grenze Atomkraftwerke betreibe und gleichzeitig den Erneuerbaren-Ausbau im Mühlviertel blockiere. Er bezeichnet die Entscheidung als „ein absurdes Trauerspiel zulasten nachhaltig sicherer und günstiger Energie“ und spricht von einem „letzten Hammerschlag am Sargnagel des Windkraftstandortes OÖ“.

Die MFG sieht die Entwicklung grundsätzlicher kritisch und verweist auf den Einfluss der EU. Klubobmann Manuel Krautgartner: „Hier wird vorab festgelegt, wo Windkraft stattfinden soll – nicht mehr im konkreten Einzelfall, sondern politisch von oben. Die EU schränkt den nationalen und regionalen Gestaltungsspielraum massiv ein. Statt regionaler Lösungen mit Hausverstand werden ideologisch geprägte Klimaziele vorgegeben – ohne Rücksicht auf die betroffene Bevölkerung und regionale Gegebenheiten.“


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