Oberösterreich plant mit "Betreuungsarchitektur 2040" Pflege der Zukunft
OÖ/LINZ. Immer mehr ältere Menschen, weniger familiäre Betreuung und steigende Kosten: Oberösterreich steht in der Pflege vor großen Herausforderungen. Mit der neuen „Betreuungsarchitektur 2040“ will das Land frühzeitig gegensteuern. Ziel ist es, älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen – mit neuen Wohnformen, digitalen Angeboten und mehr Unterstützung für Angehörige.

Im Zuge der „Pflegestrategie 2040“ wurde in den letzten Monaten die Betreuungsarchitektur 2040 als Teilstrategie für die Pflege der Zukunft entwickelt. Diese wurde gemeinsam mit Landeshauptmann Thomas Stelzer, Sozial-Landesrat Christian Dörfel (beide ÖVP), Oö. Städtebund-Vorsitzendem, Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) und OÖ Gemeindebund-Präsident Bürgermeister Christian Mader (ÖVP) präsentiert.
Demografische Entwicklung macht Weiterentwicklung nötig
Die Bevölkerung wird älter. Schon heute leben rund 42.000 Menschen über 85 Jahre in Oberösterreich. Bis 2040 sollen es um rund 29.000 mehr sein. Gleichzeitig verändern sich familiäre Strukturen. Mehr Menschen leben allein, Angehörige wohnen oft weiter entfernt und viele Frauen, die bisher einen großen Teil der Pflege übernommen haben, sind berufstätig.
Landeshauptmann Stelzer betont die Notwendigkeit langfristiger Planung: „Mit der Betreuungsarchitektur 2040 stellen wir frühzeitig die richtigen Weichen, damit die Menschen auch in Zukunft die Sicherheit haben, gut betreut und gepflegt zu werden und ein Altern in Würde möglich bleibt.“
Auch Sozial-Landesrat Dörfel sieht Handlungsbedarf. „Ein ‚Weiter wie bisher‘ ist im Pflege- und Betreuungsbereich nicht mehr möglich“. Wie auch Stelzer betont er, dass gute Pflege sichergestellt werden müsse, die bedarfsgerecht ist, für den Einzelnen und für die öffentliche Hand finanzierbar ist. „Pflegebedürftigkeit heißt auch nicht, dass der Weg zwingend ins Heim führt. Schon heute sehen wir, dass nur rund 15 Prozent der über 85-Jährigen in stationären Einrichtungen leben.
Architektur mit flexiblem Baukastensystem
Im Mittelpunkt steht der Grundsatz: „So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig.“ Viele ältere Menschen wünschen sich laut einer Studie ein Leben in den eigenen vier Wänden. Rund 90 Prozent möchten möglichst lange zu Hause bleiben.
Eigenverantwortung, individuelle Selbstbestimmung, familiäre und nachbarschaftliche Netzwerke und professionelle Angebote sollen verbunden werden. Aus bereits erprobten Betreuungsmodellen wurde ein „flexibles Baukastensystem“ erarbeitet.
Vorgesehen sind etwa neue Wohnformen mit Betreuungsangeboten, die Weiterentwicklung der Mobilen Dienste, teilstationäre Angebote oder Wohnen mit Pflege. Angehörige sollen durch neue Modelle ebenfalls entlastet werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf sogenannten „sorgenden Gemeinschaften“. Gemeinden sollen dabei unterstützt werden, Netzwerke aus freiwilligen Helfern, Vereinen und professionellen Diensten aufzubauen. Vor allem in ländlichen Regionen soll damit ein längeres Leben im gewohnten Umfeld ermöglicht werden.
Auch digitale Lösungen sollen noch stärker genutzt werden.
Für die Entwicklung der neuen Betreuungsarchitektur wurden laut Land mehr als 300 Ideen und Modelle gesammelt und geprüft.
Zusammenarbeit entscheidend
Städtebund-Vorsitzender Dietmar Prammer sieht die Zusammenarbeit von Land, Städten und Gemeinden als entscheidend: „Neue, innovative Wege in der Betreuung und Pflege entstehen dann, wenn Land, Städte und Gemeinden bei Planung, Organisation und Finanzierung an einem Strang ziehen.“
Auch Gemeindebund-Präsident Christian Mader verweist auf die finanzielle Herausforderung. „Die Gemeinden tragen bereits heute einen wesentlichen Teil der Kosten“, sagt er. Deshalb brauche es neben dem Ausbau der Angebote auch Eigenverantwortung und Vorsorge.
Die Betreuungsarchitektur 2040 soll nun schrittweise umgesetzt werden. 2026 wird ein neuer Bedarfs- und Entwicklungsplan erstellt, der laufend angepasst werden kann.
Mehr Infos und eine Übersicht über erprobte Konzepte, Modelle und Pilotprojekte zu neuen Betreuungsmodellen sind unter betreuungsarchitektur.ooe.gv.at


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