Neun von zehn Lehrlingen laut Lehrlingsbarometer mit ihrer Ausbildung zufrieden
OÖ/LINZ/PERG. Die Lehre genießt bei jungen Menschen, die sich dafür entschieden haben, hohe Zustimmung. Das zeigt das erste österreichweite Lehrlingsbarometer, erfasst mein Linzer Institut IMAS International im Auftrag der Wirtschaftskammer OÖ. Gleichzeitig stehen Betriebe vor einer großen Herausforderung: Die Zahl der Lehrlinge nimmt ab.

89 Prozent der Befragten bewerten ihre Ausbildung mit der Note 1 oder 2. Besonders geschätzt werden die Praxisnähe, die Vorbereitung auf das Berufsleben und das Betriebsklima.
Lehre wird weiterempfohlen
Auch die Zukunftschancen werden positiv bewertet, wie Paul Eiselsberg, Senior Research Director von IMAS, erläutert. Mehr als vier von fünf Lehrlingen sind demnach überzeugt, dass nach einer Lehre zahlreiche Weiterbildungswege – etwa Meisterprüfung, Matura oder Studium – offenstehen. Ebenso viele sind der Meinung, dass man mit einem Lehrabschluss gute Chancen am Arbeitsmarkt hat und interessante Tätigkeiten ausüben kann.
Mehr als die Hälfte der befragten Lehrlinge würde jungen Menschen heute wieder eine Lehre empfehlen.
Für das Lehrlingsbarometer wurden im Frühjahr 2026 österreichweit 413 Lehrlinge persönlich befragt. Es handelt sich um die erste Erhebung dieser Art und soll künftig regelmäßig durchgeführt werden.
Betriebsklima wichtiger als Extras
Welche Faktoren machen eine gute Lehre aus? An erster Stelle steht für die Befragten ein gutes Betriebsklima. Ebenfalls besonders wichtig sind Wertschätzung, ein guter Verdienst, die praktische Anwendung der Lerninhalte, klare Aufgaben sowie eine gute Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung. Zusätzliche Vergünstigungen oder flexible Arbeitszeiten spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle.
Auch bei der Zufriedenheit schneiden genau diese Punkte am besten ab: Die Lehrlinge zeigen sich insbesondere mit dem Betriebsklima, der praktischen Ausbildung und der Unterstützung durch den Lehrbetrieb zufrieden.
Hummer: „Lehre auch künftig ein Erfolgsmodell“
Die Ergebnisse bestätigen aus Sicht von Wirtschaftskammer OÖ-Präsidentin Doris Hummer den hohen Stellenwert der dualen Ausbildung, die international als Vorbild gelte. „Die Ergebnisse des Barometers sind kein Zufall, sondern das Zusammenspiel vieler Instrumente. Ich bin überzeugt: Die Lehrlingsausbildung ist auch künftig ein Erfolgsmodell. Das Können mit den Händen wird die Künstlichen Intelligenz nicht so schnell übernehmen.“
Duale Ausbildung vor Herausforderungen
Oberösterreich zählt aktuell 21.390 Lehrlinge und 5.038 Ausbildungsbetriebe, ist damit Lehrlingsbundesland Nummer eins. Seit den 80er-Jahren ist die Zahl aber gesunken, 1981 waren es noch knapp 34.500 Lehrlinge und 5.859 Lehrbetreibe.
Grund des Rückgangs ist vor allem der demografische Wandel, zudem entscheiden sich mehr Jugendliche für eine weiterführende Schule.
Um dem Mangel entgegenzuwirken, investiert die WKOÖ rund 40 Prozent des jährlichen Budgets in Lehrlingsausbildung, Qualitätssicherung und Berufsorientierung, mit Angeboten wie dem Talent Space, Potenzialanalysen, Berufsmessen und auch der Dualen Akademie als Bildungsweg nach der Matura.
Förderung reformieren
Ebenso bekräftigt Hummer ihre Forderung nach unbürokratischen Rahmenbedingungen für Lehrbetriebe. Ihr Vorschlag: Die bestehende Basisförderung für Lehrlinge des Bundes gegen eine direkte Senkung der Lohnnebenkosten zu tauschen.
„In unserem Modell übernimmt der Staat den gesamten Dienstgeber-Beitrag zur Pensionsversicherung in Höhe von 12,55 Prozent der Bemessungsgrundlage. Damit bleibt – wie beim Pensionsversicherungs-Bonus für Ältere – die Bemessungsgrundlage unverändert. Kein Lehrling hat dadurch einen Nachteil bei seiner künftigen Pension. Die Entlastung für die Betriebe beträgt rund 175 Millionen Euro jährlich. Im Gegenzug könnte die Bundesregierung die derzeitige Basisförderung in Höhe von aktuell etwa 200 Millionen Euro streichen und hätte so selbst pro Jahr rund 25 Millionen Euro mehr im Budget.“
HABAU Lehrlings-Vorzeigebetrieb
Großer Lehrlingsausbildner ist die HABAU Group in Perg. Der Baukonzern bildet seit 100 Jahren Lehrlinge aus, an zehn Standorten sind es derzeit etwa 140 in 18 Lehrberufen. Schwerpunkte liegen auf Hochbau, Tiefbau und Betonbau, aber auch im Bereich IT oder Bautechnik-Zeichner wird ausgebildet. Hier gebe es auch zunehmend weibliche Lehrlinge, so Eva Maria Rauch, Expertin für Lehrlingsentwicklung bei HABAU.
Neben der fachlichen Qualifizierung setzt HABAU auch intensiv auf Sozialkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung. „Wir begleiten in einer intensiven Entwicklungsphase im Leben“, so Rauch.


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