Grüner Bericht OÖ: Landwirtschaft zwischen Einkommensschwankungen und steigenden Anforderungen
OÖ. Die Einkommen in der Landwirtschaft unterliegen stetig starken Schwankungen. Auf einen Anstieg der Einkommen im Jahr 2022 folgte 2023 ein Rückgang von mehr als 16 Prozent. Nach einer leichten Erholung 2024 entwickelte sich das landwirtschaftliche Einkommen 2025 wieder deutlich positiver, zeigt der Grüne Bericht OÖ für die Jahre 2023 bis 2025. Das im Bericht noch nicht enthaltene Jahr 2026 war geprägt von extremer Trockenheit.

„Dürre, schwankende Einkommen und steigende Erwartungen stellen unsere bäuerlichen Familienbetriebe vor große Herausforderungen. Der Grüne Bericht Oberösterreich zeigt, wie sich unsere Land- und Forstwirtschaft entwickelt – und wo wir die richtigen Weichen für die Zukunft stellen müssen“, so Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP) am Dienstag bei der Präsentation des aktuellen Grünen Berichts.
28.844 land- und forstwirtschaftliche Betriebe zählte Oberösterreich im Jahr 2023. 290.168 Hektar Ackerfläche, 205.649 Hektar Grünland und rund 463.300 Hektar Wald werden bewirtschaftet, die Bruttowertschöpfung liegt bei rund 2,9 Milliarden Euro.
Einkommen schwanken stark
Wie abhängig die Höfe von Wetter und Märkten sind, zeigt die Einkommensentwicklung. Nach einem Rückgang von mehr als 16 Prozent im Jahr 2023 und einer leichten Erholung 2024 stiegen die Einkommen 2025 wieder deutlicher. Dazu trugen die Preisentwicklung bei Milch und Rindfleisch sowie die Erträge im Pflanzenbau bei.
Im Dreijahresmittel 2023 bis 2025 lag das Einkommen bei 51.094 Euro je Betrieb bzw. 39.157 Euro je betrieblicher Arbeitskraft. 2025 waren es durchschnittlich 54.271 Euro je Betrieb bzw. 40.221 Euro je Arbeitskraft.
ÖPUL und Ausgleichszulage
Rund 85 Prozent der oö. agrarförderungsbeziehenden Betriebe (Inveko) nehmen an mindestens einer der möglichen Umweltmaßnahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL teil. Im Jahr 2025 wurden in Oberösterreich dafür 116,4 Millionen Euro ausbezahlt. Unter die Maßnahmen fallen etwa eine umweltgerechte Bewirtschaftung, Zwischenfruchtanbau, die bodennahe Gülleausbringung oder Tierwohl und biologische Wirtschaftsweise.
Eine Bergbauernförderung (Ausgleichszulage) erhielten im Jahr 2025 knapp 14.400 oö. Betriebe - insgesamt 37,1 Millionen Euro.
Für die rund 21.700 Invekos-Betriebe in Oberösterreich wurden 2025 etwa 122 Millionen Euro aus den Direktzahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik geleistet. Die durchschnittliche Direktzahlung lag bei rund 5.600 Euro je Betrieb, wie Hubert Huber, Leiter der Abteilung Land- und Forstwirtschaft des Landes OÖ, ausführt.
Auch Leistungen für Gesellschaft
Langer-Weninger betont, dass diese Zahlungen nicht nur zur Stabilisierung des bäuerlichen Einkommens beitragen würden, sondern Bewirtschaftung ermöglichen und regionale Wertschöpfungsketten schaffen sowie wirtschaftliche Grundlage für gesellschaftliche Anforderungen seien. „Am Ende geht es nicht darum, Geld für das bloße Bewirtschaften von Flächen auszuzahlen. Es geht um Leistungen, die wir als Gesellschaft wollen und von denen wir alle profitieren: gepflegte Wiesen und Almen, eine intakte Kulturlandschaft, Umweltleistungen und Lebensmittel aus der Region.“
Verlässliche Rahmenbedingungen nötig
2026 stellte sich für die heimische Land- und Forstwirtschaft sehr herausfordernd dar. Daher seien verlässliche Rahmenbedingungen nötig. „Entscheidend ist nicht ein einzelnes gutes Jahr, sondern eine verlässliche Perspektive für unsere Betriebe. Wer einen Hof führt, investiert und plant über viele Jahre und Generationen. Deshalb brauchen unsere bäuerlichen Familienbetriebe Rahmenbedingungen, die langfristige Sicherheit geben und nicht nur von einem Wirtschaftsjahr zum nächsten tragen“, so Langer-Weninger.
Sie verweist auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) 2028+ der EU. Die aktuelle Förderperiode endet 2027. Die GAP 2028 bis 2034 wird aktuell verhandelt. „Sie darf nicht nur eine Strukturreform auf dem Papier sein. Sie muss Antworten auf die Realität auf den Höfen geben: auf Klimawandel, Marktvolatilität, steigende Kosten und gleichzeitig steigende gesellschaftliche Erwartungen. Dafür braucht es eine ausreichende Finanzierung und praxistaugliche Instrumente“, fordert Langer-Weninger.
Als Schwerpunkte werden weniger bürokratischer Aufwand, faire Erzeugerpreise, durchgängige Herkunftskennzeichnung, Maßnahmen zur Kostenentlastung und die Beibehaltung der Direktzahlungen und Ausgleichszahlungen genannt.
30 Jahre Landwirtschaft in der EU
Eine Zwischenbilanz nach 30 Jahren heimischer Landwirtschaft in der EU zog anlässlich der Präsentation des Grünen Berichts Agrarökonom Franz Sinabell (WIFO). „Ginge es der Landwirtschaft außerhalb der EU besser als innerhalb? Diese Frage ist gar nicht so schwer zu beantworten. Es gibt zwei Beispiele, die genau diese Situation zeigen, nämlich die Schweiz und Norwegen. Kurz gefasst können wir daraus lernen: Der Strukturwandel verläuft dort ähnlich wie innerhalb der EU und die Zufriedenheit mit der Situation ist auch vergleichbar. Dafür zahlen Verbraucher dort viel mehr für Lebensmittel und das Niveau der Stützung der Landwirtschaft ist annähernd dreimal so hoch. Während die Milchwirtschaft in Österreich ihre internationale Marktposition stark ausbauen kann, fehlt den Milchbauern in der Schweiz und Norwegen der Marktzugang. Zusammen betrachtet haben sowohl Bäuerinnen und Bauern wie auch Verbraucherinnen und Verbraucher bessere Bedingungen innerhalb der EU“, betont Sinabell.








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