Amazon baut erstmals in Oberösterreich – Stadt Enns pocht auf klare Regeln
ENNS. Mit dem Spatenstich für das neue Amazon-Verteilzentrum im Ennshafen startet eines der größten Logistikprojekte der Region. Während das Unternehmen hunderte Jobs und Investitionen hervorhebt, standen in Enns vor allem Verkehr, Umweltauflagen und die Sorgen der Bevölkerung im Mittelpunkt der Verhandlungen.

Im Ennshafen fiel am Donnerstag, 7. Mai, der offizielle Startschuss für das neue Amazon-Verteilzentrum für den Großraum Linz. Rund 70 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Standort, der im Frühjahr 2027 in Betrieb gehen soll. Auf rund 6.900 Quadratmetern sollen laut Amazon mehr als 100 direkte Arbeitsplätze entstehen, zusätzlich mehrere hundert Jobs bei regionalen Lieferpartnern.
Amazon-Manager Jordan Kremnitzer, verantwortlich für die bisherigen fünf Verteilzentren in Premstätten, Klagenfurt, Wien-Liesing, Wien-Simmering und Großebersdorf, spricht von einem wichtigen Schritt für die Versorgung der Region. „Unsere österreichischen Kunden schätzen unsere schnelle und zuverlässige Lieferung sehr“, sagt er. Mit dem Standort in Enns wolle man den Raum Linz und Umgebung künftig schneller beliefern.
„Nie gesagt, dass ich Amazon haben will“
In Enns selbst verlief die Diskussion allerdings nicht ohne Vorbehalte. Bürgermeister Christian Deleja-Hotko betont, dass die Stadt das Projekt von Beginn an kritisch begleitet habe. „Ich habe nie gesagt, dass ich Amazon haben will“, erklärt er. Die Gespräche mit dem Unternehmen seien zwar professionell verlaufen, gleichzeitig habe die Gemeinde aber klare Bedingungen gestellt.
Vor allem die Sorge vor zusätzlichem Verkehr habe viele Bürger beschäftigt. „Wir haben zum Beginn des ersten Gesprächs nicht gewusst, wie groß wird das, was da passiert“, so Deleja-Hotko. Deshalb sei früh festgelegt worden, dass der Lieferverkehr – abgesehen von direkten Zustellungen – nicht durch das Stadtgebiet geführt werden soll.
Radweg und Öffi-Anbindung gefordert
Für die Stadt seien außerdem ökologische Vorgaben entscheidend gewesen. Amazon errichtet entlang der Mainstraße einen Radweg sowie eine neue Bushaltestelle. „Wir wollen, dass die Leute, die da arbeiten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen können“, sagt der Bürgermeister. Wenn man von einem „grünen Standort“ spreche, dürfe es nicht nur um zusätzliche Parkplätze gehen.
Auch Amazon verweist auf das Verkehrskonzept mit sogenannten asynchronen Fahrtzeiten. Lieferfahrzeuge sollen bewusst außerhalb der Hauptverkehrszeiten unterwegs sein. Zusätzlich kündigt das Unternehmen Photovoltaik, Fernwärme, Regenwassernutzung sowie begrünte Dach- und Freiflächen an.
Valentin Oswald vom Bauunternehmer Goldbeck Rhomberg betont den nachhaltigen Ansatz beim Bau: „Vom energieeffizienten Gebäudekonzept über emissionsarme Materialien bis hin zur Begrünung und Regenwassernutzung richten wir jede Entscheidung auf eine möglichst ressourcenschonende Wirkung aus.“
Mehrheit im Gemeinderat
Die Verhandlungen seien auch im Gemeinderat intensiv diskutiert worden, berichtet Deleja-Hotko. Letztlich habe es aber eine klare Mehrheit für das Projekt gegeben. In der Bevölkerung halte sich die Stimmung inzwischen „die Waage“. Manche sähen die Ansiedlung kritisch, andere wiederum positiv – etwa wegen neuer Arbeitsplätze oder schnellerer Lieferungen.
Auch Wirtschaftsvertreter sehen die Ansiedlung als Signal für die Region. Werner Pamminger von der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria spricht von einem „starken Zeichen“ für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich und neuen Beschäftigungsmöglichkeiten im Zentralraum.


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